Baum-Experte Jakov Schkolnik vor einem Lorbeerbaum
Baum-Experte Jakov Schkolnik vor einem Lorbeerbaum
Die Olivenbäume im Garten Gethsemane in Jerusalem
Die Olivenbäume im Garten Gethsemane in Jerusalem

24.12.2014

Uralte Bäume im Heiligen Land Lebendiges Zeugnis biblischer Zeiten

Schon in der Bibel spielen Bäume eine besondere Rolle - angefangen mit dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis. In Israel werden antike Bäume dokumentiert und sorgfältig gepflegt.

Die Olivenbäume im Garten Gethsemane in Jerusalem mit ihren silbrig-grünen Blättern gehören zu den ältesten Bäumen der Welt. Die Gewächse am Fuße des Ölbergs, von denen einige schon in viele Teile zerfallen sind, wirken wie ein lebendiges Zeugnis biblischer Zeiten. "Hat schon Jesus diese Bäume gesehen?", fragt der israelische Baum-Experte Jakov Schkolnik. "Es ist zumindest möglich."

Das genaue Alter der Olivenbäume lasse sich nicht festlegen, nur schätzen. "Bei lebenden Bäumen kann man die Jahresringe nicht zählen." Sie seien aber nach Ansicht von Experten mindestens ein, vielleicht aber auch zwei Jahrtausende alt.

Mit einem schweren Eisenzaun werden die altersschwachen Bäume vor den vielen neugierigen Besuchern aus aller Welt geschützt. "Sonst würden sich bestimmt viele zum Andenken ein Stück abschneiden, es vielleicht verkaufen", erklärt der Botaniker.

Gebet Jesu in der Nacht vor seiner Kreuzigung

Für Pilger hatte der Garten Gethsemane mit seinen eindrucksvollen Pflanzen schon immer eine ganz besondere Bedeutung. Nach christlicher Überlieferung betete Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung in diesem Olivenhain. In Erinnerung an seinen verzweifelten Seelenkampf heißt die benachbarte römisch-katholische Kirche auch "Todesangst-Basilika". Auch ihre schwere Eingangstür ist mit dem Abbild eines Olivenbaums verziert.

Schkolnik verweist auf die besondere kulturelle Bedeutung des Ölbaums im Mittelmeerraum. "Der Olivenzweig gilt als Symbol des Friedens." Im Alten Testament kehre eine von Noah ausgesandte Taube mit einem Olivenzweig von ihrem Flug auf die Arche zurück. Dies symbolisiere das Ende der Sintflut und einen neuen Bund des Friedens mit Gott. Im Altertum sei Olivenöl auch die wichtigste Energiequelle gewesen, ähnlich wie das heutige Öl.

Schkolnik hat in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Nationalfonds mehr als 200 uralte Bäume in Israel dokumentiert. "Jeder Baum hat seine ganz eigene, faszinierende Geschichte", sagt Schkolnik. Die Dokumentation soll auch dabei helfen, die Gesundheit der alten Bäume zu wahren. "Man kann sie stützen, man kann Ungeziefer bekämpfen", sagt Schkolnik. Wieweit der Mensch bei der Pflege der betagten Gewächse eingreifen sollte, sei allerdings unter Experten umstritten.

Die Spurensuche geht weiter: Auch im Hof des griechisch-orthodoxen Kreuzklosters in Jerusalem stehen zwei bedeutsame Bäume. "Ein tschechischer Pilger hat sie im 19. Jahrhundert von dem heiligen griechischen Berg Athos hierher gebracht", erzählt Schkolnik. Eine der beiden Zypressen ist so groß, dass ihr Stamm mit einem Geländer im Obergeschoss des Klosters verwachsen ist.

Stumme Zeugen

Eine christliche Legende erzählt eine wundersame Geschichte über einen weiteren Baum, der hier gestanden haben soll: Der biblische Urvater Lot habe als Zeichen der Buße für verbotenen Sex mit seinen Töchtern den Baum gepflanzt, aus dem später das Holz für das Kreuz Jesu gewonnen worden sei. Wie auch ein Gemälde am Eingang zeigt, soll der heilige Baum aus drei Pflanzen zu einer "verschmolzen" sein - aus einer Pinie, einer Zypresse und einer Zeder. Unter einem Altar im Inneren des festungsartigen Gebetshauses ist der Platz, an dem der Baum gestanden haben soll, mit einem Silberring markiert.

Ein anderer dokumentierter Baum steht neben dem britischen Soldatenfriedhof in Jerusalem. Der große Lorbeerbaum wirft lange Schatten auf die gepflegte Ruhestätte. Hier liegen rund 2500 Männer begraben, die alle 1917 während des Ersten Weltkriegs getötet wurden.

Der britische Feldmarschall Edmund Allenby war damals im Kampf gegen die türkischen Herrscher über Gaza und Beerscheva vorgedrungen. "Allenby hat den Briten versprochen, Jerusalem bis Weihnachten zu erobern." Was ihm auch gelang: Am 9. Dezember 1917 marschierte Allenby mit seinen Truppen in der Stadt ein. "Diese jungen Männer haben den Preis gezahlt", sagt Schkolnik und blickt nachdenklich auf den Friedhof, auf dem ein Ölbaum steht wie ein stummer Zeuge.

(dpa)