28.08.2013

Washington gedenkt einer großen Stunde der Bürgerrechtsbewegung Marschieren für mehr Menschlichkeit

In den USA wird an den "Marsch auf Washington" vor 50 Jahren erinnert. Bei der Massenkundgebung am 28. August 1963 forderten 200.000 Menschen ein Ende der Rassendiskriminierung. Der schwarze Bürgerrechtsführer Martin Luther King hielt seine legendäre "I have a dream»-Rede."

Der Auftritt von Martin Luther King auf den Stufen des Lincoln Memorial war der Höhepunkt des "Marsches auf Washington" 1963 - einer Veranstaltung, die neben der Gleichberechtigung vor allem wirtschaftlichen und sozialen Themen gewidmet war. Kings Rede gipfelte in der berühmten "I have a dream"-Sequenz. Darin artikulierte er seine Vision von einem Amerika, in dem Menschen - er nannte beispielhaft seine Kinder - nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden.

Kings Rede gilt als eine der brillantesten der US-Geschichte - vergleichbar mit Abraham Lincolns "Gettysburg Address" 100 Jahre zuvor. Und es ist zu erwarten, dass am Samstag eine Art Bilanz gezogen wird, inwieweit sich Kings Traum erfüllt hat. Es dürfte im Interesse der Veranstalter liegen, dass diese Bilanz nicht rosig ausfällt. So wird vermutlich die soziale Lage weiter Teile der afroamerikanischen Bevölkerung herausgestellt. Sie zeichnet sich durch einen vergleichsweise hohen Anteil von Menschen aus, die unter der Armutsgrenze und mit einer im Schnitt geringeren Lebenserwartung leben, durch einen hohen Anteil alleinerziehender Mütter und schwangerer Teenager und durch mehr Arbeitslose als unter Weißen und Asiatischstämmigen.

Drei Präsidenten sprechen

Am Jahrestag des "Marsches auf Washington", wollen drei US-Präsidenten am Lincoln Memorial sprechen: die Ehemaligen Jimmy Carter (1977-1981) und Bill Clinton (1993-2001) und der amtierende Präsident Barack Obama (seit 2009). Dieser hat deutlich gemacht, dass das höchste Staatsamt - zu Kings Lebzeiten kaum denkbar - nun auch einem farbigen Amerikaner offen steht.

Ein Thema, das eher nicht auf der Tagesordnung stehen dürfte, ist der überproportionale Anteil junger schwarzer Männer sowohl unter Mördern als auch unter Ermordeten in den USA. Die Thematik ist für die Sprecher der gegenwärtigen Bürgerrechtsbewegung wohl weniger opportun. Wenn sie angeschnitten wird, wird zumeist auf soziale Benachteiligung als Erklärung verwiesen. Der 16-Jährige, der zu Wochenbeginn die USA schockierte, da er in Oklahoma zusammen mit zwei Mittätern einen australischen Baseballspieler "aus Spaß" und "Langeweile" beim Joggen erschoss, hat eine unbequeme Note aus dem amerikanischen Alltag beigesteuert.

 

Ronald Gerste
(epd)