Bernard Kouchner
Bernard Kouchner
Ärzte ohne Grenzen in Liberia
Ärzte ohne Grenzen in Liberia

01.11.2014

Gründer von "Ärzte ohne Grenzen" wird 75 Jahre Arzt, Politiker und Medienprofi

Er ist bekannt als Gründer der Organisation "Ärzte ohne Grenzen"- der Franzose Bernard Kouchner wird am Samstag 75 Jahre alt. 

Er ist bekannt als "French Doctor", als Mitbegründer der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Organisation "Ärzte ohne Grenzen", als ehemaliger Gesundheits- und Außenminister Frankreichs und als UNO-Repräsentant in Kosovo.

Der Franzose Bernard Kouchner ist bekannt für seine freundlichen Gesten. Ein Medienprofi ist Kouchner zweifelsohne. Der Veteran der Krisennothilfe und Erfinder des "Rechts auf Einmischung" wird am 1. November 75 Jahre alt.

Schlüsselerlebnis: Völkermord in Biafra 

Das Schlüsselerlebnis für das Engagement des ausgebildeten Gastroenterologen ist der Völkermord im Kessel von Biafra 1968 mit rund zwei Millionen Toten. Als freiwilliger Helfer des Roten Kreuzes erlebte er die Ohnmacht großer Hilfsorganisationen.

Das Leiden und der Hunger der Bevölkerung motivierten ihn, die Unterdrückung und die Verbrechen sichtbar zu machen. Mit anderen engagierten, jungen Medizinern gründete er 1971 die humanitären Organisationen "Medecins sans frontieres" (MSF, Ärzte ohne Grenzen). 

In 88 Ländern 

Für Kouchner war die Gründung der Auftakt eines jahrzehntelangen Engagements. Mittlerweile ist MSF zu einer der renommiertesten Hilfsorganisationen der Welt gewachsen. MSF war bisher in rund 300 Projekten in 88 Ländern tätig.

Sie entsendet jährlich über 200 internationale Mitarbeiter in Auslandsprojekte, fast 8.000 Ehrenamtliche wirken weltweit mit. Freiwillige Mediziner, Krankenschwestern und Helfer operieren, errichten Ernährungszentren und dämmen Epidemien ein. Dabei schauen sie weder auf Rasse, Religion noch politische Überzeugung. Ganz nach dem Credo Kouchners agiert MSF: sich einmischen, Verbrechen bezeugen und den Opfern aktiv Hilfe leisten.

Streit Ende der 70er 

Kouchner selbst nahm an humanitären Einsätzen und friedensstiftenden Missionen in vielen Teilen der Welt teil, so in Biafra, Kambodscha, Somalia, El Salvador, Ruanda, in Kosovo und in Georgien. 1979 kam es zum Krach zwischen Kouchner und MSF.

Er hatte dafür plädiert, nur von Fall zu Fall und mit Medienunterstützung zu handeln. Dagegen drang eine andere Fraktion darauf, "Medecins sans frontieres" zu professionalisieren und ständig einsatzbereit zu halten.

Gründung einer neuen Organisation 

Daraufhin schuf Kouchner die Konkurrenzorganisation "Medecins du monde" (Ärzte der Welt). Seine "french doctors" wurden bald in den Konflikt- und Krisengebieten rund um den Erdball zu einem Begriff.

Für den Franzosen galt: Das Recht auf humanitäre Intervention geht vor. Im Zweifel sogar vor staatliche Souveränität. Um langfristig humanitäre Einmischung gewährleisten zu können, gründete er 1993 die Stiftung "Fondation pour l'Action Humanitaire".

Mitglied des EU-Parlaments

Ein Jahr später kandidierte er für das Europäische Parlament - mit Erfolg, auch wenn er zu dieser Zeit nicht Mitglied einer politischen Partei war. Von 1999 bis 2001 schickte ihn der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, als Sondergesandten in den Kosovo.

Als Nicolas Sarkozy 2007 die französischen Präsidentschaftswahlen gewann, ernannte er den Sozialisten Kouchner zum Außenminister. Kouchner fühlte sich auch in diesem Amt humanitären und menschenrechtlichen Zielen verpflichtet - machte jedoch keinen Hehl daraus, sich nicht an eine parteipolitische Linie halten zu wollten.

Imageschaden 

Kritik an seiner Person duldete er nicht. Einige Journalisten wurden wegen mangelnder Unterwürfigkeit bestraft. Als etwa die französische Journalistin Natalie Nougayrede es wagte, in einem Porträt über Kouchner seine Arbeitsweise zu kritisieren, verhängte er einen Reise- und Terminbann über sie. 2009 kriselte das Image des Franzosen.

Schwere Vorwürfe, er habe sich auf dubiose Geschäfte mit afrikanischen Diktatoren eingelassen, machten die Runde. Das Saubermann-Image war in Gefahr. Kouchner dementierte die Gerüchte.

Autor für Fachbücher 

Neben seiner politischen und humanitären Karriere ist Kouchner Autor einer Reihe von Fachbüchern. Für sein jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte erhielt Kouchner kürzlich den Victor-Gollancz-Preis der Gesellschaft für bedrohte Völker. Damit werde der lebenslange Einsatz des Mediziners gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgezeichnet, hieß es bei der Laudatio.

 

 

Kerstin Bücker
(KNA)