23.03.2013

Erzbischof will Zypern mit Kirchenvermögen vor Bankrott bewahren Patriotischer Möchtegern-Retter

Den Euro abschaffen und die EU verlassen: Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Zyperns, Erzbischof Chrysostomos II., liebäugelte bereits vor wenigen Wochen damit. In der aktuellen Krise findet er wieder deutliche Worte.

 

"Lieber aus der EU austreten als unsere Orthodoxie verraten", wandte er sich damals gegen das von der zyprischen Regierung geplante Recht auf Abmeldung vom schulischen Religionsunterricht und der Freigabe der Einäscherung von Verstorbenen. Auf beides hatte Brüssel gepocht. Der 71-jährige Erzbischof wirft der sogenannten Troika der Geldgeber - EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds - vor, sie brüskiere mit ihrem harten Kurs die vom Staatsbankrott bedrohte Mittelmeerinsel. Die im ersten Rettungsplan vorgesehene Zwangsabgabe aller Kontoinhaber in Zypern nannte Chrysostomos II.  eine "Niederträchtigkeit der Europäer". Am Mittwoch gratulierte er den Abgeordneten des Parlaments in Nikosia zu ihrer Ablehnung des Hilfspakets. Sie hätten eine starke Botschaft an Europa gesandt, dass auch kleine Länder respektiert werden müssten.

Dabei spricht das seit 2006 amtierende Kirchenoberhaupt, dessen Name "Goldmund" bedeutet, den meisten Zyprern aus dem Herzen. Das ist freilich nicht immer so. Seine Unterstützung für den konservativen Wahlsieger der Präsidentenwahl vom Februar, Nikos Anastasiades, stieß auf Kritik. Allzu gern nimmt Chrysostomos II. zu politischen Fragen Stellung, indes stets im ruhigen Ton.

2004 rief er, damals als Metropolit von Paphos, seine Landsleute auf, beim Volksentscheid gegen den UN-Plan zur Wiedervereinigung Zyperns zu stimmen. Das Abkommen, das im Referendum scheiterte, nutze vor allem den Zyperntürken, kritisierte er. Mehrfach sprach er sich für eine Ausweisung von Einwanderern aus. In einem Interview unterstützte er die Politik der rechtsradikalen Nationalen Volksfront, die nicht im Parlament vertreten ist.

Ökumenebefürworter

Bei aller Kritik an der EU: Einen totalen Konfrontationskurs fährt der Erzbischof nicht. Vielmehr geht es ihm um bessere Bedingungen für das Hilfsprogramm. Vor allem die Kleinsparer will er von einer Zwangsabgabe verschonen. Großzügig bot er deshalb an, das von ihm auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzte Vermögen der Kirche für einen Fonds bereitzustellen, der nach Plänen der Regierung auch mit Mitteln aus der Rentenkasse und Goldreserven gedeckt werden soll. Dieser Fonds soll Anleihen ausgeben und so den Eigenbeitrag von fast sechs Milliarden Euro zusammenbringen, den die Troika für Hilfskredite von zehn Milliarden Euro verlangt.

"Das gesamte Eigentum der Kirche steht dem Land zur Verfügung, um das Volk zu unterstützen, damit das Banksystem nicht kollabiert und wir auf eigenen Füßen stehen können", so Chrysostomos II. Dabei muss die orthodoxe Kirche, zu der sich mehr als 90 Prozent der Zypern-Griechen bekennen, selbst sparen. Im Sommer 2012 kürzte das vom Erzbischof selbst geführte Leitungsgremium, der Heilige Synod, die Kirchengehälter. Hohe Geistliche der Inselrepublik müssen seither mit 25 Prozent weniger Gehalt auskommen - auch Chrysostomos persönlich.

Als ausgewiesener Ökumenebefürworter pflegte er eine herzliche Beziehung zum emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013). Zweimal besuchte er ihn im Vatikan; 2010 empfing er ihn auf Zypern. Noch besser ist sein Verhältnis zum russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Der Erzbischof brachte sich denn auch als Gastgeber für ein mögliches historisches Treffen von Papst und Moskauer Patriarch ins Spiel.

Oliver Hinz und Heinz Gstrein
(KNA)