Am 24. April 1915 nahm der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich seinen Anfang
Erinnerung an Genozid-Opfer

17.04.2015

Wissenschaftler: Bundestag muss Völkermord an Armeniern anerkennen "Der einzige Weg für Erinnerung und Forschung"

Rund 120 deutsche Wissenschaftler haben den Bundestag aufgefordert, das Massakers der Türken an den Armeniern als Völkermord anzuerkennen. Der Jahrestag des Beginns der Gewalttaten ist der 24. April.

"Vergeben Sie die historische Chance nicht, den Opfern, den Überlebenden und den Nachfahren des Völkermords an den Armeniern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen", heißt es in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Brief. Zu den Unterzeichnern gehören die Historiker Jürgen Osterhammel, Jörn Rüsen, der Politologe Elmar Altvater, der Publizist Micha Brumlik, die Ägyptologen Jan und Aleida Assmann sowie der Soziologe Moshe Zuckermann und der frühere evangelische Bischof Wolfgang Huber.

Am Jahrestag des Beginns der Gewalttaten findet dazu eine Bundestagsdebatte statt. Der dazu vorliegende Antrag der Regierungsparteien ist intern umstritten. Aus einem Entwurf wurde der Begriff Völkermord wieder herausgenommen. Offenbar fürchtet die Bundesregierung außenpolitischen Schaden mit der Türkei. 

"Politik der Leugnung"

Auch nach Ansicht der Wissenschaftler wäre es ein Zugeständnis an die offizielle Position der türkischen Regierung, das Massaker vor 100 Jahren nicht als Völkermord anzuerkennen. "Es wäre eine Einwilligung in die Politik der Leugnung." Die Anerkennung sei eine Chance, nationalistische Geschichtsentwürfe und Weltanschauungen in der deutschen Migrationsgesellschaft zu überwinden. Die Bezeichnung als "systematische, intentional geplante und durchgeführte, somit also genozidale Vernichtungspolitik" sei der einzige Weg, der Erinnerung und Forschung Raum zu geben, so die Wissenschaftler. Zahlreiche Parlamente, darunter das französische, schwedische und niederländische und das Europäische Parlament hätten den Völkermord an den Armeniern bereits benannt.

In der Diskussion rief der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, dazu auf, das Ziel der Aussöhnung nicht aus dem Blick zu verlieren. Trotz aller unterschiedlichen Einschätzungen müsse ein gemeinsamer vernünftiger Weg in die Zukunft der betroffenen Völker gefunden werden, sagte Schäfer am Freitag in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, dass sich an der Haltung der Bundesregierung nichts geändert habe.

Papst Franziskus: "Erster Genozid des 20. Jahrhunderts"

Der Verfolgung zwischen 1915 und 1918 im Osmanischen Reich fielen nach Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Armenier zum Opfer. Papst Franziskus hatte die Ermordung als "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts" bezeichnet und damit scharfen Protest der türkischen Regierung hervorgerufen. Auch das EU-Parlament hatte von der Türkei die Anerkennung des Völkermords gefordert.

Auch der Berichterstatter für Armenien in der Unionsbundestagsfraktion, Christoph Bergner (CDU), sprach sich für klare Formulierungen in dem Koalitionsantrag zum Gedenken an die Massaker an den Armeniern aus. "Jedenfalls bin ich gegen jeden Versuch, im Antragstext den Begriff Völkermord zu vermeiden, um ein verharmlosendes Bild der Geschehnisse vor 100 Jahren zu zeichnen", sagte der CDU-Politiker am Freitag Spiegel Online. Bergner kritisierte den bisherigen Umgang der Regierung mit der Debatte: "Die Bundesregierung sollte im Bewusstsein der besonderen deutschen Verantwortung so sprechen, dass die historische Dimension der Ereignisse nicht unter dem Einfluss türkischer Erwartungen unangemessen dargestellt wird", sagte er.

 

(KNA)

Aus der Mediathek

Zum Video: Christliche Nachrichten

28.03.20171:46

Video: Christliche Nachrichten

Zum Video: Fastenimpuls am 28. März

28.03.20173:08

Video: Fastenimpuls am 28. März

Zum Video: Christliche Nachrichten

27.03.20175:17

Video: Christliche Nachrichten

Nachrichten

Aktuelle Nachrichten aus Kirche und Welt – von der domradio.de-Redaktion für Sie ausgewählt und aufbereitet.

Nachrichten abonnieren

Nachrichten-Video

Zum Video:
Dienstag, 28.03.2017

Video, Dienstag, 28.03.2017:Christliche Nachrichten

Nachrichten-Ticker auf Ihrer Website

Erweitern Sie das Informationsangebot Ihrer Seite und binden Sie unseren Nachrichten-Ticker auf Ihre Website ein – einfach und kostenlos.

Mehr Informationen