11.01.2013

Ruhrbischof mahnt Mitarbeit aller Christen an "Kirche der überzeugenden Christen"

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fordert in einem eindringlichen Appell die Katholiken seines Bistums auf, Mitverantwortung für Glaube und Kirche zu tragen. In einem am Freitag in Essen veröffentlichten Hirtenwort wirbt er für eine "Kirche der überzeugten und überzeugenden Christen".

Die Kirche sei "längst keine Volkskirche mehr" und erreiche mit ihrer christlichen Botschaft nur noch eine Minderheit. In dieser Situation gelte es, zu den "vielen oft suchenden und interessierten Menschen um uns herum" Kontakt aufzunehmen.

"Viele verstehen unsere Sprache nicht, sie tun sich schwer mit unseren Formen und erleben unsere Kirche als schwer zugänglich und sperrig", so Overbeck in dem Hirtenbrief, der in den Gottesdiensten am kommenden Wochenende verlesen werden soll. Die Kirche brauche Offenheit und Weite, um möglichst viele mit ihrer Botschaft zu erreichen. Die Katholiken dürften sich nicht nur um sich selber kümmern, sondern müssten auch die unzähligen Getauften im Blick haben, "die distanziert, aber in vorsichtiger Sympathie" mit der Kirche verbunden seien. "Sie zahlen nicht nur Kirchensteuern, sondern suchen auch in großer Ernsthaftigkeit zu bestimmten Anlässen den Kontakt mit uns."

Entscheidende Träger des kirchlichen Lebens seien nicht nur Bischöfe, Priester und Diakone, sondern alle Getauften und Gefirmten, betont der Bischof. «In allen Gläubigen muss eine Haltung der Mitverantwortung und eine entschiedene Leidenschaft für den Glauben, für die Kirche und für den Dienst an den Menschen wachsen.» Das Evangelium, die Tradition der Kirche und der gelebte Glaube stellten einen großen Schatz an Werten, Orientierung und Lebenshilfen dar.

"Kirche erfahrbar machen"

Um die Lebensrelevanz des christlichen Glaubens in die Gesellschaft zu vermitteln, bedarf es nach den Worten des Bischofs auch Änderungen in der Kirchenstruktur. Viele Menschen erlebten die Strukturen «eher als ein Hindernis auf dem Weg zu Gott». Deshalb müsse die Kirche "ganz neue Formen der Vergemeinschaftung und des kirchlichen Lebens entwickeln". Sie werde nicht "an Orten festhalten, die keine Zukunft mehr haben". Vielmehr gehe es darum, die Kirche "auch außerhalb der bekannten und gewohnten Strukturen unserer Pfarreien und Gemeinden" erfahrbar zu machen.

Absoluten Vorrang im Leben der Kirche muss laut Overbeck das geistliche Leben im Alltag haben, das Sorgen, Konflikten und Anlässen zu Dankbarkeit einen Platz einräume. Nur so sei zu verhindern, "dass Menschen unsere geistliche Praxis als ritualisiert, lebensfern und veräußerlicht empfinden".

In dem Hirtenbrief zieht der Essener Bischof eine Bilanz über den bisherigen Dialogprozess seiner Diözese über die Zukunft der Kirche. Dabei gab es mehrere Bistumsforen, Akademie-Gespräche sowie Veranstaltungen des Diözesanrates und von Pfarreien.

(KNA)