01.11.2013

Durch Tebartz-Affäre auch mehr Kirchenaustritte in NRW Mitgliederschwund bei Kirchen nicht aufzuhalten

Die christlichen Kirchen in Deutschland müssen sich nach Einschätzung des Münsteraner Wissenschaftlers Detlef Pollack trotz Reformbemühungen auf weiter sinkende Mitgliederzahlen einstellen. "Der Mitgliederschwund ist nahezu unaufhaltsam", sagt der evangelische Religionssoziologe.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Affäre um den katholischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auch in nordrhein-westfälischen Städten die Zahl der Kirchenaustritte ansteigen ließ. Die Zahl der Kirchenmitglieder geht seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Hauptursache ist die allgemeine Bevölkerungsentwicklung, hinzu kommen allerdings auch Austritte. Seit 1990 traten laut Pollack aus der evangelischen Kirche jährlich etwa 0,7 Prozent der Mitglieder aus, aus der katholischen Kirche im Schnitt 0,5 Prozent. "Diese Austrittszahlen summieren sich über die Jahre auf Millionen Menschen", sagte der Forscher.

Als ein entscheidendes Motiv nannte er finanzielle Erwägungen. Außerdem sei es durch die Wiedervereinigung 1990 und den hohen Anteil Konfessionsloser im Osten Deutschlands kein Minderheitenphänomen mehr, keiner Kirche anzugehören. Das habe auch im Westen die Kirchenaustritte stark ansteigen lassen. Hinzu kämen gewachsener Wohlstand und eine gute soziale Absicherung, so dass "immer weniger Menschen die seelsorglichen und sozialen Angebote der Kirchen nachfragen".

Sparen nötig

Obwohl die Kirchen längst stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen eingingen, ließen sich Austritte damit allein nicht verhindern, sagte Pollack. "Die Kirchen beweisen also großen Realitätssinn, wenn sie für die Zukunft vorsorgen und ihre Gemeinden zusammenlegen, Gebäude aufgeben und Einsparungen vornehmen."

Stichproben des Radiosenders WDR 2 bei Amtsgerichten ergaben, dass im Oktober verglichen mit dem Vormonat im Durchschnitt doppelt so viele Katholiken ihrer Kirche den Rücken kehrten. In Gelsenkirchen und Paderborn habe sich die Zahl der Kirchenaustritte sogar verdreifacht.

Die evangelische Kirche ist dem Bericht zufolge in gleichem Maße von der Austrittswelle betroffen, die durch die Affäre um den katholischen Bischof Tebartz-van Elst ausgelöst wurde. Ihm wird vor allem die Kostenexplosion beim Bau der über 31 Millionen Euro teuren Limburger Bischofsresidenz vorgeworfen.

(epd)

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