10.10.2014

Malalas Rede vor den Vereinten Nationen "Ich will Bildung für die Söhne und Töchter der Taliban "

Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hielt am 12. Juli 2013, ihrem 16. Geburtstag, eine vielbeachtete Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Es war ihre erste öffentliche Ansprache nach dem gescheiterten Mordanschlag.

Liebe Freunde, am 9. Oktober 2012 schossen die Taliban mir in die linke Seite meiner Stirn. Sie schossen auch auf meine Freundinnen. Sie dachten, dass die Kugeln uns zum Schweigen bringen würden, doch sie irrten sich. (...)

Ich bin dieselbe Malala geblieben. Meine Ziele sind dieselben.

Meine Hoffnungen sind dieselben. Und meine Träume sind dieselben.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin gegen niemanden. Ich bin auch nicht hier, um persönliche Rache an den Taliban oder irgendeiner anderen Terrorgruppe zu üben. Ich bin hier, um mich für das Recht auf Bildung für alle Kinder einzusetzen. Ich will Bildung für die Söhne und Töchter der Taliban und die Kinder aller anderen Terroristen und Extremisten. (...)

Das ist das Mitgefühl, das ich von Mohammed, dem Propheten der Gnade, gelernt habe, von Jesus Christus und Buddha. Das ist das Vermächtnis der Umkehr, das ich von Martin Luther King, Nelson Mandela und Mohammed Ali Jinnah geerbt habe. (...)

Der Weise sagt: "Der Stift ist stärker als das Schwert." Das stimmt. Die Extremisten haben Angst vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung erschreckt sie. (...)

Der Islam ist eine Religion des Friedens, der Menschlichkeit und der Brüderlichkeit. Islam bedeutet, dass jedes Kind die Pflicht und das Recht auf Bildung hat. Frieden ist eine Grundlage für Bildung. In vielen Teilen der Welt, besonders in Pakistan und Afghanistan, machen es Kriege und Konflikte den Kindern unmöglich, zur Schule zu gehen.

Wir sind dieser Kriege überdrüssig. (...)

Lasst uns gegen Analphabetismus, Armut und Terrorismus einen glorreichen Kampf wagen. Lasst uns dazu unsere Bücher und Stifte nehmen, sie sind die mächtigsten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung.

(epd)