09.04.2013

Bistümer kritisieren Denkmalschutz-Einsparungen Immer mehr unter Druck

Von aktuell 11,4 Millionen Euro zu null im Jahr 2015 - die nordrhein-westfälische Landesregierung streicht seine Mittel für die Denkmalpflege zusammen. Die Bistümer sorgen sich, so Prälat Martin Hülskamp, Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf.

KNA: Herr Prälat Hülskamp, die Landesregierung senkt ihre Fördermittel für den Denkmalschutz. Was bedeutet das für die Kirchen?

Hülskamp: Die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen beobachten mit Sorge, wie sich die Landesregierung aus der Finanzierung des Denkmalschutzes zurückzieht. Denn davon betroffen sind nicht zuletzt auch Pfarreien, Diözesen und andere kirchliche Träger, die mit dem Erhalt denkmalgeschützter Gebäude wie Kirchen, historischer Pfarrhäuser oder anderer Bauten von historischer Bedeutung oft überfordert sind. Die in den Landeshaushalt eingestellten Mittel für den Denkmalschutz waren ja bislang schon sehr gering. Dabei ist das nordrhein-westfälische Denkmalschutzgesetz von seinem Ursprung her so konzipiert, dass sich der Staat verpflichtet hat, die Unterschutzstellung von Bauten seinerseits zu kompensieren. Nun geht die Schere zwischen Finanzbedarf zur Erhaltung denkmalgeschützter Gebäude und Mitteln der öffentlichen Hand noch einmal auseinander.

KNA: Die Landesregierung erwartet, dass die Eigentümer selbst für ihre denkmalgeschützten Gebäude aufkommen...

Hülskamp: Der eine oder andere Schlossbesitzer ist dazu vielleicht in der Lage; oder er findet einen finanzkräftigen Käufer für seine Immobilie. Die Gemeinden können ihre Gebäude, vor allem Kirchen, nicht einfach verkaufen. Wegen der Denkmalschutzauflagen kommen Pfarreien und letztlich die Diözesen immer mehr unter finanziellen Druck. Diese Situation verschärft sich durch die Praxis der unteren Denkmalbehörden.

KNA: Inwiefern?

Hülskamp: Gerade im Bereich der Nachkriegsarchitektur, also der klassischen Moderne, stellen die Behörden immer mehr Gebäude unter Schutz. Damit aber die finanziellen Belastungen nicht ins Unermessliche steigen, plädieren wir dafür, nicht sämtliche infrage kommenden Gebäude flächendeckend unter Schutz zu stellen. Vielmehr sollten nur einige typische Beispiele ausgewählt und erhalten werden. Allerdings müsste es dazu ein abgestimmtes Vorgehen geben. Das Problem ist, dass die unteren Denkmalbehörden sehr selbstständig und nebeneinander her arbeiten und oft keine einheitlichen Kriterien anwenden.

KNA: Droht der Verfall von kirchlichen Gebäuden, wenn nicht mehr Geld aus der Staatskasse fließt?

Hülskamp: Zumindest besteht die Gefahr.

KNA: Wie die Kirche muss aber auch die Landesregierung sparen.

Hülskamp: Es kann aber doch nicht sein, dass der Staat immer mehr Denkmäler "produziert", auch ohne Beteiligung der jeweiligen Rechtsträger oder gegen deren Willen, und sich dann vor den finanziellen Konsequenzen drückt. Wir brauchen jetzt einen ernsthaften Dialog über Art und Umfang des Denkmalschutzes und die finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand.

Das Gespräch führte Andreas Otto.

(KNA)