08.09.2013

150. Geburtstag von Maria von Droste-Vischering Mutter der "gefallenen Mädchen"

Als junge Oberin holte sie alle hilfsbedürftigen Kinder von der Straße und schenkte ihnen ein Zuhause - gegen alle ökonomische Vernunft: Maria von Droste-Vischering. Denn ihr Kloster vom Guten Hirten in Porto stand direkt vor dem Bankrott.

Als Ordensfrau Maria vom Göttlichen Herzen befolgte sie die Lebensregel: «Man muss das Göttliche nicht immer mit natürlichen Mitteln berechnen, sonst kommt man zu nichts im Weinberg Gottes.» Maria Droste zu Vischering wurde am 8. September 1863 im Erbdrostenhof, dem schönsten Adelspalais von Münster, geboren. Sie war das vierte von zehn Kindern ihrer Eltern Clemens Droste zu Vischering und Helene, geborene von Galen. Maria erlebte eine sonnige Kindheit auf Schloss Darfeld, einer münsterländischen Wasserburg inmitten eines Parks - ein Paradies für die Kinder. Zum Leidwesen ihrer Gouvernante liebte es Maria besonders, mit ihren Brüdern um die Wette zu reiten oder Wagen zu fahren oder auf dem zugefrorenen Schlossweiher Schlittschuh zu laufen.

Oft gab es Besuch aus der Verwandtschaft, etwa von ihrem jüngeren Vetter Clemens August von Galen, damals noch ein kleiner «Löwe von Münster». Unter den Kindern hatte Maria den Spitznamen «Kätzchen», weil sie eine lebhafte, lustige und liebenswerte Spielgefährtin war, sich aber auch in eine zornig aufbrausende Kratzbürste verwandeln konnte. Ihr Großonkel Wilhelm Emanuel von Ketteler, der Bischof von Mainz, nannte sie wegen ihres Temperaments seinen "Wildfang".

Maria und ihre Geschwister wurden von ausgezeichneten Privatlehrern unterrichtet. Den Religionsunterricht übernahm die Schlossherrin persönlich. Die Mutter ließ die neunjährige Maria in eine Bruderschaft - die Ehrenwache des Heiligsten Herzens Jesu - eintreten. Die Eltern förderten eine geistliche Berufung, die erstmals nach der Firmung in Maria geweckt wurde. Die Burgkapelle wurde für sie zu einem Ort «unzähliger Gnaden».

Verzicht auf ein privilegiertes Leben

Im 16. Lebensjahr wurde Maria in ein Studienkolleg der Sacre-Coeur-Schwestern in Riedenburg bei Bregenz geschickt. Das Klosterleben zog sie mächtig an, und sie sah klarer in der Berufsfrage: "Der liebe Heiland will das ganze Herz oder nichts." Aber ein Eintritt in die Gemeinschaft wurde ihr mit Hinweis auf die schwache Gesundheit verweigert. Die Orden hatten im damaligen Kulturkampf des wissenschaftsgläubigen Liberalismus gegen die katholische Kirche großen Zulauf.

Zurück in Darfeld erhielt die Comtesse, wie die junge Gräfin jetzt genannt wurde, Einblick in gesellschaftliches Leben, etwa in Berlin, wo ihr Vater dem Reichstag angehörte. Stolz war Maria Droste auf sozialpolitische Anträge des Zentrums wie den ihres Onkels Ferdinand von Galen, mit dem eine neue Ära eingeläutet wurde: bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken, vor allem für Kinder und Frauen. Obwohl mancher junge Mann ihr den Hof gemacht hatte, verzichtete die Comtesse auf ein privilegiertes Leben.

Sie wird nur 35 Jahre alt

In ihr reifte der Entschluss, sich als Nonne um arme, benachteiligte Kinder zu kümmern. Am 21. November 1888 trat sie in das Münsteraner Kloster vom Guten Hirten ein. Die Schwestern nahmen sich "gefallener Mädchen" an - junger Frauen, die im Schatten der aufblühenden Industriegesellschaft ein elendes Dasein auf der Straße fristeten. Bald wurde Schwester Maria Verantwortung für eine Abteilung gegeben. In ihrer fröhlichen Art berichtete sie ihrer Mutter: "Du bist mit einem Mal Großmutter von 97 Enkeln geworden." Für das Amt der "Ersten Meisterin" hatte sie beste Voraussetzungen: ein selbstbewusst-frisches Auftreten, Führungsstärke und die Strahlkraft einer lauteren Seele, deren Vorbild ansteckt.

Ihre Oberen sahen ihre Erfolge. Schwester Maria wurde nach Lissabon versetzt, war bald Oberin einer gefährdeten Klostergründung in Porto. Bis Ende 1895 dauerte die Zitterpartie, bis vor allem mit Mitteln aus der Heimat das Kloster saniert war.

Aber Schwester Maria hatte Raubbau mit ihrer Gesundheit getrieben. Sie litt an einer Entzündung des Rückenmarks, die sie an Bett und Tragsessel fesselte. Mit heiligmäßiger Geduld trug sie das Leiden, während dessen sie mit mystisch intuitiven Eingebungen von inneren Stimmen begnadet wurde. Am wirkmächtigsten war ihre Vision, der Papst solle die Welt dem Herzen Jesu weihen. Maria Droste erlebte das nicht mehr, sie starb am 8. Juni 1899 - drei Tage, bevor Leo XIII. die Weihe vollzog - im Alter von nur 35 Jahren. Am 1. November 1975 hat Papst Paul VI. die "Dienerin Gottes" selig gesprochen.

Anselm Verbeek
(KNA)