29.09.2012

Hospiz Stiftung will keine Hospiz Stiftung mehr sein Sprachrohr für Schwerstkranke

Eugen Brysch ist ein Lobbyist, wie er im Buche steht. Allerdings wirbt der 50-Jährige auf den politischen Fluren in Berlin und Brüssel nicht für Wirtschafts- oder Arbeitnehmerinteressen, sondern für die Rechte der Pflegebedürftigen, Schwerstkranken und Sterbenden. Und das bald unter neuem Namen.

Ob beim Organspende-Skandal oder bei der Debatte um die Sterbehilfe. Ob beim Streit um Noten für Pflegeheime oder bei der Diskussion um Fachkräftemangel in der Pflege: Der 1962 im oberschlesischen Königshütte geborene Brysch verfügt meist über interne Papiere und liefert zeitnah druckreife Pressestatements. Und kämpft, mal lautstark protestierend, mal leise mit dem Florett fechtend, gegen eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, eine schleichende Kommerzialisierung von Suizidbeihilfe oder für eine flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung.

Der Politikwissenschaftler Brysch, der nach journalistischer Tätigkeit bei Deutschlandfunk und Deutscher Welle seit 1990 im Bereich Medien bei den Maltesern tätig war, ist seit dem Gründungsjahr 1995 Geschäftsführer und Geschäftsführender Vorstand der "Deutschen Hospiz Stiftung". In wenigen Wochen allerdings muss er zum wiederholten Mal neue Visitenkarten drucken lassen: Der Name seiner Organisation ändert sich zum zweiten Mal in ihrer kurzen Geschichte.

Gegründet 1995 durch den Malteserorden, benannte sich die "Deutsche Hospiz Stiftung" mit Sitz in Dortmund 2009 in "Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung" um. Künftig soll aber "Deutsche Stiftung Patientenschutz" auf dem Firmenschild stehen.

Verwechslung vermeiden
Die Umbenennung hat ihre Logik: Bei der Gründung wollten die Initiatoren vor allem die Hospiz-Idee in Deutschland fördern und dazu auch Fördermittel zur Verfügung stellen. Allerdings: Die ständig wachsende Zahl der Hospize und Palliativstationen in Deutschland hatte sich bereits 1992 in der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, dem heutigen "Deutschen Hospiz- und PalliativVerband" zusammengeschlossen. Dort sah man die öffentlichwirksamen Aktivitäten der Hospiz Stiftung durchaus mit Unwillen.

Mittlerweile hat die Stiftung die finanzielle Förderung der Hospize eingestellt, auch weil die Krankenkassen die Finanzierung ausgeweitet haben. "Mit dem neuen Namen soll eine Verwechslung mit den Leistungsanbietern Hospiz und mit den 200 Hospizstiftungen in Deutschland verhindert werden", heißt es denn auch zur Begründung bei der Patientenschutzorganisation. "Wir setzen uns aber auch weiterhin für schwerstkranke, pflegebedürftige und sterbende Menschen ein", erläutert Stiftungsratsvorsitzender Harald Schliemann. Es gehe darum, diesen Menschen eine Stimme zu geben und ihre Anliegen gegenüber Leistungserbringern und Kostenträgern zu vertreten.

Selbstständigkeit sichern
Neben der politischen Lobbyarbeit bietet die Patientenschutzorganisation konkreten Service für Patienten: 1997 startete das bundesweite Patientenschutztelefon, ein Service, den im vergangenen Jahr rund 27.000 Bürger nutzten. Experten überprüfen Pflegeverträge auf Fallstricke, beraten bei der Erstellung von Patientenverfügungen und gehen Hinweisen auf Pflegemissstände nach.

Darüber hinaus hält die Stiftung umfangreiches Informationsmaterial bereit: Adressen von ambulanten Hospizdiensten, stationären Hospizen, Palliativstationen und Schmerztherapeuten. Außerdem wurde ein Bundeszentralregister "Willenserklärung" eingerichtet, ein deutschlandweites Registrierungssystem für Dokumente wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmachten. Bei einer Schiedsstelle können sich Angehörige und Ärzte bei Konflikten rund um die Patientenverfügung gebührenfrei Rat holen.

Bei alledem will die Stiftung ihre Selbstständigkeit bewahren und verzichtet deshalb auf öffentliche Gelder. Bei der Gründung sorgte der Malteserorden noch für eine Anschubfinanzierung. Heute finanziert sich die Stiftung ausschließlich aus Zinsen ihres Vermögens, Spenden und Beiträgen von mehr als 55.000 Mitgliedern und Förderern. Der Jahresabschluss 2011 weist insgesamt Einnahmen von 2,76 Millionen Euro aus, davon 1,16 Millionen Euro aus Mitgliedsbeiträgen.

Christoph Arens