11.01.2013

Neue Kölner U-Bahn-Linie bringt Kathedrale in Schwingungen Wenn der Dom schunkelt

Die neue U-Bahn-Linie in Köln lässt den Kölner Dom vibrieren. Das zeigen Messungen der Erdbebenstation Bensberg. Die Kölner Verkehrsbetriebe und das Dombauamt trafen sich nun zu einer Krisensitzung.

Erinnerungen werden wach an den Einsturz des Historischen Stadtarchivs im März 2009. Damals kamen zwei Menschen ums Leben. Als Ursache gelten Probleme beim nahen U-Bahnbau. Am Mittwoch waren das Domkapitel, die Stadt Köln und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) mit der Meldung an die Öffentlichkeit gegangen, dass der Betrieb der neuen U-Bahnlinie 5 das Wahrzeichen der Stadt in Schwingung bringt. Zwar ganz leicht nur, aber immerhin.

Auch Geräusche sind zu hören, wenn alle fünf Minuten eine Bahn unterirdisch auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Historischen Rathaus ganz nah an der Kathedrale vorbeifährt. Es sei nicht absehbar, welche Schäden sich durch den Betrieb der modernen U-Bahn an dem Weltkulturerbe ergeben, hieß es.

Das ist es auch, was Dombaumeister Michael Hauck am Tag danach Kopfzerbrechen bereitet. Es bestehe zwar keine Gefahr, sagt er. "Keiner hat hier wirklich Sorgen." Und dennoch: Niemand könne absehen, was die ständigen Erschütterungen am Kölner Dom auf lange Zeit hin bewirken. Die Kathedrale sei ein mittelalterliches Gebäude und könne auf derartige Belastungen gar nicht ausgelegt sein.

Als bedürfe es noch eines Beweises, hält Hauck eine grafische Darstellung in die Höhe. Das seismologische Institut Bensberg hat an zwei Messpunkten im Dom die Erschütterungen gemessen - in Höhe des Domfundaments und zum anderen an der Gewölbekappe in 50 Metern Höhe.

Die Linien zeigen starke Ausschläge für jeweils 20 Sekunden, wenn eine U-Bahn vorbeifährt. Aber das ist noch nicht alles. In der Schatzkammer und in der Sakristei des Doms könne man die Erschütterungen sogar spüren. Hauck und die anderen Verantwortlichen des Doms wollen das nicht hinnehmen. Ziel sei es, den Zustand von vorher wieder herzustellen. Also den vor dem 9. Dezember, dem Starttag der Linie 5. "Dann können die fahren, so oft sie wollen."

An das Problem herantasten

Die KVB wissen um die Sensibilität des Themas und sehen sich in der Pflicht. Zusammen mit Stadt und Kirche ist man verschiedene Möglichkeiten durchgegangen, wie sich das Problem lösen lässt. Die Maßnahmen reichen vom Schmieren der Schienen über Gummipuffer unter den Gleisen bis hin zur «Entkoppelung des Gleisbetts von der Röhre», wie Hauck erläutert. Dazu müsste das Gleis auf eine Betonplatte und die wiederum auf Federn gesetzt werden. So ist das bei der Philharmonie gemacht worden, eine ebenfalls heikle Stelle beim U-Bahnbau.

"Wie weit geht man? Was davon ist sinnvoll?", fragt sich auch der Dombaumeister. "Wir wollen ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen." Erst einmal habe die seismologische Station zwei zusätzliche Fühler in der Schatzkammer eingerichtet. Auch sollten in den kommenden Tagen Versuche mit verschiedenen Geschwindigkeiten der U-Bahn durchgeführt werden, um die Auswirkungen darzustellen. Die Sofortmaßnahme der KVB, die Bahnen statt mit 30 nur noch mit 20 Stundenkilometern durch die Röhre zu schicken, habe bereits Besserung gebracht.

"So wollen wir uns an das Problem herantasten", sagt Hauck. Auch die Domkammer trägt ihren Teil zur Problemlösung bei. Dom-Pläne etwa vom Bau der Schatzkammer sollen den Verkehrs-Betrieben zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenzug erhalten Hauck und seine Leute Pläne vom Bau der Bahn. Er selbst könne aus der Erinnerung ja so gut wie nichts beitragen, sagt Hauck fast bedauernd. Erst vor wenigen Monaten hat er das Amt des Dombaumeisters übernommen.

 

(KNA)