25.03.2013

Warum vielerorts die Friedhofsgebühren steigen Teure letzte Ruhe

"Umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben", heißt es. Ein Blick auf eine aktuelle Tabelle über Friedhofsgebühren zeigt: Der Tod kostet mitunter jede Menge Bares - wobei sich die Preise je nach Wohnort deutlich unterscheiden.

Im saarländischen Schiffweiler beispielsweise schlägt ein sogenanntes Erdwahlgrab, also eine Ruhestätte, die für mehrere Beisetzungen genutzt werden kann, mit 5.866 Euro zu Buche. Im thüringischen Crossen an der Elster kostet ein vergleichbarer Platz gerade einmal 41 Euro.

Große Unterschiede und eine intransparente Preisgestaltung sind das eine. Doch Kritiker wie die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, auf deren Daten sich die "Welt am Sonntag" stützt, befürchten noch etwas anderes: Dass die Kosten für die letzte Ruhestätte weiter steigen. Der Grund scheint nur auf den ersten Blick paradox: "Viele Friedhöfe sind zu groß", zitiert die Zeitung Aeternitas-Experte Alexander Helbach. Die Nachfrage ist zurückgegangen. Und die Chancen stehen schlecht, dass sich daran etwas ändern wird.

Keine Folge des demographischen Wandels

Warum das so ist? Der Hamburger Landschaftsarchitekt und Fachmann für Friedhofsplanung, Andreas Morgenroth, spricht von einem "dramatischen Wandel in der Bestattungskultur". Urnenbestattungen machten selbst in katholischen Gebieten mittlerweile fast 50 Prozent aus; darüber hinaus gebe es einen wachsenden Anteil anonymer Bestattungen und Gemeinschaftsgrabanlagen, sagte Morgenroth unlängst in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Immer mehr Menschen ließen sich zudem in Friedwäldern und auf See bestatten. "Das alles hat zu einem massiven Überhang an Flächen geführt."

Mit dem demographischen Wandel habe all das wenig zu tun, meint Morgenroth. "Derzeit sterben relativ stabil rund 800.000 Bundesbürger pro Jahr." Dennoch wurden viele Gemeinden von dem raschen Wandel bei den Bestattungen "eiskalt" erwischt, wie Morgenroth es formuliert. Die Verantwortlichen versuchten schon seit einiger Zeit gegenzusteuern, indem sie die Kosten auf die vorhandenen Nutzer umlegten. Die Folge: Teilweise saftige Preisanstiege. "Das führt dann zu einem Teufelskreis, weil noch weniger Menschen sich eine normale Erdbestattung leisten wollen und können."

Von 115 bis 3.080 Euro

Je nach Kategorie fallen beispielsweise für eine Grabstätte in Oberhausen um bis zu 230 Prozent mehr Kosten an; im schleswig-holsteinischen Elmshorn wurden die Gebühren um rund 75 Prozent angehoben, Tendenz auch hier weiter steigend. Der zuständige Betriebsleiter Thomas Kruse geht von einem jährlichen Fehlbetrag in Höhe von 130.000 Euro aus - trotz der jüngsten Anhebung.

Landschaftsarchitekt Morgenroth rät zu innovativeren Lösungen. Friedhöfe seien Orte von "hohem kulturellen Wert". Dies müssten die Betreiber wieder stärker ins Bewusstsein der Allgemeinheit rücken. "Einige Gemeinden gehen auch den Weg, Stiftungen zu gründen, um bemerkenswerte Friedhöfe zu erhalten." Doch das dürfte sich nicht überall verwirklichen lassen. Und so bleibt für den "End-Verbraucher" vorläufig nur eins: Sich zu informieren und die Angebote zu vergleichen. Selbst innerhalb ein und derselben Stadt ist die Preisspanne mitunter immens. So variieren in der ehemaligen Hauptstadt Bonn die Kosten für ein Reihengrab zwischen 115 und 3.080 Euro.

Joachim Heinz
(KNA)