11.11.2012

Großbritannien beschließt Gesetz gegen Kirchendiebe Geklautes Eisen

Die Schäden gehen in die Millionen, die Anzahl der Fälle in die Tausende. Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien werden immer mehr Kirchengemeinden Opfer von Metalldieben. Jetzt soll mit einer Gesetzesinitiative den Räubern das Handwerk gelegt werden.

Die Diebstähle sind teilweise spektakulär: In Darwen, einer Kleinstadt im Nordwesten Englands wurde im April dieses Jahres die bronzene Glocke aus dem Kirchturm gestohlen. In einer katholischen Kirche in Sheringham an der Ostküste Englands klauten Diebe mit einer Kettensäge eine Jesusfigur. "Das ist nicht nur Vandalismus, das ist eine Schändung", empörte sich der Priester der Gemeinde. Auch hier hatten es die Diebe auf das Metall der Figur abgesehen. Dabei ist nicht nur Bronze attraktiv, auch Kupferdächer der Kirchen werden abgedeckt, Metalltore werden geklaut.

Eine Gesetzesinitiative der Konservativen im britischen Parlament, die große Unterstützung bei der Church of England findet, soll es den Metalldieben künftig schwer machen, das geklautes Metall zu Geld zu machen. Der Entwurf sieht vor, dass künftig alle Schrott- und Metallhändler eine Lizenz für ihr Geschäft brauchen. Sie sollen künftig darüber Buch führen, wer ihnen das Metall verkauft hat. Außerdem sollen sie die Identität der Käufer überprüfen müssen. Zudem sollen Barauszahlungen beim Metallankauf verboten werden.

In dieser Woche ging der Gesetzentwurf in die dritte und letzte Lesung im Unterhaus - und fand hier eine Mehrheit. Der Entwurf wird nun ans Oberhaus zur weiteren Beratung weitergeleitet. Dort hat die Kirche 26 Sitze, die in einem Rotationsverfahren durch Erzbischöfe und Bischöfe besetzt werden.

33,7 Millionen Euro für Reparaturen
Nach Angaben der Church of England gab es seit 2007 bis heute 11.000 Diebstahlfälle in englischen Gemeinden. Die kirchlichen Versicherer und die Kirche selbst hätten rund 27 Millionen Pfund (rund 33,7 Millionen Euro) aufwenden müssen, um die Schäden zu reparieren. Allein im vergangenen Jahr wurden 2.500 Metalldiebstähle beim kirchlichen Versicherer "Ecclesiastical" gemeldet, teilte der Versicherer mit, der eine große Kampagne zur Sicherung von Kirchengebäuden initiiert hat.

Der Bischof von Salisbury sagte: "Es ist schockierend, dass allein in diesem Jahr in mehr als 50 Kirchen meiner Diözese Metall gestohlen wurde." In eine Kirche sei gleich acht Mal eingebrochen worden. "Diese Diebstähle beschädigen nicht nur die Gebäude, sie zerstören auch die Gemeinde, in dem sie die Freiwilligen, die sich um diese lokalen Einrichtungen kümmern, demoralisieren." Gerade die freiwilligen Gemeindevorsteher wären froh, wenn das Gesetz am Freitag vom Unterhaus befürwortet würde.

Mehrheit für Gesetzesverschärfung
Der Bischof von Winchester, Tim Dakin, forderte die Abgeordneten auf, das Gesetz zu unterstützen, um das nationale Kulturerbe, das die Kirchen seien, nicht zu gefährden. Die Kirche kann bei ihren Forderungen nach einer Regulierung der Schrott- und Metallhändler auf eine breite Unterstützung in der britischen Bevölkerung bauen. Bei einer Umfrage, die die Versicherer in Auftrag gegeben hatten, sprachen sich 67 Prozent für eine Gesetzesverschärfung aus.

Schätzungen zufolge gibt es im Königreich rund 800 illegale Schrottplätze. Wenn diese Zahlen stimmen, wären das genauso viele wie genehmigte Plätze. In einem Pilotprojekt in Nordengland hatten sich 240 Schrottplätze bereit erklärt, die Identität von Metallverkäufern zu überprüfen und festzuhalten. Der Test wurde positiv aufgenommen. Selbst der Industrieverband, die British Metals Recycling Association, lehnt die Gesetzesänderung nicht grundsätzlich ab.

Lediglich die Verpflichtung, keine Barauszahlungen beim Metallankauf mehr zu tätigen, stößt auf Kritik. Der Verband befürchtet, dass dies den Schwarzmarkt noch befeuern könnte, da viele Kunden auf Barzahlungen bestehen würden.

Christiane Link

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