29.11.2013

Bischof Trelle kritisiert Fremdenfeindlichkeit in Deutschland Keine Willkommenskultur

Der katholische Hildesheimer Bischof Norbert Trelle hat die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland kritisiert. Es gebe starke Strömungen gegen eine Willkommenskultur, sagte der stellvertretende Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz am Donnerstagabend in Hannover.

Es passe nicht zusammen, sowohl Christ als auch Rassist zu sein, sagte der Bischof. Migranten seien eine Bereicherung für die Gesellschaft und für religiöse Gemeinden. "Sie machen das Zusammenleben bunter und lebendiger." Kein Christ hätte das Recht, sich über andere Ethnien oder Religionen zu stellen, betonte Trelle. Es sei allerdings ein langer Atem nötig, um rassistische Einstellungen zu ändern.

Antisemitismus sei ein Alltagsproblem, kritisierte die Vertreterin der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover, Alla Volodarska, bei der Gesprächsrunde über das Verhältnis von Glauben und Integration. "In Deutschland gibt es wieder einen latenten salonfähigen Antisemitismus." Von der Kritik an israelischer Politik kämen viele Menschen schnell auf eine geheime Weltmacht der Juden. Schulen und Medien müssten besser aufklären, forderte die Sozialarbeiterin.

"Jude" als Schimpfwort

"Jude" sei auf Schulhöfen immer noch ein Schimpfwort. Vor allem muslimische Jugendliche täten sich mit Mobbing hervor, erläuterte die gebürtige Ukrainerin. Bei Führungen von Schulklassen durch ihre Synagoge dürften muslimische Schüler aufgrund elterlicher Verbote oftmals nicht mit hinein. "Durch den Antisemitismus wird leider übersehen, dass die Glaubensgemeinschaften viele Gemeinsamkeiten haben."

Der Kölner Journalist und Buchautor Eren Güvercin forderte die muslimischen Gemeinden auf, stärker gegen judenfeindliche Einstellungen in den eigenen Reihen vorzugehen. Zudem sei mehr elterliche Aufklärungsarbeit nötig. Arabische Fernsehsendungen und Internetvideos verfestigten jedoch ein antisemitisches Feindbild bei muslimischen Jugendlichen in Deutschland.

(epd)

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