26.01.2013

St. Erhard soll Bamberger Bier in Asien zum Durchbruch verhelfen Heiliger Hopfensud

In keiner anderen Region auf der Welt gibt es so viele Brauereien wie in und um Bamberg. Doch im Exportgeschäft tun sich die kleinen fränkischen Betriebe schwer. Nun soll der asiatische Markt erobert werden - mit Hilfe eines Heiligen.

Ende 2010 saß Christian Klemenz mit einem indischen Mitstudenten beisammen und überlegte, wie ein deutsches Bier gestaltet sein müsste, um auf dem Subkontinent eine Chance zu haben. Schnell war klar: Ein einprägsamer, leicht auszusprechender, deutsch klingender Name musste her, dazu einer, der noch nicht markenrechtlich geschützt war.

Die Pioniere recherchierten in Vornamens- und Markenregistern und landeten schließlich bei "Erhard". So hieß der Vater des deutschen Wirtschaftswunders mit Nachnamen, schon mal nicht schlecht. So lautete aber auch der Vorname von Klemenz' Großvater und der Patron der Kirche seines oberfränkischen Heimatdorfes Geutenreuth.

Ein Heiliger als Bierverkäufer?

Der heilige Erhard wirkte im 7. Jahrhundert als Wandermissionar in Bayern und ist in Regensburg begraben. Das passte. Schließlich haben die Jungunternehmer auch eine Mission. Und so kreierten sie die Marke "St. Erhard".

Aber ein Heiliger als Bierverkäufer? Klemenz verweist nüchtern aufs Geschäftliche. Im Getränkesektor tummelt sich allerlei Heiliges, auf bayerischen und italienischen Mineralwasserflaschen oder auf schottischem Whiskey. In Asien werde das Kürzel "St." (lateinisch sanctus: heilig) zudem mit Tradition und alter Herkunft assoziiert, erläutert der 25-Jährige. Und es klinge ein bisschen nach Nobelorten wie St. Moritz oder Saint Tropez. Diese positiven Anklänge passen den Jungunternehmern bestens ins Konzept.

Das Ziel: der Markt in Asien

Vor zehn Monaten ging die erste Ladung "St. Erhard" per LKW, Schiff und Zug nach Indien: ein klassisches fränkisches Kellerbier, bernsteinfarben, mit ausgeglichenen Hopfen- und Malznoten, etwas süßlich im Antrunk, etwas bitter im Abgang, gebraut in Hallerndorf 20 Kilometer südlich von Bamberg.

Die Abnehmer in der Hauptstadt Delhi seien sofort begeistert gewesen, berichtet Klemenz. Schnell war die erste Charge ausverkauft. In diesem Jahr will er mit seinen drei Geschäftspartnern 1.000 Hektoliter exportieren und auch in China aktiv werden. In fünf bis zehn Jahren soll "St. Erhard" die bekannteste deutsche Biermarke in Asien sein.

Und sollte der Ehrgeiz einmal zu Kopf steigen, hilft vielleicht ein Stoßgebet zum heiligen Erhard. Der ist nicht nur Patron der Bäcker und Bauern, sondern wird gern von den Gläubigen bei Kopfschmerz und Augenleiden bemüht.

Christoph Renzikowski
(KNA)