29.01.2013

Wehrbeauftragter für Ausbau der Militärseelsorge "Beeindruckendes Engagement"

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, hat sich für einen Ausbau der Militärseelsorge ausgesprochen. Künftig sollen auch muslimische Soldaten seelsorgerisch betreut werden.

Es sei ihm ein "großes Anliegen", dass sie die ganze Breite der religiösen Anschauungen in der Bundeswehr abdecke, sagte der FDP-Politiker am Dienstag in Berlin. Bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2012 betonte der Wehrbeauftragte zugleich, die rund 190 Militärseelsorger der beiden großen Kirchen stünden als Ansprechpartner für alle Soldaten bereit. Königshaus räumte ein, trotz der wachsenden Zahl von Soldaten islamischen Glaubens gebe es für sie noch keine eigenen Seelsorger.

Es sei jedoch schwierig, in der muslimischen Gemeinschaft dafür einen Vertragspartner zu finden, da diese nicht institutionell wie die Kirchen verfasst seien. Die Truppe bemühe sich aber darum, dass auch muslimische Soldaten ihre Traditionen wie Gebetszeiten und Speisevorschriften einhalten könnten. Ein Modell dafür seien die Regelungen, die in der Armee von Bosnien gelten, erklärte der FDP-Politiker. Er gab bekannt, dass das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr derzeit den seelsorglichen Bedarf der Soldaten ermittelt, die nicht katholisch oder evangelisch sind.

Vielfältige Angebote

In seinem Bericht bescheinigte Königshaus den Militärseelsorgern "vielfältige Angebote und beeindruckendes Engagement". Vor allem bei Auslandseinsätzen wendeten sich auch kirchendistanzierte und konfessionslose Soldaten an sie. Die Militärseelsorger seien auch für Angehörige und Hinterbliebene "eine viel gelobte Stütze".

Der Wehrbeauftragte betonte zugleich, unter den Soldaten gebe es weiter eine "tiefgreifende Verunsicherung und Überlastung". Dafür sei auch die mangelnde Vereinbarkeit von Dienst und Familie in der Bundeswehr verantwortlich.

So sei die laufende Umstrukturierung nicht genutzt worden, um Umzüge und beruflich bedingtes Pendeln zu verringern, kritisierte Königshaus. Die Standortschließungen führten stattdessen zu zusätzlichen Belastungen der Soldatenfamilien. Bereits im Regeldienst seien 70 Prozent der Soldaten Wochenendpendler. Hinzu kämen wochenlange Abkommandierungen und mehrmonatige Auslandseinsätze. Dies führe zu weit überdurchschnittlichen Trennungs- und Scheidungsraten.

Auch hätten Bundeswehrangehörige faktisch kaum Möglichkeiten, ihr Recht auf Elternzeit in Anspruch zu nehmen, da Vertretungskräfte nicht eingeplant seien, so Königshaus. Zudem gebe es für sie kaum Betreuungsplätze für ihre Kinder. Dies trage dazu bei, dass der Frauenanteil in den Streitkräften nur bei knapp zehn Prozent liege.

Unzureichende Nachbetreuung

Verbesserungen forderte Königshaus weiter bei der Betreuung traumatisierter Soldaten. Vor allem die langfristige Betreuung nach dem Ende der Dienstzeit sei unzureichend. Zugleich habe die Zahl Betroffener im vergangenen Jahr mit 1.143 einen neuen Höchststand erreicht.

Der Wehrbeauftragte äußerte sich auch zu sexueller Gewalt und sexuellen Belästigungen in der Bundeswehr. Nach eigenen Angaben erhielt er im vergangenen Jahr dazu elf Eingaben, darunter einen Vorwurf der Vergewaltigung, der noch geprüft werde. Es sei jedoch von einer erheblich größeren Dunkelziffer auszugehen. Dies wolle die Bundeswehr nun mit einer Studie untersuchen.

(KNA)