23.03.2013

Erstmals erklingen die Glocken von Notre Dame Neues Geläut für Paris

Einen echten Glöckner gibt es in  Notre Dame schon lange nicht mehr, dafür aber neue Glocken: Anlass ist der 850. Geburtstag der berühmtesten Kirche Europas. Am Vorabend von Palmsonntag erklangen die tonnenschweren Klangkörper erstmals.

Bereits seit Ende Januar befinden sich die Glocken in Paris, am 2. Februar segnete Vingt-Trois sie. Seitdem haben rund eine Million Besucher die in der Pariser Kathedrale ausgestellten neun Glocken besichtigt. Am Samstag nun hat der Pariser Erzbischof in einer feierlichen Zeremonie von außen an die Pforte von Notre-Dame geklopft und damit das Zeichen für den Einsatz des Geläuts gegeben. Dann wurde "Quasimodo" doch wieder in Gang gesetzt - denn so heißt der Computer, der das Geläut programmiert. An der Zeremonie nehmen nach Angaben der Organisatoren auch die französische Kulturministerin Aurelie Filippetti, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe und der Nuntius in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, teil.

Acht der neun Glocken wurden in der Gießerei Cornville Havard in der Ortschaft Villedieu-les-Poeles in der Normandie gefertigt - in einem Ofen, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Marie, mit sechs Tonnen die größte Glocke, kommt aus den Niederlanden. Mit Schwerlasttransporten wurden die Glocken in die französische Hauptstadt gebracht.

Zwei Millionen Euro Kosten

Dass es die Kathedrale und ihr Geläut heute noch gibt, daran hat auch der Glöckner Quasimodo seinen Anteil: "Das Buch von Victor Hugo hat Notre Dame gerettet", sagt Benedicte Esnault, Jubiläumsdirektorin der 850-Jahr-Feiern. Verfechter der Französischen Revolution stürmten 1791 und 1792 das Gotteshaus, holten die Glocken von den Türmen und schmolzen sie ein. Nur die tontiefste Glocke «Emmanuel» von 1658, die sich bis heute im Südturm der Kirche befindet, überstand den Aufstand.

Danach kam "Unsere liebe Frau", wie die Kirche auf Deutsch heißt, in die Jahre. Erst der Roman von Hugo, der 1831 erschien, weckte wieder das Interesse der Pariser für ihre Kathedrale und trug dazu bei, dass sie umfassend restauriert wurde. Auch neue Glocken bekam die Kirche nun. 1856 wurde der Nordturm der Kirche mit vier Glocken bestückt, die «Emmanuel» im Südturm begleiten sollten.

"Das klang nicht immer gut", sagt Esnault. Die Glocken seien wegen der verwendeten minderen Metallqualität verstimmt gewesen. Im Februar vergangenen Jahres wurden sie deshalb von den Türmen geholt - und ein neues Geläut in Auftrag gegeben, das den durch die Revolution zerstörten Glocken nachempfunden ist. Sie sollen den Grand Bourdon «Emmanuel» mit ihrem Läuten begleiten - mit etwas tieferen und sonoreren Klängen als die bisherigen. Zwei Millionen Euro kostete die Erneuerung, die aus Spenden finanziert wurde.

Geplant für 200 bis 300 Jahre

Benedicte Esnault erzählt mit Begeisterung von den neuen Glocken - so seien etwa die Namen ganz bewusst ausgewählt worden. Da gibt es zum Beispiel "Marie", die zusammen mit "Emmanuel" im Südturm aufgehängt werden soll. Sie ist nach der Gottesmutter Maria benannt. "Damit Emmanuel - wie Jesus als Sohn Gottes in der Bibel genannt wird - nicht so allein ist", erklärt Benedicte Esnault. "Seine Mutter Maria soll bei ihm sein."

Rein musikalisch korrespondiert "Marie" auf der anderen Seite außerdem mit "Gabriel". Er ist mit 1,83 Metern Durchmessern die größte Glocke im Nordturm. Auch dieser Name ist mit der biblischen Geschichte verknüpft, verkündet doch Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria, dass sie ein Kind erwartet.

Neben den Stadtpatronen von Paris und dem Notre-Dame-Gründer Maurice de Sully, der den Bau 1163 initiierte, geben außerdem noch zwei berühmte Geistliche zwei neuen Glocken ihre Namen: der ehemalige Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger und Papst Benedikt XVI. - in der Glockensprache salopp «Jean-Marie» und «Benoit-Joseph» genannt. Zwei kleinere Glocken, die in Paris in Zukunft gemeinsam den Ton angeben, zum Angelus-Gebet oder zur Weihnachtsmesse rufen. Für die nächsten 200 bis 300 Jahre wird das neue Geläut zu hören sein - so ist es jedenfalls geplant.

Nina Schmedding
(KNA)

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