Kroatien tritt der EU bei
Kroatien tritt der EU bei

28.06.2013

Renovabis: Große Chance für Kroatien "Reifeprüfung" EU-Beitritt

Nach Griechenland, Zypern, Rumänien und Bulgarien wird am 1. Juli mit Kroatien der fünfte Staat Südosteuropas der EU beitreten. Eine Einschätzung von Gerhard Albert, Geschäftsführer des katholischen Osteuropa-Hilfswerks  Renovabis.

domradio.de: Welche Aufgaben nimmt Renovabis in Kroatien wahr?

Albert: Wir investieren in das Land. Wir versuchen, Partner in Kirche und Zivilgesellschaft bei ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen - und so die Zukunft des Landes voranzubringen.

domradio.de: Die Arbeitslosenzahl in Kroatien liegt bei rund 20 Prozent, mit dem Beitritt zur EU werden vermutlich viele Kroaten ihr Glück im Ausland suchen. Wie versuchen Sie und ihre Partner, diese Abwanderung aufzuhalten?

Albert: Renovabis hat seine Schwerpunkte vor allem in der Förderung der kirchlichen Schulen, insbesondere in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit. So konnten wir dazu beitragen, dass die Menschen für die Zukunft fitgemacht werden. Aber insgesamt fehlen uns die Mittel, eine Abwanderung im großen Stil aufzuhalten. Grundsätzlich ist die Arbeitsmigration auch Ausdruck persönlicher Freiheit. Gerade bei den Kroaten hat das seit Jahrzehnten Tradition. Ob es jetzt eine neue Welle geben wird, bleibt abzuwarten.

domradio.de: Wird sich in Ihrer Arbeit etwas verändern, wenn Kroatien am Montag der Europäischen Union beitritt?

Albert: Renovabis ist über seine Partner an der Seite der Menschen in 29 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas - unabhängig davon, ob sie zur Europäischen Union gehören oder nicht. Insofern wird sich grundsätzlich nichts ändern. Es bleibt bei dem Prinzip, dass wir versuchen, unseren Partnern zu helfen, wenn sie mit guten Projekten auf uns zukommen.

domradio.de: Welche Chancen sehen Sie für Kroatien jetzt mit dem EU-Beitritt?

Albert: Man hat die große Chance, mit EU-Fördermitteln verantwortungsbewusst umzugehen. Das ist eine Reifeprüfung für die Politiker, für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Allerdings ist es auch eine große Chance, durch einen gezielten Einsatz der Fördermittel die bekannten Schwierigkeiten, unter denen die Wirtschaft leidet, zu überwinden. Und dann erhoffe ich mir einen Schub in Richtung des Gefühls dazuzugehören. Deshalb freue ich mich für die Kroaten in Kroatien und in Deutschland.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(dr)