Bundespräsident Gauck und Polens Präsident Duda am 28.8.2015 vor dem Schloss Bellevue
Gauck und Duda (l.) vor dem Schloss Bellevue

28.08.2015

Gauck würdigt Eintreten der polnischen Bischöfe für Aussöhnung "Ein großes Geschenk"

Bundespräsident Gauck hat am Freitag den polnischen Präsidenten Duda in Berlin begrüßt. In seiner Rede würdigte Gauck die Bereitschaft der polnischen Bischöfe zur Aussöhnung in den 60er Jahren.

Bundespräsident Joachim Gauck hat den Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder im November 1965 gewürdigt. Er symbolisiere die "beginnende Aussöhnung unserer Völker nach den Verheerungen, die das nationalsozialistische Deutschland über Polen und Europa brachte", sagte Gauck am Freitag im Schloss Bellevue in Berlin anlässlich des Antrittsbesuchs des polnischen Präsidenten. Den Brief zu lesen, so Gauck, "bewegt mich auch heute noch zutiefst".

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten die polnischen Bischöfe die deutschen Bischöfe zur 1966 anstehenden 1.000-Jahr-Feier der Christianisierung Polens eingeladen. Ihr Schreiben endet mit den Worten: "In diesem allerchristlichsten und zugleich sehr menschlichen Geist strecken wir unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung." Zwei Wochen später antworteten die deutschen Bischöfe: "Furchtbares ist von Deutschen und im Namen des deutschen Volkes dem polnischen Volk angetan worden. So bitten auch wir zu vergessen, ja wir bitten zu verzeihen."

"Es gibt Vieles, das wir nicht vergessen werden"

Über die Großherzigkeit der Geste hinaus gehe "eine große Aura" von dem Brief aus, betonte der Bundespräsident. Sie finde sich genauso bei Karol Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II., der zu den Unterzeichnern des Briefes gehörte. Die Autoren hätten nicht nur von Polen und Deutschen gesprochen, von den fruchtbaren Einflüssen, die die Kulturen beider Länder aufeinander nahmen, von den gemeinsamen Heiligen wie der heiligen Hedwig, so Gauck weiter. Die Bischöfe hätten all das in einen europäischen Rahmen gestellt und den reichen Austausch zwischen Polen und anderen abendländischen Völkern gepriesen.

Für die Deutschen - Christen und Nichtchristen, Katholiken und Protestanten - war der Brief nach den Worten Gaucks "ein großes Geschenk". Er fügte hinzu: "Es gibt Vieles, das wir nicht vergessen werden, nicht den Hirtenbrief, nicht die anderen Gesten der Großherzigkeit, nicht das Grenzen überwindende Wesen Papst Johannes Paul II., auch nicht das couragierte Eintreten der Gewerkschaft Solidarnosc für demokratische Freiheiten. Es war ein Kampf, den unzählige Polinnen und Polen für uns alle, für Europa geführt haben."

(KNA)