17.02.2013

Angelusgebet des Heiligen Vaters "Viva il Papa!"

Es war einer der letzten öffentlichen Termine für Papst Benedikt den XVI. Mehr als 50.000 Zuschauer jubelten dem Heiligen Vater beim Angelusgebet in Rom zu.

Es war ein erster Testlauf für die anstehenden Tage in Rom: Weit mehr als 50.000 Personen - Beobachter sprachen gar von 100.000 - kamen am Sonntagmittag zum Petersplatz, um Papst Benedikt XVI. bei einem seiner letzten öffentlichen Termine im Amt live zu erleben. Langer Applaus, viele "Viva il Papa"-Rufe. Benedikt
XVI. zeigte sich gerührt über die Anteilnahme: "Danke, dass ihr so zahlreich gekommen seid! Auch das ist ein Zeichen der Zuneigung und geistigen Verbundenheit, das ihr mir in diesen Tagen erweist", bedankte er sich.

Im Mittelpunkt des sonntäglichen Mittagsgebetes stand freilich nicht der für den 28. Februar anstehende Amtsverzicht des 85-jährigen Kirchenoberhauptes. Wie fast 400 Mal zuvor seit Pontifikatsbeginn im April 2005 wandte sich Benedikt XVI. beim Angelus mit der Botschaft des Sonntagsevangeliums an die Besucher. Vom Fenster im dritten Stock des Apostolischen Palastes aus rief er am Beginn der Fastenzeit zu Umkehr und Reue, zu innerer Erneuerung auf.

Gott als Grundlage

"Orientiert euch wieder auf Gott hin!", lautete seine Botschaft. "Entdecken wir den Glauben an Gott wieder als Grundlage und Kriterium unseres Lebens und des Lebens der Kirche." Das verlange einen "Kampf und eine geistliche Anstrengung". Denn das Böse versuche die Menschen immer vom Weg der Heiligung abzubringen. Vor allem aber müsse man sich hüten, Gott zu instrumentalisieren, ihn für eigene Zwecke nutzen zu wollen, betonte er unter Verweis auf die dreifache Versuchung Jesu durch den Teufel in der Wüste. Man müsse sich hüten, Gott über Erfolg und materielle Güter zu stellen; der Versucher gehe heimtückisch und raffiniert vor. Allerdings: Vor dem Kampf gegen den Geist des Bösen brauche der Christ im Vertrauen auf Gott letztlich keine Angst zu haben.

"In jedem Moment stehen wir vor einem Scheideweg und müssen uns für die Nachfolge Gottes entscheiden", sagte der Papst weiter - und mancher Besucher mag dies auch auf dessen Entscheidung hin verstanden haben. Jeder müsse überlegen, so der fast 86-Jährige, ob er persönlichen Interessen oder dem allgemeinen Wohl folgen wolle.

Grüße an die Bürger von Rom

Zum vorletzten Angelus-Gebet auf dem Petersplatz war auch Roms Bürgermeister Gianni Alemanno an der Spitze der römischen Stadtverwaltung gekommen. "Mit Ihnen grüße ich alle Bürger dieser geliebten Stadt und danke all ihren Bewohnern", wandte sich der Papst an die Delegation.

Der Termin hatte sich angeboten, da am kommenden Sonntag Parlamentswahlen in Italien stattfinden. Und anders als Italiens Staatspräsident und Regierungschef, die Benedikt XVI. in Abschiedsaudienzen empfängt, ist für den ersten Mann Roms keine Einzelbegegnung mehr vorgesehen. Freilich war Alemanno erst vor fünf Wochen in Sonderaudienz beim Papst gewesen: Am 11. Januar überbrachte er ihm offiziell die Neujahrswünsche der Stadt Rom.

Traditionelle Fastenexertitien

Am Sonntagnachmittag zogen sich der Papst und Mitarbeiter der römischen Kurie zu ihren traditionellen Fastenexerzitien zurück. Die Ansprachen und geistlichen Impulse hält in diesem Jahr der vatikanische Kulturminister, Kardinal Gianfranco Ravasi (70). Mancher wollte in dieser ehrenvollen Berufung bereits einen Wink für das kommende Konklave erkennen - allerdings gehört der umtriebige Bibelwissenschaftler und TV-Kommentator noch zu den jüngsten Kurienvertretern.

Während der Exerzitienwoche sind alle öffentlichen Papsttermine abgesagt, einschließlich der Generalaudienz am Mittwoch. Am kommenden Samstag empfängt Benedikt XVI. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano. Und dann beginnt für ihn die letzte Woche im Papstamt - bis er am 28. Februar um 17.00 Uhr in den Hubschrauber steigt und nach Castel Gandolfo fliegt. Dort endet drei Stunden später sein knapp achtjähriges Pontifikat.

(KNA)