31.01.2013

Vor 125 Jahren starb Ordensgründer Don Bosco Mit seiner Pädagogik setzte er Maßstäbe

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen", war sein Wahlspruch. Der Turiner Heilige Don Bosco starb heute vor 125 Jahren. Als Ordensgründer und begnadeter Pädagoge wurde er 1934 heiliggesprochen.

Giovanni Melchiorre Bosco vereinigte alle Eigenschaften in sich, die typisch sind für Ordensgründer: tiefe Frömmigkeit und Charisma, Organisationstalent und einen Blick für die Nöte der Zeit.

Die hatte er am eigenen Leib zu spüren bekommen. Am 16. August 1815 wurde Giovanni Bosco als jüngstes von drei Kindern in eine Bauernfamilie im piemontesischen Becchi geboren. Bereits zwei Jahre später starb sein Vater. Die Mutter brachte die Familie mühsam durch, an Unterricht für den kleinen Giovanni war dabei nicht zu denken. Mit neun Jahren lernte er endlich das Lesen und Schreiben.

In seinen Erinnerungen berichtete Don Bosco von einem Traum, den er in diesem Jahr hatte und der den Wunsch in ihm aufkommen ließ, Priester zu werden.

Arbeit als Stallbursche

Die Unterstützung durch seine Mutter und den Dorfkaplan und nicht zuletzt die eigene Hartnäckigkeit verhalfen ihm zur ersehnten Bildung. Mit zwölf erhielt er Unterricht in Latein beim Kaplan - nach der Arbeit. Giovanni arbeitete als Stallbursche und erlernte das Schneiderhandwerk. Ab 1830 besuchte er das Gymnasium. Auch hier musste er neben der Schule arbeiten, um das Schulgeld zu verdienen.

Nach dem Besuch des Priesterseminars in Chieri wurde er 1841 zum Priester geweiht. Seine erste Stelle trat Don Bosco - «Don» ist die in Italien übliche Anrede von Geistlichen - in Turin an.

Erzieher und Seelsorger

Giovanni Bosco lebte in unruhigen Zeiten. Politische, wirtschaftliche und soziale Verwerfungen prägten seinen Lebensweg. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Residenzstadt zu einem industriellen Zentrum. Die Härten des Frühkapitalismus trafen auch hier vor allem die Kinder: Viele waren gezwungen, auf der Straße zu leben, Fabrikarbeit bei Kindern unter zehn Jahren war keine Seltenheit. Noch im Jahr seiner Priesterweihe hatte Don Bosco eine Begegnung, die als Initialzündung für seine eigentliche Berufung gelten kann: Im Dezember 1841 verirrte sich der Straßenjunge Bartolomeo Garelli in die Sakristei seiner Kirche. Er kam wieder, brachte seine Freunde mit und wurde zu Don Boscos erstem Schützling.

Der junge Priester verbrachte seine Freizeit mit den Jungen und gab ihnen Unterricht im Lesen, Schreiben und im Katechismus. Dabei verstand er sich gleichermaßen als Erzieher und Seelsorger. Er wolle die Jungen zu «aufrichtigen Bürgern und guten Christen» heranbilden, schrieb er in einer seiner zahlreichen Publikationen. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Er verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz. Das war neu in einer Zeit, in der Prävention für die Pädagogik ein Fremdwort war und weite Kreise der Kirche ablehnend gegenüber standen.

Mit seiner pädagogischen Arbeit setzte Don Bosco Maßstäbe. Erzieher seien «Assistenten» der Jugendlichen, die ihren Schützlingen mit ehrlichem Interesse, ermutigend und unterstützend zur Seite stehen sollten. Die drei Säulen seines Erziehungssystems bildeten Vernunft, Religion und Liebe. Geist und Seele sollten gleichermaßen angesprochen werden.

Spiritualität des Ordensgründers Franz von Sales

Wesentliche Impulse verdankte er seinem Beichtvater, dem nur wenige Jahre älteren Don Guiseppe Cafasso. Der später heiliggesprochene Cafasso war nicht nur sozial engagiert, er brachte Don Bosco auch mit der Spiritualität des Ordensgründers Franz von Sales in Kontakt.

Sie wurde Grundlage der von ihm gegründeten Ordensgemeinschaft. Am 18. Dezember 1859 war es soweit: 17 enge Mitarbeiter anerkannten die von Don Bosco ausgearbeiteten Statuten und wählten ihn zu ihrem Generaloberen. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der Salesianer Don Boscos. 1874 erhielt die Gemeinschaft die endgültige Anerkennung durch den Papst. Erste Niederlassungen in Europa und Südamerika wurden gegründet; als Don Bosco 72-jährig in Turin starb, gab es bereits mehr als Tausend Salesianer.

Birgitta Negel-Täuber
(KNA)