Schweigeminute in NRW
Schweigeminute in NRW
Schweigeminute vor dem Kölner Dom
Schweigeminute vor dem Kölner Dom

26.03.2015

Große Beteiligung an Schweigeminute in Nordrhein-Westfalen Gedenken an Opfer des Flugzeugabsturzes

Zwei Tage nach dem Flugzeugabsturz in den französischen Alpen haben Menschen in ganz Deutschland der Opfer gedacht. In Nordrhein-Westfalen gab es am Donnerstagvormittag eine landesweite Schweigeminute.

Um genau 10.53 Uhr haben am Donnerstag viele Menschen in Nordrhein-Westfalen der 150 Todesopfer des Flugzeugabsturzes gedacht. In zahlreichen Behörden, Schulen und Unternehmen beteiligten sich die Menschen an der Schweigeminute, zu der die Landesregierung aufgerufen hatte. Um 10.53 Uhr war am vergangenen Dienstag die Funkverbindung zu der Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U 9525 abgebrochen. Von den 72 deutschen Opfern stammen 64 aus NRW.

Die Kirchen hatten Gläubige dazu aufgerufen, an dem stillen Gedenken teilzunehmen. Vielen Menschen sei es ein großes Bedürfnis, ihre Betroffenheit und ihr Entsetzen über den Flugzeugabsturz vor Gott zu bringen, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski.

Kirchenglocken läuteten

In Aachen erschallte das Trauergläut des Doms. In unmittelbarer Nähe der Kirche standen die Menschen schweigend still. Viele davon gingen anschließend zum Gebet und zum Gedenken in den Dom. Am Kölner Dom läutete um 10.53 Uhr für zweieinhalb Minuten eine einzelne Glocke. Auch in Dortmund und Bochum läuteten zahlreiche Glocken.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die gerade noch am Unglücksort in Frankreich gewesen war, gedachte der Opfer mit ihren Mitarbeitern in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Um ihre Trauer und ihr Mitgefühl auch gegenüber den Angehörigen der Opfer auszudrücken, versammelten sich im Landtag Abgeordnete und Mitarbeiter in der Eingangshalle.

Gottesdienst an Kölner Gymnasium

Überall im Land unterbrachen Schüler und Lehrer den Unterricht. Am Dortmunder Mallinckrodt-Gymnasium legten Schüler und Lehrer bereits zum zweiten Mal eine Schweigeminute ein. Am Mittwoch hatten sie eines ehemaligen Schülers gedacht, der als Flugbegleiter in der Unglücksmaschine war. 2010 hatte er sein Abitur an der Schule abgelegt. In der Schulkapelle wurden Kerzen aufgestellt.

Im Apostelgymnasium Köln gab es einen Gottesdienst. Die Abiturienten trugen dunkle Kleidung. Das Hansa-Gymnasium Köln läutete die Schulglocke. Die Lehrer sprachen mit den Schülern in den Klassen über das Unglück.

Auch am Düsseldorfer Flughafen - dort hatten Angehörige am Dienstag vergeblich auf ihre Liebsten gewartet - herrschte eine Minute der Stille. In mehreren Sprachen waren die Passagiere zuvor auf die Gedenkminute aufmerksam gemacht worden. Wie auch schon am Mittwoch sei die Anteilnahme groß gewesen, sagte ein Sprecher.

Bahnverkehr stand still

In zahlreichen Städten blieben Busse und Straßenbahnen an den nächsten Haltestellen stehen, so etwa in Essen, Mülheim an der Ruhr und Bonn. Die Fahrgäste waren zuvor mit Durchsagen an den Haltestellen und in den Fahrzeugen informiert worden. Die Rheinbahn in Düsseldorf wies auf ihren Anzeigetafeln auf das Gedenken hin. In Dortmund gab es eine Gedenk-Durchsage in den U-Bahnstationen.

Am Bochumer Hauptbahnhof wurde mit einer Lautsprecherdurchsage zum Gedenken aufgerufen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof gab es um 10.53 Uhr eine leise Durchsage, dass in dieser Minute der Opfer gedacht werde. In der Bahnhofshalle nahm aber niemand erkennbar Notiz davon. Einige standen neben ihrem Gepäck. Aber nicht, um der Opfer zu gedenken, sagen sie. Sondern um ihre Reiseanschlüsse zu finden.

Auch der Bundestag erinnerte zu Beginn seiner Plenarsitzung an die 150 bei dem Unglück gestorbenen Menschen. "Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden der Opfer", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Donnerstagmorgen in Berlin. Die Hinterbliebenen gingen durch eine "unbeschreiblich schwere Zeit". Die Frage nach dem Grund für den Absturz sei noch unbeantwortet und bleibe dies vielleicht auch. Die Angehörigen werde indes auch eine Erklärung nicht über den Schmerz und den Verlust trösten, sagte Lammert: "Wir sind in Gedanken bei ihnen."

Gemeinsame Gedenkveranstaltung der NRW-Kirchen

Das Unglück habe Deutschland, Spanien und Frankreich in Schock und Schmerz vereint. Deutschland habe viel internationale Anteilnahme erfahren und sei dankbar dafür, sagte Lammert. Unter den Toten waren 72 Deutsche und 35 Spanier. Daneben waren unter anderem Menschen aus der Türkei, Belgien, Dänemark, Argentinien und Kolumbien an Bord.

Derzeit laufen Planungen für eine gemeinsame Gedenkveranstaltung der Kirchen und des Landes Nordrhein-Westfalen, wie eine Sprecherin der westfälischen Landeskirche dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Am Freitag wollen die katholische und evangelische Kirche in Düsseldorf einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der St.-Lambertus-Kirche feiern.

(epd, dpa)