Erzbischof Zollitsch vor dem Urheiligtum in Schönstatt
Erzbischof Zollitsch vor dem Urheiligtum in Schönstatt
Kapelle in Schönstatt
Kapelle in Schönstatt

11.10.2014

Zollitsch: Schönstatt ermutigt zur Ehe Tipps für Familiensynode

Eine Woche vor dem Schönstatt-Jubiläum blickt der emeritierte Erzbischof Zollitsch auf das Wirken der Bewegung. Schönstatt nehme Eheleute die Angst vor einem lebenslangen Bündnis, so Zollitsch mit Blick auf die Bischofssynode.

domradio.de: Was bedeutet Ihnen der Satz "Dein Bündnis unsere Mission"?

Erzbischof em. Robert Zollitsch (Mitglied im Schönstattinstitut Diözesanpriester): Es geht darum, uns darauf zu besinnen, was das innerste Lebensprinzip Schönstatt ist und das ist das Liebensbündnis mit der Gottesmutter. Schönstatt versteht sich als Werk der Gottesmutter und möchte anhand der Gottesmutter für die Erneuerung der Kirche, der Welt eintreten. Deswegen der Gedanke der Mission. Wir leben nicht für uns, wir wollen nicht das, was uns im Evangelium geschenkt worden ist,  für uns behalten. Wir wollen das, was in den 100 Jahren Schönstatt gewachsen ist nicht einfach im kleinen Kämmerlein feiern, sondern sagen, jawohl, es gilt darum, das möglichst vielen Menschen zu vermitteln, damit das Evangelium wächst. Deswegen ist der Auftrag das, was in Schönstatt den Menschen durch die Gottesmutter geschenkt worden ist, weiterzuschenken, weiterzuführen und so für die Evangelisierung der Welt aktiv einzutreten.

domradio.de: Liebesbündnis haben Sie gesagt. Wenn man das versucht, ganz einfach zu erklären, wie würden Sie das machen?

Zollitsch: Es geht einfach darum, zu sagen, ja, ich gehe meinen Weg mit der Gottesmutter, so wie Gott uns den Bund angeboten hat. Sie sagt: Ich nehme Dich bei der Hand, lieber Mensch! In diesem Bündnis gilt es gemeinsam den Weg des Glaubens, den Pilgerweg bis hin zur Vollendung zu gehen, zu wissen, da haben wir eine Mutter, unter deren Schutz wir uns gestärkt und geschützt wissen und da haben wir eine Mutter, an deren Hand wir unser Leben gestalten können. Sie ist zugleich auch das große Vorbild, das uns hilft, uns nach dem Willen Gottes auszurichten - so wie sie selbst es getan hat.

domradio.de: Wie kam es zu ihrer ganz persönlichen Beziehung zu Schönstatt?

Erzbischof Zollitsch: Ich habe bereits als "Jungmann" Schönstatt durch einige Mitschüler kennengelernt und ich habe dann entdeckt, dass gerade dieser Gedanke für die Erneuerung der Welt und Kirche einzutreten, für die anderen da zu sein, mich fasziniert. Ich habe von Kindheit an ein unkompliziertes Verhältnis zur Gottesmutter von meiner Familie her, so dass mich das spontan angesprochen hat.

domradio.de: Das heißt, Sie fühlen sich am Urheiligtum in Vallendar auch ein bisschen Zuhause?

Zollitsch: Ja, ich fühle mich Zuhause und komme gerne hin. Ich spüre, was da gewachsen ist. Da fühle ich mich wohl, da darf ich sein und da kann ich mit alldem, was mich belastet, was mir Freude macht, alldem, wovon ich lebe, in die Hände der Gottesmutter legen und wieder neu sagen, jawohl, ich gehe den Weg weiter mit ihr.

domradio.de: Sie freuen sich auf das Jubiläum, oder?

Zollitsch: Ja, das ist natürlich schön, wenn man ein Jubiläum von 100 Jahren feiern darf und es ist auch etwas Großes. Schönstatt ist ja die einzige große geistliche Bewegung, die im 20. Jahrhundert in Deutschland entstanden ist. Es gilt auch wirklich für das dankbar zu sein, was da gewachsen ist und dass Schönstatt jetzt in über 50 Ländern verbreitet ist. Das zeigt, dass die Gottesmutter eine Dynamik entfaltet und Menschen anspricht, ihnen eine Heimat gibt und nicht zuletzt durch die Pilgermadonna viele anspricht und die Menschen zur Gottesmutter und damit zu Gott geführt werden.

domradio.de: Das Thema Neuevangelisierung ist ein ganz aktuelles Thema, was auch in Rom gerade mit Blick auf die westlichen Länder diskutiert wird. Inwieweit kann da Schönstatt Vorbild sein?

Zollitsch: Ich bin ja nun selbst Mitglied der Bischofssynode für die Neuevangelisierung. Es ist einfach wichtig zu sagen: Woraus lebe ich? Wie lebe ich meinen Glauben? Und vor allem, wie schaffe ich das, woraus ich lebe, einfach den anderen mitzuteilen und weiterzugeben? Damit ich möglichst viele mitnehme, damit die Menschen meinen Glauben mitglauben können, dass ich im Glauben der anderen mitgetragen werde, Stärke finde. So dass es eine Kettenreaktion gibt, wie wir einander anstecken mit dem, was das Evangelium uns bringt, was uns von Gott geschenkt ist.

domradio.de: Zu Schönstatt gehört auch die persönliche Begegnung, dieser Bund, dieses Pflegen von Beziehungen. Glauben Sie von Schönstatt kann auch ein Impuls auf die Familiensynode ausgehen?

Zollitsch: Es ist eine der großen Aufgaben für Ehe und Familie zu sorgen. Das Familienwerk gehört zu den wachsenden Gemeinschaften in Schönstatt. Das ist etwas Schönes, weil das Ideal - die Familie zu leben, Leben weiterzugeben und das unter dem Schutz der Gottesmutter nach dem Vorbild der Heiligen Familie zu tun - etwas Großartiges ist. Wir werden das bei der Bischofssynode miteinbringen, was das heißt, aus dem Glauben Familie und Ehe zu gestalten und wirklich das Bündnis der Ehe wirklich religiös zu leben und zu spüren, dahinter steht noch jemand, nämlich der andere, nämlich Gott, der im Sakrament den Weg mit mir geht und mir die Kraft gibt, gerade diesen Weg zu gehen. Das ist für die Eheleute eine gewaltige Ermutigung. Heute ist diese Botschaft besonders wichtig, wo immer mehr Menschen Angst haben vor Bindungen, obwohl sich viele nach der Bindung, nach der Treue für ein Leben lang sehnen. Menschen Mut zu machen, diese Bindung einzugehen und auch das Bündnis mit dem Ehepartner zu schließen - das ist für mich eine wichtige Botschaft, die wir von Schönstatt aus in unsere Kirchen einbringen können.

Das Interview führte Matthias Friebe

(dr)