22.01.2013

Kritik an Agrarspekulation der Deutschen Bank Von Hunger und "Unschuldsmythen"

Das katholische Hilfswerk Misereor kritisiert die Entscheidung der Deutschen Bank, künftig wieder mit Nahrungsmitteln zu spekulieren. Das Kreditinstitut hatte genau das auf dem Weltforum für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin verkündet.

Das Institut hatte die Spekulationen 2012 ausgesetzt, um Ergebnisse von Untersuchungen abzuwarten. Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, begründete am Wochenende den Schritt damit, dass diese Untersuchungen kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang mit dem Hunger in der Welt erbracht hätten. Eine Reihe von Finanzunternehmen, darunter die DekaBank der Sparkassen, die Landesbank Berlin und die Commerzbank, hatten sich unter Verweis auf das Vorsorgeprinzip aus der Agrarspekulation zurückgezogen.

Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon sagte dazu, die Deutsche Bank setze "einseitig auf diejenigen Untersuchungen, die keine Belege für einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen und dem Hunger in der Welt sehen". Demgegenüber kritisierten aber namhafte wissenschaftliche Studien "diese Unschuldsmythen und liefern Hinweise für mindestens indirekte Zusammenhänge". So lange es um ein existenzielles Thema wie Hunger gehe, müsse die Beweislast der Unschädlichkeit von Anlageprodukten bei den Geldinstituten liegen, so Bröckelmann-Simon.

Auch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) und die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz hatten Banken aufgefordert, aus der Nahrungsmittelspekulation auszusteigen und für gemeinwohlorientierte Rahmenbedingungen bei Warentermingeschäften plädiert.

Diskussion um Studie

Zusammen mit einem Bündnis entwicklungspolitischer Organisationen plädiert Misereor dafür, die rein renditegetriebene Spekulation auf den Nahrungsmittelmärkten massiv zu begrenzen. Das Hilfswerk begrüßte es, dass mehr und mehr Finanzinstitutionen und Versicherungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht würden und sich aus dem Handel mit Nahrungsmittelspekulation zurückzögen. Auch private Anleger träfen zunehmend ihre Investitionsentscheidungen aufgrund ethisch orientierter und sozial wie ökologisch verträglicher Kriterien.

Auch Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte im September Maßnahmen zur Eindämmung von Spekulationen mit Agrarrohstoffen an Börsen gefordert. So verlangte er eine Börsenpflicht für alle Agrarrohstoffe und damit verbundene Finanzprodukte, mit denen etwa auf steigende Preise gesetzt wird. "Damit werden alle Investitionen transparent, das minimiert die Spekulationen", sagte Niebel. Ein komplettes Handelsverbot für Agrar-Wertpapiere lehnte er aber ab.

Dagegen hatten 40 deutsche Wissenschaftler, darunter vor allem Agrarökonomen, Juristen und Ethiker, kürzlich in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck erklärt, dass es sich wissenschaftlich nicht belegen lasse, dass Spekulation mit Nahrungsmitteln zu dauerhaft höheren Preisen führe.

(KNA)