13.09.2013

Kardinal Meisner stärkt Limburger Bischof Tebartz-van Elst "Da ist nichts!"

Bischöfliche Brüderlichkeit: Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner stärkt im domradio.de-Interview dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst den Rücken. Und er warnt die deutschen Bischöfe vor vorschnellen Verurteilungen.

domradio.de: Der Limburger Bischof steht immer noch unter Druck, wie sehen Sie die Situation?

Kardinal Meisner: Wenn man sich die Presse anschaut, haben Sie vollkommen recht. Was mich sehr, sehr betrübt, ist Folgendes: Wir Bischöfe werden ja bei der Bischofskonferenz angeredet mit "Liebe Mitbrüder", d.h. wir sind untereinander Mitbrüder. Und ich bin entsetzt, dass hier nicht mehr bischöfliche Brüderlichkeit auch in der Öffentlichkeit sichtbar wird. Ich bin als Kölner Erzbischof der Metropolit auch von Limburg. Und ich lese alles an Predigten, Aufsätzen und pastoralen Modellen, die ich vom Bischof von Limburg in die Hände bekomme. Ich kann immer nur sagen: Höchstes Lob! Da ist eine theologische Tiefe und eine katholische Ausrichtung unseres Glaubens, das ist vorbildlich.

Man muss dem Bischof helfen, wo man nur kann. Ich höre das auch von vielen jungen Priestern, die völlig hinter dem Bischof stehen. Darum ist es mit unbegreiflich, dass sich da so eine Wolke über ihn gelegt hat. Und wie die Medien sich geradezu gegen ihn verschworen haben! Da wird berichtet, dass eine Liste mit 4.500 Unterschriften von Frankfurter Katholiken, die die Abberufung des Bischofs fordern, vorgelegt worden ist. Einen Tag zuvor ist eine Liste mit 5.000 Unterschriften für den Bischof vorgelegt worden, aber davon redet keiner! Hier wird ein Kampf gekämpft, ich weiß gar nicht, wogegen. Aber man trifft den Bischof zu Unrecht. Ich habe manchmal den Eindruck, es geht einzig und alleine um seine theologische Haltung und seinen Stil der Verkündigung. Ich muss es noch einmal sagen: All die Dinge mit Flügen und dem Bau eines Hauses, das sind alles für mich nur Vorwände. Dahinter steht etwas anderes.

domradio.de: Ihr Mitbruder Kardinal Marx hat in einem Interview signalisiert, das alle Medienkampagnen ins Leere liefen, wenn da nichts ist. Und hat damit indirekt in gewisser Weise auch den Limburger Bischof in Frage gestellt.

Kardinal Meisner: Da muss ich sagen: Da hat er keine Ahnung! Ich bin jetzt fast 25 Jahre hier, und ich habe auch Jahre durchgemacht, wo es mir ähnlich ging wie jetzt Tebartz-van Elst. Und wo wirklich nichts war! Ich kam nach Köln, wo mich noch gar keiner kannte, und über mir schwebte eine dunkle Wolke des Misstrauens und der Verleumdung mit Dingen, von denen ich gar nichts gewusst habe. Da sollten wir Bischöfe doch ein bisschen vorsichtiger sein, wenn wir solche Urteile fällen, die sehr glatt und einsichtig klingen, die aber doch der Realität entbehren.

domradio.de: Sie haben gute Kontakte in den Vatikan. Zurzeit findet ja der brüderliche Besuch von Kardinal Lajolo in Limburg statt. Was haben Sie davon mitbekommen?

Kardinal Meisner: Ich hatte ein Gespräch mit Kardinal Lajolo. Aber ich wusste schon vorher, dass der Bischof Tebartz-van Elst hoch geschätzt wird vom Papst und ganz besonders auch vom Präfekten der Bischofskongregation. Der hat ja auch diesen Brief an ihn geschrieben.

Der Limburger Bischof hat von sich aus eine Apostolische Visitation beantragt. Er hat gesagt, er habe nichts zu verbergen, der Heilige Stuhl solle reingucken und alles, was ihm vorgeworfen wird, überprüfen. Und der Heilige Stuhl hat das abgelehnt, weil eine solche Visitation nur vorgenommen wird, wenn ein Bischof Dreck am Stecken hat. Aber der hat nichts! Der Präfekt hat mir gesagt, sie stünden ganz hinter dem Bischof. Hier sind nur äußere Dinge zu regeln, aber keine Verfehlungen, die seine moralische Integrität berühren. Darum ist der Kardinal Lajolo als ein brüderlicher Berater und Begleiter geschickt worden, um aus dieser Situation herauszuhelfen.

domradio.de: Sie teilen also nicht die Einschätzung von Kardinal Lehmann, dass das ein Alarmzeichen sei?

Kardinal Meisner: Die Situation ist so angeheizt worden durch die Medien. Das ist das typische und schöne an der katholischen Kirche: Wenn etwas so verwickelt ist, haben wir den Heiligen Stuhl, der dann von außen kommt und sich die Situation von innen anschaut. Und uns hilft, um aus dieser Situation herauszukommen. Es ist eine gefährliche Situation, aber die ist nicht dem Bischof zuzuschreiben, sondern all denen, die wahrscheinlich mit seiner Theologie und mit seinem pastoralen Stil nicht zufrieden sind. Wir wollen das Beste hoffen, dass der Kardinal Lajolo helfen kann, damit sich die Situation entspannt und ein gedeihliches Miteinander wieder möglich ist. Denn dazu sind wir da: Unsere Kräfte der Umwelt zu schenken und nicht sie aufzureiben durch solche Auseinandersetzungen.

Das Interview führte domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

(dr)