1000 Folgen Mona Lisa
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20.04.2013

ZDF-Redaktionsleiterin zu 25 Jahre "Mona Lisa" "Spiegelbild der Gesellschaft"

25 Jahre Bestehen und die 1.000. Ausgabe am 20. April - das ZDF-Frauenmagazin "Mona Lisa" hat Grund zum Feiern. Redaktionsleiterin Sibylle Bassler erklärt, warum "ML" nicht nur Frauen anspricht und welche Bedeutung kirchliche Themen haben.

KNA: Frau Bassler, haben Sie auf so viele Ausgaben gehofft, als das Format am 17. April 1998 startete?

Bassler: Nein. Wir waren am Anfang froh über jede Sendung. Und dass dieses Format 25 Jahre besteht, hätten wir nicht gedacht.

KNA: War es damals schwierig, "Mona Lisa" innerhalb des Senders durchzusetzen?

Bassler: Wir hatten das große Glück, dass wir das "Baby" des damaligen Intendanten Dieter Stolte waren. Er hat trotz negativer Kritiken für die erste Sendung mit Maria von Welser zu uns gehalten. Damals schrieb eine Kritikerin, es wird eine Sendung für den zweiten Fernseher in der Küche bleiben.

KNA: Auch weil Sie immer gegen den Fußball in der ARD senden?

Bassler: Das war hart, und die Konkurrenz ist mit der Verlegung auf den Samstag nicht leichter geworden. Aber nach 25 Jahren lebt man gut damit.

KNA: War denn Frauen-Fußball für Sie ein Thema?

Bassler: Natürlich haben wir tolle Frauen wie Steffi Jones porträtiert. Neben dem sportlichen Aspekt interessiert uns, wie bereiten sie sich vor, was passiert mental. Wir bringen ja über Menschen und Gefühle den Zuschauern unsere Themen nahe.

KNA: 2012 hatten sie die höchsten Einschaltquoten. Wie erklären Sie sich das?

Bassler: Wir haben Zuschauer gewonnen, weil wir uns verändert haben und heute «Frauen, Männer und mehr» ansprechen. Das merken wir nicht zuletzt an den Feedbacks von Männern über unsere Berichte zum veränderten Unterhaltsrecht. Wir berichten weiter über die klassischen Ungerechtigkeiten wie ungleichen Lohn für gleiche Arbeit, die gläserne Decke oder Sexismus. Aber zum Thema Betreuung müssen wir doch Männer und Frauen erreichen. Auch der Pflegenotstand ist keine weibliche Angelegenheit, sondern ein Thema der Gesellschaft. Um dies leisten zu können, war mir nach der Übernahme der Redaktionsleitung 2008 wichtig, die Redaktion für männliche Kollegen zu öffnen.

KNA: Entsprach es immer dem Selbstverständnis, nicht in die Nische «Frauenthemen» abzugleiten?

Bassler: Wir haben "Mona Lisa" stets als gesellschaftskritisches Magazin und Spiegelbild der Gesellschaft gesehen. Wir beobachten die Gesellschaft und haken nach. Wobei sich die Themen gewandelt haben. Zunächst bewegte uns der Paragraf 218 oder das Thema Gewalt in der Ehe. Später waren es die Gewalt oder der Missbrauch an Kindern. Wir haben aufgedeckt, dass rechtsextreme Gruppen Betroffenenorganisationen unterwandern. Das steht exemplarisch für deren Versuch, sich in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Auf solche Bereiche gucken wir genau. Und wenn vor kurzem durch die Nachrichten ging, dass jetzt gegen 50 ehemalige Aufseher des KZ Auschwitz ermittelt wird, fragen wir nach.

KNA: Welche Reaktionen erhielten Sie auf Ihre Berichte über den sexuellen Missbrauch in der Kirche?

Bassler: Natürlich waren wir alle entsetzt über die damaligen Ereignisse. Für mich war es immer wichtig, beiden Seiten Raum in der Berichterstattung zu geben. Wir haben die Opfer zu Wort kommen lassen ebenso wie Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche. Aber darüber hinaus hat uns interessiert, was bedeutet dies für Mitglieder der Kirche, wenn Werte wegbrechen und die Glaubwürdigkeit der Kirche infrage gestellt ist. Auf diese Beiträge bekamen wir Waschkörbe voller Zuschriften, die mich oft sehr berührten. Zum Beispiel der Brief einer Dame in Sütterlin-Schrift, die ihr Leben lang geschwiegen hat und nun die Kraft fand, ihre Erfahrungen aufzuschreiben.

KNA: Gehört das Thema Missbrauch zu den Themen, die hohe Wellen geschlagen haben?

Bassler: In letzter Zeit ja. Ein weltweiches Echo fand die Aufdeckung der Massenvergewaltigungen im jugoslawischen Bürgerkrieg als Waffe im Kampf. Ebenso der Raub von Säuglingen aus Kreißsälen in der Ukraine oder die Berichte über Beschneidungen in Afrika. Wir waren auch die Ersten, die Kinderpornographie thematisierten.

KNA: Spielt das Thema Glaube bei Ihnen eine Rolle?

Bassler: Ja, wir hatten vor kurzem ein Stück über eine Familie, der das Schlimmste passiert ist, was man sich vorstellen kann: Ihr Sohn wurde entführt, missbraucht und ermordet. Sie hat diesen Schicksalsschlag kraft ihres Glaubens in bewundernswerter Weise angenommen. Was hält Menschen zusammen, treibt sie an und gibt ihnen Kraft? Wie gestalten wir unser Umfeld so, dass wir uns wohlfühlen? Diese Fragen sind auch sonst Prämissen bei der Gestaltung der Beiträge.

Das Gespräch führte Katharina Dockhorn.

(KNA)