31.08.2014

Vor 75 Jahren Beginn des Zweiten Weltkriegs Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen

Mit dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschland auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Zu den Gedenkfeiern in Polen reist Bundespräsident Gauck am Montag nach Danzig. Evangelische und katholische Christen in beiden Ländern erinnern ab diesem Wochenende an den 75. Jahrestag des Beginns des Weltkriegs.

Bei der Feier am historischen Ort werden neben den Vorsitzenden der beiden Bischofskonferenzen, Kardinal Reinhard Marx und Erzbischof Stanislaw Gadecki, auch Vertreter der evangelischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft Polens an die Opfer des Krieges erinnern und für Frieden beten. Der Zweite Weltkrieg kostete mehr als 60 Millionen Menschen das Leben. Bezogen auf die Bevölkerung hatte keine Land so viele Opfer und Leidtragende zu beklagen wie Polen.

In Berlin wird am Montag, dem 75. Jahrestag, in Gottesdiensten und Friedensandachten an den Kriegsbeginn erinnert. An einem ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto "Versöhnung weltweit" wirken in der St. Marienkirche neben anderen der katholische Bischof von Gliwice, Jan Kopiec, der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge sowie der anglikanische Bischof von London, Richard Chartres, mit. Ein weiterer Gedenkgottesdienst mit Bischof Chartres findet bereits am Sonntag im Berliner Dom statt.

Neuanfang auf kirchlicher Seite

Die Kirchen haben nach 1945 für einen Neuanfang in den deutsch-polnischen Beziehungen den Weg geebnet. So gilt der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe aus dem Jahr 1965 als wichtige Etappe für den Aussöhnungsprozess beider Länder. In dem an die deutschen Bischöfe gerichteten Schreiben sprach das polnische Episkopat Vergebung für deutsche Schuld aus und bat zugleich um Vergebung für polnische Schuld.

Auf evangelischer Seite trug die sogenannte Ostdenkschrift von 1965 maßgeblich zur Neuausrichtung der deutschen Ostpolitik bei. In dem Dokument "Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn" wird das Unrecht an den deutschen Vertriebenen beklagt. Zugleich wird in der strittigen Grenzfrage empfohlen, das Heimatrecht der polnischen Bevölkerung in den Gebieten jenseits der Oder-Neiße-Linie anzuerkennen.

Enge Beziehungen durch Partnerschaften

Andere Initiativen zur Begegnung und Verständigung sind mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste verbunden, die in der Gedenkstättenarbeit eine wichtige Rolle spielt. Daneben gibt es vielfältige Partnerschaften von deutschen Landeskirchen zu den Kirchen in Polen, Jugendaustausch und Gemeindepartnerschaften. Auf katholischer Seite gibt es seit 1993 eine Partnerschaft zwischen dem Erzbistum Katowice (Kattowitz) und dem Bistum Essen, zudem pflegen die Diözesen Mainz und Opole (Oppeln) enge Beziehungen.

Ein Indiz dafür, dass es im deutsch-polnischen Verständigungsprozess weiterer Schritte bedarf, illustrierte die jahrelange Kontroverse, die dem Beschluss des Bundes über das Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung vorausging. Mit dem Bau des Zentrums, das an das Schicksal der Opfer von Vertreibungen in Europa erinnern soll, war vor einem Jahr in Berlin begonnen worden. Während der Debatte über das Projekt hatten die Evangelische Kirche in Deutschland und der Polnische Ökumenische Rat gemahnt, dass über "die gemeinsame Erinnerung an das Unrecht der Vertreibungen nicht die Schuld des nationalsozialistischen Deutschlands am Ausbruch des Weltkriegs relativieren darf".

Von Rainer Clos

 

(epd)

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