Kardinal Meisner in Rom
Joachim Kardinal Meisner

Die Kölner Stiftung Stadtgedächtnis wurde 2010 von der Stadt, dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Erzbistum und der Evangelischen Kirche im Rheinland gegründet, um den Wiederaufbau des 2009 eingestürzten Kölner Historischen Archivs zu unterstützen. Das Erzbistum hatte 100.000 Euro beigesteuert, die in der Stiftung verbleiben sollen.

17.04.2013

Kardinal zieht sich aus Kölner Stiftung Stadtgedächtnis zurück "Eine personelle Entscheidung"

Kölns Kardinal Joachim Meisner zieht sich aus der Stiftung Stadtgedächtnis zurück. Es sei eine personelle Entscheidung, keine in der Sache, sagte Erzbistums-Sprecher Christoph Heckeley im domradio.de-Interview.

domradio.de: Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat nicht nur zwei Menschenleben gekostet sondern auch unzählige Dokumente Kölner Stadtgeschichte zerstört oder schwer beschädigt. Um den Erhalt und die Restaurierung der Geschichtsdokumente zu unterstützen, wurde im Juli 2010 die Stiftung "Stadtgedächtnis" gegründet. Mit 100.000 Euro hat sich auch das Erzbistum Köln an dieser Stiftung beteiligt. Jetzt hat das Erzbistum bekannt gegeben, dass es aus dieser Stiftung aussteigt.  

domradio.de: Warum steigt das Erzbistum aus der Stiftung "Stadtgedächtnis" aus?

Christoph Heckeley: Das hat allein personelle Gründe. Personell ist an dieser Stadtstiftung der Erzbischof im Kuratorium beteiligt und der Dr. Helbach. Er ist der Leiter des erzbischöflichen Archivs. Er ist bislang im Vorstand gewesen. Jetzt ist es so, der Erzbischof hat sehr viele andere Aufgaben, der Eucharistische Kongress ist so das größte Ereignis, was uns jetzt bevorsteht, und der Erzbischof wird auch nicht jünger. Das heißt, er muss auch Prioritäten setzen. Das ist der eine Grund. Der andere Grund ist, dass das Erzbistum eine eigene Stiftung gründet für Kulturgut, also Archivalien, die ursprünglich mal zur Kirche gehörten, jetzt aber in allen möglichen Archiven- städtischen, staatlichen Archiven- verteilt sind. Diese neue Stiftung wird Dr.Helbach leiten, also unser Archivdirektor. Das bedeutet, diese beiden Personen, die an der Stiftung Stadtgedächtnis beteiligt sind, übernehmen andere Aufgaben bzw. müssen Prioritäten setzen und deswegen können wir uns in Zukunft personell nicht mehr an dieser Stiftung beteiligen.

domradio.de: Was ja bleibt in dieser Stiftung Stadtgedächtnis, das sind die 100.00€, die das Erzbistum eingezahlt hat. Warum und welche Bedeutung hat die Stiftung denn noch weiterhin für das Erzbistum?

Heckeley: Auch im Kölner Stadtarchiv gibt es eine ganze Reihe von Archivalien, Materialien, zum Beispiel Urkunden, die ursprünglich aus kirchlichem Umfeld stammen. Das war nicht zuletzt mit ein Grund, dass das Erzbistum sich das beteiligt hat. Selbstverständlich ist das Stadtarchiv sowieso sehr bedeutend und von daher war das für das Erzbistum Köln auch gar keine Frage, sich daran zu beteiligen, diese Stiftung mit auf den Weg zu bringen. Das Stiftungskapital des Erzbistums, die 100.000€, bleiben deswegen auch in der Stiftung drin. Die Stiftung kann zukünftig auch profitieren von der Erzbistums-Stiftung, die sich dann um solche kirchlichen Archivalien kümmert. Aber gleichzeitig muss man auch sehen, dass die Stadt Köln wichtig ist, aber das Erzbistum Köln größer ist als die Stadt Köln und deswegen ist auch das nochmal ein Aspekt bei dem wir sagen, wir müssen Prioritäten setzen.

domradio.de: Wo liegen denn dann bei der neuen Stiftung die Herausforderungen für das Erzbistum?

Heckeley: Die neue Stiftung wird sich darum kümmern, dass Archivgut, also zum Beispiel alte Urkunden, die mal zur Kirche gehört haben, aber jetzt in irgendeinem städtischen oder staatlichen Archiv liegen, dass die unterstützt werden, gefördert werden, dass die zum Beispiel für die Forschung zur Verfügung gestellt werden können, dass die restauriert werden können usw. Das sind alles Dinge, für die fehlt häufig das Geld oder solche Schätze müssen wirklich erst gehoben werden, wissenschaftlich aufbereitet werden. Das sind so Zwecke, die die neue Stiftung verfolgt und das dann wirklich übergreifend. Nicht nur auf eine Stadt oder eine Region begrenzt sondern an diese Stiftung kann sich jeder andocken oder Anträge stellen, der ein solches Unterfangen vorbereitet, der ein solches kirchliches Archivgut fördern will.

domradio.de: Wann wird die Stiftung gegründet?

Heckeley: Auch da gilt, an erster Stelle steht jetzt erst einmal der Eucharistische Kongress und danach sehen wir weiter. Zu dieser Stiftung gehört Herr Dr. Helbach, dazu gehört Herr Prof. Finger, er ist der Leiter der Diözesan- und Dombibliothek, dazu gehört der Finanzdirektor des Erzbistums Köln, Herr Schon, und noch eine Reihe anderer Leute. Auch das wird eine sehr prominent besetzte Stiftung werden.

domradio.de: Wie viel Geld wird das Erzbistum in die Stiftung stecken?

Heckeley: Das Stiftungskapital beträgt 500.000€. Damit geht es los und wie bei allen Stiftungen kann das dann auch noch mehr werden.