19.11.2012

NRW ehrt medica-mondiale-Gründerin Hauser "Gemeinsam gegen das Schweigen"

Seit fast 20 Jahren setzt sich Monika Hauser weltweit für vergewaltigte und traumatisierte Frauen und Mädchen ein. Nun hat die Kölner Ärztin für ihr Engagement den Staatspreis der NRW-Landesregierung erhalten. Sie verstehe die Würdigung als "politisches Signal", sagt sie im domradio.de-Interview.

domradio.de: Sie engagieren sich für die Rechte von Frauen und Mädchen in Kriegs- und Konfliktregionen. Was an ihrem Engagement ist kompromisslos?
Hauser: Kompromisslos ist, dass wir uns ganz klar an der Seite von Frauen stehen, die Vergewaltigung oder eine andere Form sexualisierter Gewalt überstanden haben. Nach wie vor ist das ein Tabuthema - nicht nur im Kongo, nicht nur in Afghanistan, auch in unserer deutschen, so aufgeklärten Gesellschaft. Wir nehmen ganz klar Partei. Und sprechen immer wieder ganz politisch an, um was es geht: nämlich auch um das Verschweigen dieser Taten.

domradio.de: Sie setzen sich weltweit ein für vergewaltigte und traumatisierte Frauen und Mädchen. Was erreichen sie durch ihr Engagement?
Hauser: Wir erreichen die konkrete fachliche Unterstützung dieser Frauen. Damit Frauen, die 3nicht mehr leben wollten, wieder Perspektiven für ein Leben in Würde für sich sehen. Auf der anderen Seite unterstützen wir einheimische Frauen, damit sie langfristig dieser Arbeit tun können mit dem nötigen Know-how.

domradio.de: Der Staatspreis ist die höchste Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen und wird an Persönlichkeiten verliehen, die dem Land "durch Werdegang und Wirken verbunden sind", so heißt es in der Laudatio.  Sie wurden für ihre Arbeit inzwischen mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, unter anderem auch mit dem Alternativen Nobelpreis. Bedeutet ihnen ein solcher Preis noch was?
Hauser: Aber selbstverständlich. Er bedeutet Anerkennung für mich und meine langjährige Hartnäckigkeit, für die Kolleginnen im Kölner Büro und die vor Ort. Gerade, wenn ich an Afghanistan denke. Dort tun Frauen jeden Tag die beschriebene schwierige Arbeit. Ich verstehe den Preis aber auch als klares politisches Signal: Die Landesregierung steht solidarisch an der Seite der überlebenden Frauen und kämpft mit uns gemeinsam gegen das Schweigen und die Verachtung dieser Frauen.

domradio.de: Sie bekommen ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro. Und dieses Geld möchten sie spenden. Wofür?
Hauser: Es wird in unserer Arbeit eingesetzt, für unser Projekt in Liberia. Hier bauen wir seit fünf Jahren nachhaltige Strukturen auf. Der größte Teil der liberianischen Frauen hat in den Kriegsjahren extreme Gewalt erlebt. Hier unterstützen wir Fachfrauen, so dass die langfristig diese Arbeit tun können.

Das Gespräch führte Monika Weiß.

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