27.02.2013

Der Münsteraner Bischof Felix Genn zum theologischen Erbe Benedikts "Dass Glaube ohne Vernunft nicht sein kann"

Die theologische Tiefe und das Bemühen darum, den Glauben in das Gespräch mit der Moderne zu bringen – darin sieht der Münsteraner Bischof Felix Genn das Hauptverdienst des Pontifikates Papst Benedikts.

Genn hatte Anfang der 1970er Jahre selbst unter Professor Ratzinger in Regensburg studiert. Schon damals wurde deutlich, wie wichtig dem späteren Papst das Zusammenspiel von Glaube und Vernunft wichtig waren: „Dass der Glaube ohne die Vernunft nicht sein kann“, so fasst Genn eines der Hauptanliegen des Papstes zusammen, „aber die Vernunft auch nicht ohne den Glauben, damit kein Fundamentalismus sich breit macht, genau so wenig wie ein Relativismus.“

Die Diktatur des Relativismus – diesen Begriff benutzte Papst Benedikt schon in der ersten Predigt seines Pontifikates im April 2005, um eine zunehmende Haltung in der westlichen Welt zu kennzeichnen, die prinzipielle Wahrheiten ablehnt, als antidemokratisch oder intolerant. Die Wahrheitsfrage scheint heute nicht mit der Achtung der Freiheit jedes Einzelnen vereinbar und nicht als gemeinschaftlich erkennbar. Für Bischof Felix Genn kann in einer solchen Haltung tatsächlich eine Art Diktatur liegen: „Wenn man sagt, das ist eine Wahrheit, die gilt zwar für dich, aber das gilt nicht für mich, dann werden die Dinge gleich gültig. Dann ist alles relativ, und dann gibt es keine Möglichkeit mehr, auf das Prinzipielle zu schauen.“

Eine Provokation

Dass Papst Benedikt diesen Begriff benutzt hat, ist für Bischof Genn auch eine „Provokation, die der Papst uns mitgegeben hat“. Diese werde noch Thema bleiben, „wenn wir plötzlich merken: da hat er Recht gehabt. Was ist denn jetzt Wahrheit und was kann noch einen Anspruch auf Gültigkeit erheben“.

Durchzogen war das Pontifikat Benedikts immer von der Gottesfrage. In Jesus Christus habe Gott zur Menschheit gesprochen, in ihm ist Gott der Welt bleibend nahe. Mit seinen drei Jesus-Büchern, die der Papst zwischen 2007 und 2012 herausgegeben hatte, habe sich Benedikt einen Traum erfüllt, wie Bischof Genn gegenüber dem domradio sagte: „Das ist eine Bereicherung zu sehen, wie dieser Mann eine Durchsicht gibt, durch die ganze exegetische Forschung und zugleich Zeugnis gibt, was Jesus für ihn bedeutet.“ Genn bezeichnete diese Bücher als Geschenk, von der die Kirche noch lange zehren könne. „Und zwar nicht nur die theologische Wissenschaft, nicht nur die amtlichen Verkünder, sondern auch der einfache Gläubige.“