24.02.2013

Vor 550 Jahren wurde der Humanist Pico della Mirandola geboren Mittler zwischen den Religionen

Unvereinbares zu vereinbaren war das Ziel von Giovanni Pico della Mirandola: Der hilosoph strebte nach der Synthese christlicher Offenbarung, jüdischen Gedankenguts und antiken Wissens - und geriet so in Konflikt mit dem Vatikan.

Alle Religionen und jede Richtung der philosophischen Schulen wollte er durch eine freie Diskussion versöhnt wissen. Er wurde vor 550 Jahren, am 24. Februar 1463, in Mirandola in der heutigen Provinz Emilia-Romagna geboren.

Pico della Mirandola hatte für seine Zeit außergewöhnliche Sprachkenntnisse. Des Lateinischen mächtig zu sein, galt als selbstverständlich, darüber hinaus beherrschte er auch die griechische und sogar die arabische Sprache. Seine Griechisch-Kenntnisse stellte er in den Dienst der Platonischen Akademie in Florenz, einem der bedeutendsten Zentren der gelehrten Welt im 15. Jahrhundert. Der Name der Akademie war Programm, aber Pico della Mirandola wollte Plato und seine Philosophie nicht isoliert sehen - er suchte sie in Übereinstimmung mit anderen philosophischen Schulen zu setzen.

Die Kenntnis des Hebräischen eröffnete ihm den Zugang zur jüdischen Mystik, der Kabbala. Damit ging der Humanist ein Wagnis ein, denn jüdische Schriften zu lesen, galt als suspekt. Im Mittelalter landeten die Bücher der Juden immer wieder auf dem Scheiterhaufen, oftmals auch auf päpstliche Anweisung, weil sie der Bekehrung der Juden im Wege stünden, wie man glaubte. Pico della Mirandola war nicht nur ein Wegbereiter für eine gelehrte Auseinandersetzung mit dem Judentum, er gehörte auch zu den Vordenkern der religiösen Toleranz.

Opfer eines Giftmordes?

Giovanni Pico della Mirandola geriet in Schwierigkeiten mit der Kurie - nicht wegen seiner Beschäftigung mit außerchristlichem Gedankengut, sondern wegen seiner oftmals undogmatischen, das kirchliche Lehramt zurückweisenden Haltung. Im Jahr 1486 kam es zum Konflikt. Der Philosoph lud auf eigene Kosten die gelehrte Welt zu einem großen Kongress nach Rom ein, um dort über 800 von ihm aufgestellte Thesen zu diskutieren. Papst Innocenz VIII. untersagte das Treffen kurzerhand, weil er es zu anmaßend fand. Außerdem erschienen ihm 13 der Thesen als häretisch. Pico musste vor der Inquisition nach Frankreich flüchten, wo es auf Betreiben Innocenz VIII. zu einer Verhaftung kam. Durch die Vermittlung der einflussreichen Florentiner Bankiers- und Herrscherfamilie Medici wurde er aus der Haft entlassen und konnte 1488 nach Florenz zurückkehren.

Flucht und Haft ließen ihn an seinem optimistischen Menschenbild zweifeln. Für ihn war bis dahin der Mensch ein selbstbestimmtes Wesen, ein Abbild Gottes, das mit schöpferischer Freiheit begabt war, wie er in seiner vielleicht bedeutendsten Schrift "Über die Würde des Menschen" schrieb. Sein eigentliches Lebensziel, eine Synthese aller Religionen und Philosophien, gab er jedoch niemals preis. Giovanni Pico della Mirandola starb am 17. November 1494 in Fiesole bei Florenz im Alter von nur 31 Jahren. Man munkelte, der aufstrebende Gelehrte sei Opfer eines Giftmordes geworden.

Christiane Neuhausen
(KNA)