Norbert Werbs
Norbert Werbs

11.01.2013

Vor 375 Jahren wurde Niels Stensen geboren Naturwissenschaftler, Bischof, Europäer

Der Forscher Niels Stensen war ein Europäer, den bestehende Grenzen nicht aufhielten: Als erwachsener Mann konvertierte er zum katholischen Glauben, wurde bald Priester und Bischof - und Jahrhunderte später seliggesprochen.

Er war ein Neujahrskind - jedenfalls für die Protestanten. Für die Katholiken wurde Nils Stensen am 11. Januar 1638, vor 375 Jahren, geboren. Denn der Streit um den neuen Gregorianischen Kalender war zwischen den Konfessionen noch in vollem Gang. Niels Stensen, der als Sohn eines Goldschmiedes in Kopenhagen das Licht der Welt erblickte, hatte viele Talente.

Sehr bald zeigte sich seine vielseitige Begabung als Anatom, Geologe, Mineraloge und Kristallograf. Offen für neue Fragen und Einsichten blieb er jedoch ein gläubiger evangelischer Christ. Naturwissenschaften und biblische Aussagen waren für ihn nicht unversöhnlich, auch wenn er die Spannungen deutlich spürte und auf der Suche nach Lösungen blieb. "Wie kommen Haifische auf die Berge?", fragte er sich angesichts der versteinerten Haifischzähne im Gebirge. Sind es Relikte der Sintflut, von der die Bibel berichtet? Eine befriedigende Antwort fand er damals noch nicht. Aber er war offen für neue Einsichten, auf der Suche nach der Wahrheit.

Diese Suche führte Niels Stensen von Kopenhagen über die Niederlande und Frankreich nach Florenz, das damals kulturell in Blüte stand. Dort erlebte er überzeugende katholische Persönlichkeiten, die in dem dänischen Protestanten Interesse für die "alte" Kirche weckten. Bei einer Fronleichnamsprozession, die er in Livorno erlebte, wurde er von der Frömmigkeit der Gläubigen so ergriffen, dass er sich auf eine Konversion hin bewegte. Sie erfolgte am 7. November 1667 und entfremdete ihn von den alten Freunden im Norden.

In Bischofsgewänder bestattet

Nach einem Intermezzo als königlicher Anatom am Hof zu Kopenhagen und der Rückkehr nach Florenz ließ sich Stensen 1675 zum Priester weihen. Schon nach zwei Jahren wurde ihm das Bischofsamt übertragen, das er in Gehorsam annahm. Als Vikar des Nordens ging er nach Hannover, um den katholisch gewordenen Herzog zu unterstützen. Von dort wanderte er weiter als Weihbischof nach Münster, wo er sich sehr für die Erneuerung der Kirche einsetzte. 1683 verließ er dieses Bistum, weil er gegen eine Ämterhäufung bei der Bischofswahl protestieren wollte, und ging nach Hamburg. Aber auch dort stieß er auf schwierige Verhältnisse unter den wenigen Katholiken.

So reifte der Plan, wieder nach Florenz zu gehen, wo ihn Freunde erwarteten. Diesen gab er jedoch auf, weil er einen Ruf nach Schwerin erhielt, wo Herzog Christian Ludwig katholisch geworden war. Dort lebte er unter einfachsten Verhältnissen ein knappes Jahr - hochgeachtet von den evangelischen Mitbürgern, ohne je als Bischof auftreten und wirken zu können. Nach seinem Tod am 25. November 1686 wurde er - in Bischofsgewänder gekleidet - im Schweriner Dom bestattet. Auf Betreiben des Florentiner Hofs wurde sein Leichnam jedoch bald nach Florenz gebracht und in der Kirche S. Lorenzo beigesetzt. Die Seligsprechung erfolgte am 23. Oktober 1988 durch Papst Johannes Paul II.

Niels Stensen hat uns Heutigen Wichtiges zu sagen: Er war ein Europäer, den die bestehenden Grenzen - politischer, religiöser und kultureller Art - in seiner Entwicklung nicht aufhielten. Er war ein hochbegabter Wissenschaftler in unterschiedlichen Bereichen, offen für neue Erkenntnisse und Fragestellungen. Und er war ein Jünger Christi, dem er selbstlos auf einer "Karriere nach unten", wie Bischof Joachim Wanke mal sagte, folgte.

Norbert Werbs
(KNA)