09.04.2013

Deutsche Gemeinde: Südkoreaner bleiben gelassen Und das Leben geht weiter

Täglich Meldungen zur Korea-Krise, Krieg scheint möglich, so scheint es. Und wie geht der Süden der Halbinsel mit der Situation um? Gelassen, wie Marianne Beyer von der katholischen Gemeinde in Seoul im domradio.de-Interview berichtet.

domradio.de: Frau Beyer, wie erleben Sie und die Gemeindemitglieder diese Tage der ständigen Drohungen?

Beyer: Eigentlich sind die meisten nicht beunruhigt. Wir sind angesteckt von den Südkoreanern, die diese Situation seit 60 Jahren erleben. Der Koreanische Krieg ist vor 60 Jahren zu Ende gegangen. Seitdem gibt es immer Störungen und Drohungen. Diejenigen in unserer Gemeinde, die Angst hatten, waren erst seit Kurzem hier. Und die wurden auch vor allen Dingen durch die Anrufe aus Deutschland verängstigt. In deutschen Medien wird das Thema viel dramatischer dargestellt, als man es hier erlebt. Das Leben geht normal weiter, keiner zeigt Angst. Fragt man Koreaner, ob sie Angst haben, fragen sie: warum? Sollte der Norden gegen den Süd Krieg führen, ist es doch so, dass der Norden ganz alleine da steht und zunehmend Freunde verliert. China und Russland wollen keinen Krieg, Japan würde gegen Nordkorea kämpfen. Außerdem ist der Norden sehr armes Land, dessen ganzes Geld in der Rüstung steckt.

domradio.de: Die Menschen in Südkorea nehmen die Drohungen kaum ernst, sagen Sie. Wie steht es um die Politik?

Beyer: Natürlich sind die Drohungen auch hier ein Thema, aber sehr ruhig und sachlich. Die Lage wird beurteilt, aber es werden keine Maßnahmen angekündigt.

domradio.de: Haben Sie Hoffnung auf Entspannung oder sogar Frieden in naher Zukunft?

Beyer: An Frieden glaube ich nicht. Nordkorea wird von sich aus keinen Frieden. Das Regime ist eine kommunistische Dynastie, die fest im Sattel sitzt. Anfang des Jahres sprachen viele Menschen von einer baldigen Einigung, nachdem Kim Jong-un Entsprechendes geäußert hatte. Und jetzt ist es ins genaue Gegenteil umgeschlagen - in Kriegsdrohungen. Das ist doch absurd.

Das Gespräch führte Aurelia Rütters.

(dr)