Kickende Ordensfrau
Kickende Ordensfrau

25.05.2013

Ausstellung zu Spielen im Kloster Heiter bis göttlich

Spiele und Sport statt ausschliesslich "ora et labora" - das Klosterleben offenbart überraschende Nischen. Eine Ausstellung in einem Klostermuseum klärt jetzt darüber auf.

Dass es in Klöstern in der Vergangenheit nicht immer nur ums Beten und Arbeiten ging, ist bekannt. Und auch wenn Albert Einstein festgestellt hat: "Gott würfelt nicht“, seine Nonnen und Mönche tun es schon seit Jahrhunderten. Das ostwestfälische Klostermuseum Dalheim geht dem Thema der Spielkultur in Klöstern jetzt erstmals systematisch mit der Ausstellung „Heiter bis göttlich“ auf den Grund (1. Juni bis 3. November).

"'Müßiggang ist der Feind der Seele', hat Benedikt von Nursia in seinen Regeln für Mönche niedergelegt“, erklärt Helga Fabritius, Projektleiterin der Sonderausstellung. „Aber bedeutet Müßiggang automatisch sinnloses Spiel? Nichts Besseres zu tun? Wir meinen, der Begriff Spiel ist viel weiter zu fassen.“ Er umfasse etwa auch Musik und Theater. Zwei Jahre lang hat das Museums-Team geforscht und gefahndet - und ist reich belohnt worden, nämlich mit 300 Fundstücken aus mehr als tausend Jahren.

Jesuskind mit Steckenpferd

Der Rundgang im malerischen Klosterensemble beginnt in einer dunklen Nische. Das vergrößerte Bild des Weltgerichtsaltars von 1480/85 aus Regensburg springt dem Besucher entgegen, führt vor Augen, wohin sündiges Leben führt: Teufelswesen stoßen Sünder in den Höllenschlund. Als Symbole der Sünde deutlich zu sehen: Spielbrett und Spielkarten. In der hellen Nische die heitere Seite des Spiels: Ein Jesuskind reitet ein Steckenpferd. Der Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert stammt aus Kaiser Sigismunds Buch.

Vorherrschend ist in den Klöstern zunächst der streng reglementierte Tag. So erklärt sich mancher Klosterfund, etwa ein Schwirrknochen oder eine Rassel, damit, dass Kinder von Bediensteten hier spielten, sagt Fabritius. "Und es gab die Kinder, die von ihren Eltern ins Kloster gegeben wurden, manche schon mit drei Jahren."

Dass in Klöstern aber auch die Nonnen und Mönche gespielt haben müssten, gehe aus vielen Verboten und Verordnungen hervor, erklärt Fabritius. Ausdrücklich wird Mönchen in mittelalterlichen Schriften das Würfelspiel verboten. Dieses Glücksspiel ist in der Kirche verpönt, denn die römischen Soldaten losten am Kreuz Christi, wer seine Kleider bekommen sollte. In der Kunst wurde diese Szene oft als Würfelspiel dargestellt.

Französische Nonnen übten Schlagball

Zum Spiel zählen die Aussteller auch den Sport. Sie dokumentieren die Wurzeln des Tennissports in nordfranzösischen Klöstern. Das "jeu de paume" wurde schon vor 900 Jahren mit der Handinnenfläche gespielt, ein Ball wurde auf das Schrägdach des Kreuzgangs geschlagen. Als erste Profispielerin gilt im 15. Jahrhundert Margot aus Hennegau, die im belgischen Kloster Namur die Nonnen "trainiert".

Auch kickende Mönche sind dokumentiert. So bittet ein völlig geknickter englischer Mönch den Papst im 14. Jahrhundert um Dispens, also um eine Art Freispruch. William de Spalding hatte mit anderen Mönchen Fußball gespielt und dabei wie allgemein üblich sein Messer am Gürtel getragen. Ein Mitbruder fiel so unglücklich in die Klinge, dass er starb.

Die Ausstellung gibt auch einen Überblick über andere Spiele: die Musik mit Nonnengeige und Trumscheit, das Jesuitentheater, Labyrinthe als Kampf zwischen Gut und Böse. Und sie stellt die Heilige Corona vor, die auch für das Glücksspiel zuständig ist. Denn nicht alle in der Kirche verdammten die Spiele. So sagt der Dominikaner Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert: "Der Mensch muss spielen, wenn er menschlich leben will."

Eine Abteilung der Ausstellung dreht das Thema um - und dokumentiert "das Kloster im Spiel". Da gibt es bunte Zinnmönche aus dem 19. Jahrhundert, Plastikmönche von Playmobil oder als Schlumpf, ein Luther-Quiz, Marionetten, Handpuppen und den Teddybären in Franziskanerkutte. Ein kleines Spiel namens "Nun bowling", also Nonnenkegeln, dürfte die späte Rache für einen mittelalterlichen Brauch in Klöstern sein, nämlich das Heidenkegeln.

Matthias Benirschke
(dpa)