04.07.2013

Kopten-Bischof Damiam im Interview "Ich bin auf die Ägypter sehr stolz"

Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Christen in Deutschland, Bischof Anba Damian, zeigt sich im domradio.de-Interview glücklich über den Umsturz in Ägypten.

domradio.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Bischof Damiam: Im Großen und Ganzen bin ich überglücklich über die Entwicklung, dass das Ende des Regimes von Mursi verhältnismäßig friedlich gelaufen ist. Es ist schon historisch, dass mehrere Millionen auf die Straßen gingen, friedlich demonstrierten mit dem Riesenerfolg, dass Mursi uns den Muslimbrüdern in aller Klarheit gezeigt wurde, dass sie nicht fähig sind, das Land in Frieden, in Wohlstand, in Demokratie zu führen.  Es wurde gezeigt, dass das keine zivilisationsfähige Regierung war. Auf  diese Art und Weise war es möglich, dass die Revolution der ehrenvollen Facebook-Generation vom Januar 2011 eine Revitalisierung, Reaktivierung erfahren konnte. Und darum können wir hoffnungsvoll nach vorne schauen, ich bin außerordentlich glücklich.

Es war der Wunsch des Volkes, dass das Militär interveniert. Sonst hätte es Chaos oder sogar Bürgerkrieg gegeben. Das Verhalten des Militärs war so klug und vernünftig, dass sie alle Kräfte an den Tisch geholt haben und es gelang, in voller Harmonie ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Alle haben an einem Strang gezogen. Das Ergebnis ist fabelhaft, ich bin auf die Ägypter sehr stolz. Ich bin der Armee dieses Mal sehr dankbar.

domradio.de: An den Beratungen ist nun auch Koptenpapst Tawadros II. beteiligt. Inwiefern können sich denn die koptischen Christen bei der Neuorientierung des Landes einbringen?

Bischof Damiam: Das Oberhaupt unserer Kirche ist verantwortlich für ca. 20 Millionen Kopten, die im Lande leben. Das ist ein entscheidender Bestandteil des Landes und der Gesellschaft, deswegen kann keine Entscheidung ohne ihn getroffen werden. Das war eine faire Entscheidung, ihn zu Rate zu ziehen. Man kann nicht 20 Millionen einfach ignorieren.

domradio.de: Werden das jetzt auch bessere, friedlichere Zeiten für die koptischen Christen in Ägypten?

Bischof Damiam: Ich schaue optimistisch nach vorne. Ein Vers aus dem alten Testament lässt mich nicht los, nämlich Jesaja 19:25: "Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk". Und deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass Gott dieses Land niemals im Stich lässt. Ich habe so viel Frieden in meinem Herzen gehabt und deswegen war die Nachricht gestern eigentlich für mich keine Überraschung. Aber es war die Freude da, und man konnte sogar die Tränen nicht kontrollieren. Endlich hat das Volk erreicht, was es erreichen wollte.

domradio.de: Zum Schluss noch Ihre persönliche Einschätzung: Wie wird es in Ägypten jetzt in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen? Wird sich die Lage beruhigen?

Bischof Damiam: Davon bin ich fest überzeugt. Sobald Ordnung herrscht und die Menschen sehen, dass diese lange, dunkle Nacht zu Ende geht, arbeiten sie mit sehr viel Temperament, Euphorie und Opferbereitschaft. Sobald Frieden herrscht, werden Investoren ermutigt, nach Ägypten zu kommen. Touristen kommen sehr gerne und die zwei Millionen Ägypter im Ausland werden ihre Angehörigen unterstützen und gerne ihre Verbindung zum Heimatland wieder aufnehmen. Wirtschaftlich, wissenschaftlich und gesellschaftlich wird es für alle Bürger Ägyptens besser werden. Die Ägypter lassen sich nicht ewig in die Irre führen. Man hat den Islambrüdern eine Chance gegeben und an den Islam als Lösung geglaubt. Daraus ist aus dem Land eine Ruine geworden, das ist der Beweis dafür, dass eine Regierung dieser Art niemals erfolgreich sein kann. Es kommt nie wieder in Betracht, dass man diese Qualität von Menschen an die Macht lässt. Es ist eine Lehre für die ganze Welt, dass dieses System, diese Ideologie, nicht lebensfähig ist und nicht zu unser Zivilisation und Demokratie und der Menschenwürde passt. Das haben Christen und Muslime entdeckt. Es war ein langes Jahr, aber es war wichtig, einfach diesen Menschen die Führung zu überlassen, das Ergebnis ist weltweit bekannt. Die Rolle Deutschlands und Europas muss man hoch loben, denn Deutschland hat einen anderen Kurs als die USA gefahren, die keine ruhmvolle Rolle gespielt hat.

Das Interview führte Mathias Friebe.