Neue Heimat Bayern
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07.12.2014

Spott über CSU-Forderung nach Deutsch-Pflicht "Narrisch" und "komplett bescheuert"

Viele Ureinwohner Bayerns tun es selber nicht, Zuwanderer indes sollen zu Hause deutsch sprechen: Diese Forderung der CSU ruft Spott und Empörung hervor. Von Zuwanderern erwartet die CSU zudem eine Identifikation mit "bayerischen Werten".

Im Leitantrag für den CSU-Parteitag am kommenden Wochenende in Nürnberg heißt es: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen." Wie diese Forderung realisiert werden soll, werde in dem Entwurf indes nicht spezifiziert.

Von Zuwanderern will die CSU eine Identifikation mit "bayerischen Werten": "Die Menschen kommen zu uns ins erfolgreiche Bayern, weil sie hier die besten Zukunftschancen für sich und ihre Familien sehen. Die Menschen kommen zu uns, weil sie sich mit unseren bayerischen Werten identifizieren. Das erwarten wir auch." Eine "Zuwanderung in die Sozialsysteme" lehnt die CSU weiter mit harschen Worten ab: "Wer nur nach Deutschland kommt, um sich in die soziale Hängematte zu legen, dem werden wir Sozialleistungen verweigern."

"Der Vorschlag eignet sich für den Satiregipfel", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann der "Welt" (Montagsausgabe). SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sprach in der "Bild am Sonntag" von einem "komplett bescheuerten Vorschlag". Fahimi erklärte, die CSU wolle offenbar zur neuen Verbotspartei werden: "Nach der Ausländermaut jetzt das Sprachverbot." Der Staat habe sich völlig herauszuhalten, welche Sprache in den eigenen vier Wänden gesprochen werde, betonte Fahimi. Wichtig sei, die deutsche Sprache zu erlernen. "Wer zweisprachig aufwächst, hat enormen Vorteil."

Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte: "Das Freiheitsverständnis der CSU in ihrer neuen Rolle als Sprachpolizei ist atemberaubend." Es gehe niemanden etwas an, welche Sprache Zuwanderer zu Hause sprechen, sagte Özdemir der "Bild am Sonntag". "Nicht auszudenken, hätten die Amerikaner einem Thomas Mann verboten, daheim deutsch zu sprechen."

Lob von Bosbach

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, erklärte: "Jetzt ist die CSU narrisch geworden." Beck bezeichnet den CSU-Vorstoß als "übergriffig, respektlos und reine Stimmungsmache". Er betonte, dass das Pflegen der eigenen Sprache, Kultur und Religion und die Integration in das Einwanderungsland keine Gegensätze seien.

Die Reaktionen aus der CDU sind indes gespalten: Während sich Generalsekretär Peter Tauber distanzierte, kam Zustimmung vom CDU-Innenexperten Wolfang Bosbach. Tauber hatte bereits am Freitag getwittert: "Ich finde ja, es geht die Politik nichts an, ob ich zu Hause lateinisch, klingonisch oder hessisch rede." Verständnis für die CSU zeigte dagegen der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Bosbach: "Für gute Integrationschancen sind Sprachkenntnisse von überragender Bedeutung", sagte er der "Bild am Sonntag". "Deshalb ist es wichtig, dass mit Kindern auch zu Hause deutsch gesprochen wird."

Spott im Internet

Der Leitantrags-Entwurf sorgt auch im Internet für Spott und Häme. Im Kurznachrichtendienst Twitter äußern sich Nutzer in ganz Deutschland unter dem Hashtag "#YallaCSU" amüsiert bis entsetzt über den Parteivorschlag. Der Name des Hashtags ist ein ironischer Ermunterungszuruf nach dem arabischen "Yalla", das übersetzt etwa "Los, auf geht's!" bedeutet.

"Ich spreche ab sofort kein Bayerisch mehr zu Hause, sondern nur noch Deutsch...", kündigt eine Twitter-Nutzerin an. Viele äußern Zweifel an den Hochdeutschkenntnissen der Bayern. Auch die ironische Frage, ob die katholische Messe bald auf Deutsch gelesen werde, ist zu lesen. Ein anderer Nutzer vermutet: "Die #YallaCSU-Debatte ist nur ein Trick, um vom Maut-Debakel abzulenken." Auch "knallhartes rechtspopulistisches Kalkül" wird hinter dem Vorschlag vermutet.

(dpa, epd, dr)