Trauer in Pakistan
Trauer in Pakistan
Trauer in Pakistan
Trauer in Pakistan
Blutige Geiselnahme in Peshawar, Pakistan
Blutige Geiselnahme in Peshawar, Pakistan
Gerettet: Schüler nach der Geiselnahme in Peshawar
Gerettet: Schüler nach der Geiselnahme in Peshawar

17.12.2014

Nach Schulmassaker beginnt dreitägige Trauer in Pakistan Comeback der Todesstrafe

Nach dem Massaker islamistischer Talibankämpfer an einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar hat eine dreitägige Trauer um die Opfer begonnen. Die Todesstrafe soll nun wieder eingesetzt werden.

Nach dem Massaker islamistischer Talibankämpfer an einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar hat am Mittwoch eine dreitägige Trauer um die Opfer begonnen. An öffentlichen Gebäuden wehten Fahnen auf Halbmast.

Bei dem bislang blutigsten Angriff der pakistanischen Taliban starben am Dienstag mindestens 141 Menschen, unter ihnen 132 Schulkinder. Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif sprach von einer "nationalen Tragödie" und berief für Mittwoch eine Konferenz aller Parteien ein.

Ein Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) rechtfertigte das Blutbad als Vergeltung für Angriffe der Armee in den Stammesgebieten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Die Streitkräfte hatten dort im Juni eine Offensive gegen radikalislamische Gruppen begonnen. Die afghanischen Taliban verurteilten jedoch den Terrorangriff vom Dienstag als nicht mit den Idealen den Islams vereinbar.

In den pakistanischen Medien wurde der Überfall verurteilt. "Teufel töten unsere kleinen Engel", titelte die englischsprachige Zeitung "The Nation". Der "Express" sprach von Pakistans "dunkelster Stunde". Der Anschlag wurde selbst von anderen radikal-islamischen Terrorgruppen scharf verurteilt: Der Sprecher der afghanischen Taliban, Sabihullah Mudschahid, erklärte: "Das absichtliche Töten unschuldiger Menschen, Kinder und Frauen widerspricht den Grundlagen des Islams." Der Anführer der radikalen Jammat-ud-Dawa-Organisation, Hafiz Saeed, betonte: "Ein Massaker an unschuldigen Kindern ist Terrorismus".

Angesichts der schrecklichen Bluttat wurde selbst in dem mit Pakistan verfeindeten Indien der Opfer und ihrer Familien gedacht. Schulen und das Parlament in Neu-Delhi hielten am Morgen in einer Schweigeminute inne.

Diesen Mittwoch werden weitere Beerdigungen erwartet. Zudem sind Mahnwachen, Proteste und Trauerzeremonien an verschiedenen Orten im ganzen Land geplant.

Pakistan setzt Todesstrafe wieder ein

Nach dem Schulmassaker kehrt Pakistan zur Todesstrafe zurück. Premierminister Nawaz Sharif erklärte am Mittwoch ein seit 2008 bestehendes Moratorium für beendet, wie die Zeitung "Dawn" berichtete. Dies gelte für Fälle von "terroristischen Taten", hieß es aus dem Büro des Regierungschefs. Pakistan hat mehr als 8.000 zum Tode verurteilte Gefangene.

Pakistans Militär reagierte bereits am Dienstag mit Luftanschlägen gegen Stützpunkte der pakistanischen Taliban. Ein US-Drohnenangriff in Afghanistan soll vier pakistanische Taliban-Kämpfer getötet haben.

Forscher: Konkurrenz der Islamisten sorgt für Gewaltspirale

Der Terrorismusexperte Guido Steinberg erklärt den brutalen Anschlag der Taliban mit dem Ringen um weltweite Aufmerksamkeit. Die Taliban stünden in Konkurrenz zu Al-Kaida und vor allem zur IS-Terrormiliz, sagte der Wissenschaftler von der Stiftung Wissenschaft und Politik am Mittwoch im Deutschlandfunk. Umso fürchterlicher müssten die Attacken ausfallen.

"Es gibt kaum Gewalttabus für die Taliban", sagte der Islamismusexperte. Wegen der weltweiten Konkurrenz der islamistischen Terrororganisationen sei in den vergangenen Monaten "die Gewaltschraube enorm gedreht" worden. "Wer also tatsächlich unsere Aufmerksamkeit haben will, der muss ganz, ganz große, ganz, ganz fürchterliche Anschläge verüben."

Bislang hätten die pakistanischen Taliban "in gewisser Weise immer noch in der zweiten Liga gespielt", erläuterte Steinberg. Sie seien nur in Pakistan oder gelegentlich in Afghanistan aktiv gewesen. Jetzt wollten sie der gesamten Welt zeigen, dass sie "in der Lage sind, den pakistanischen Staat in seinen Grundfesten zu erschüttern". Darüber hinaus hätten sie auch eine "internationale Agenda", und daher sei ihnen die Aufmerksamkeit der westlichen Medien sehr wichtig. Dazu komme, dass diejenigen islamistischen Organisationen besonders viel Anziehungskraft entwickelten, die "einerseits in der Lage sind, die USA und die westliche Welt zu gefährden, andererseits aber auch in den Heimatländern eine Kraft darstellen".

Erstaunlich findet Steinberg, dass die pakistanische Armee seit 2007 nicht in der Lage sei, das Taliban-Problem zumindest einzudämmen. Das liege vor allem an der Politik der Pakistanis in den letzten Jahren: "Sie haben nämlich die afghanischen Taliban seit 2001 und auch vorher gefördert." Das habe zu einer Talibanisierung an der pakistanisch-afghanischen Grenze und zum Entstehen einer eigenen Taliban-Bewegung in Pakistan geführt. Sie habe sich verselbstständigt und sei nun nicht mehr ein willfähriges Instrument der Armeeführung, sondern greife selber den pakistanischen Staat an. "Hier ernten die pakistanischen Militärs, was sie gesät haben."

Papst betet für Terroropfer

Papst Franziskus betet für die Opfer der jüngsten Terroranschläge in Pakistan, Australien und dem Jemen. Zugleich betete er bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz, Gott möge "die Herzen der Gewalttäter bekehren, die nicht einmal vor Kindern haltmachen". Im Jemen starben am Dienstag durch ein Bombenattentat mindestens 25 Menschen, darunter viele Schulkinder. Im australischen Sydney hatte am Montag ein islamistischer Geiselnehmer in einem Cafe zwei Menschen getötet.

(dpa, KNA)