Die Kirchen auf der didacta

Die didacta ist die größte Fachmesse für Bildungswirtschaft in Europa. Sie findet jährlich an wechselnden Standorten in Deutschland statt, derzeit im Wechsel zwischen Stuttgart, Köln und Hannover. Auch die Kirchen sind regelmäßig vertreten.

24.02.2013

Ein Besuch bei der Bildungsmesse didacta 3D-Drucker, Oasen und Denkspiele

In Köln ist die didacta zu Ende gegangen. Auch die Kirchen waren auf Europas größter Bildungsmesse vertreten  – und erlebten dabei einmal mehr: Das Interesse am Thema Religion unter Pädagogen ist nach wie vor groß.

Menschenmengen, voll bepackt mit Rucksäcken, Rollkoffern und Plastiktüten schieben sich aus den breiten Glastüren des Messezentrums Köln. Es sind keine Reisegruppen, sondern Lehrer, Referendare, Erzieher und andere Interessierte, die von der größten Bildungsmesse Europas, der didacta, kommen. Kita, Schule, Ausbildung, Weiterbildung - für alle ist etwas dabei. Und für alle gibt es viele Prospekte und Werbegeschenke zum Mitnehmen.

Der Stand "Religion bildet" bietet den schwer beladenen Pädagogen eine Oase. Die evangelische und katholische Kirche betreiben den Stand gemeinsam und haben dort ein kleines Cafe integriert. Müde Messebesucher können hier Kaffee trinken, sich ausruhen und sich natürlich auch über Religion und Bildung informieren. Christoph Westemeyer, verantwortlich für Religionspädagogik im Erzbistum Köln, hat schon mehrer didactas erlebt: "Die Leute freuen sich, wenn sie hierher kommen können." Am Freitag schätzten die Mitarbeiter 300 bis 400 Besucher, das Interesse an Religion sei größer, als so mancher vermute. Westermeyer betont: «Es ist wichtig, dass die Leute merken, dass die Kirche auch auf solchen Veranstaltungen präsent ist.» Inklusion, ein wichtiges Thema in der Bildung, sei in der Kirche schon früh selbstverständlich gewesen.

Nicht weit von der kirchlichen Oase, zwischen Spielzeug aus Naturholz und Fachvorträgen, sitzen mehrere Hilfswerke. Petra Gaidetzka vom katholischen Entwicklungshilfewerk Misereor will Lehrern Interesse am globalen Lernen vermitteln. "Es ist nicht so einfach, zu uns kommen eher Leute, die schon Interesse daran haben und sich gezielt informieren wollen." Ihr Stand war ebenfalls gut besucht, besonders die Unterrichtsmaterialien kommen bei Referendaren gut an.

Große Herausforderungen

Die vielen im Bildungssektor tätigen Menschen, die zur didacta strömen, stehen vor der großen Herausforderung, aus dem riesigen Angebot zu wählen. Ob Waldorfpädagogik, Taschenrechner, neue elektronische Unterrichtsformen oder Schulbücher, hier findet sich alles. "Einige erzählen mir, der Schulleiter habe sie geschickt, um Informationen zu sammeln", berichtet Werner Leutschacher, der einen Stand zu Denkspielen betreibt. "Ist doch klar, dass die nur blind alles mitnehmen. Selbst die Mathematiklehrer können mir oft nicht erklären, was hinter der Aufgabe steckt." Dabei ist sein "LEU Brain Stimulator" ein vielseitig anwendbares Material, das logisches Denken fördert. Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen, so dass vom Wunderkind bis zum Demenzkranken alle damit trainieren können. Leutschacher weiß jedoch, wie schwierig es ist, Lehrer mit kleinen Budgets zum Kauf eines solchen Materials zu überreden.

Rene Koch hingegen, kann mit seinem 3D-Drucker "Fabbster" bei technik- und design-interessierten Lehrern punkten - trotz hoher Kosten. Die günstigste Variante eines 3D-Druckers fasziniert die Besucher. Man zeichnet einen Entwurf, beispielsweise für eine kleine Spielfigur, «füttert» den Entwurf an den Drucker, und dieser «druckt» die Figur in Plastik dann aus. "Es gibt Lehrer, die gründen eine AG nur für den Fabbster, die haben wirklich viele Ideen, was man mit so einem Gerät alles machen kann", sagt Koch. Doch auch Universitäten zählen zu den Kunden. Das noch vor einigen Jahren unerschwingliche Gerät kommt gut an, auch wenn an diesem Tag nur wenige Menschen stehen bleiben.

Es ist schon später Nachmittag, die Taschen und Rollkoffer sind voll, es ist Zeit, die Beute nach Hause zu bringen. "Ich hab dir doch gesagt, dass du deinen Trolley mitbringen sollst", sagt eine junge Referendarin zu ihrer Freundin, die sich mit ihren vielen Tüten abplagt. "Na ja, das meiste wird wahrscheinlich eh im Müll landen", erwidert diese.

Barbara Mayrhofer
(KNA)