06.09.2012

Kirche und Staat begehen 50 Jahre Entwicklungszusammenarbeit Gemeinsam für die Armen

Seit dem Jahre 1962 existiert zwischen der Bundesregierung, der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland eine entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Heute feiern das Bundesentwicklungsministerium und die kirchlichen Zentralstellen für Entwicklungshilfe in Bonn ihre 50-jährige Kooperation. Vor dem Festakt steht ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Programm.

Seit 50 Jahren arbeiten Staat und Kirche bei der Entwicklungshilfe zusammen. Wann die Kooperation aber genau begann, in schwer festzulegen. Ein möglicher Termin wäre der 3. Mai 1961. Damals beschloss das Kabinett Konrad Adenauer (CDU), den Kirchen 100 Millionen Mark für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen.

"Bevor jeder Pater einzeln zu mir kommt, regele ich das mit den Kirchen lieber anders", meinte der rheinische Katholik. Die Kabinettsvorlage trug dann der parlamentarische Staatssekretär im Außenamt, Karl Carstens, vor. Sein Amtsnachfolger als Bundespräsident, Joachim Gauck, wird am Donnerstag gemeinsam mit den Spitzen der Kirchen und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle das 50-jährige Bestehen der Kooperation feiern, die 1962 in Gang kam.

Die Kooperation ist nach Niebels Einschätzung weiter "sehr eng und intensiv". Die gegenseitige Ergänzung gehört zum Markenzeichen deutscher Entwicklungszusammenarbeit. So standen kirchliche Hilfswerke auch Pate, als das Entwicklungsministerium (BMZ) aus der Taufe gehoben wurde. Sie hatten über ihre Missionsarbeit Erfahrung im Aufbau von Ausbildungseinrichtungen, Krankenhäusern und Sozialstationen.

Der Vertrauensvorschuss bei der Zusammenarbeit hält bis heute an. "Deshalb hat sie in den vergangenen Jahrzehnten auch keine Regierung infragegestellt", betont Niebel. Immerhin konnten die Kirchen mit insgesamt 6,2 Milliarden Euro an staatlichen Zuschüssen knapp 20.000 Projekte fördern. Der Etat wuchs stetig. In diesem Jahr erhalten sie jeweils 108 Millionen Euro.

Keine politischen Auflagen
Dabei entscheiden sie autark über die Verwendung. "Mit der Vergabe der finanziellen Mittel sind keine politischen Auflagen verbunden", heißt es in den Förderrichtlinien des BMZ. Nur eine Bedingung gilt: Missionierungszwecke sind ausgeschlossen. Dies ist für beide Seiten wesentlich. Die Kirchen entscheiden in eigener Regie über Förderprojekte. Für die Verwendung der Gelder legen die 1962 gegründete katholische und evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe Rechenschaft ab. Sie verteilen die Gelder etwa an "Brot für die Welt", "Misereor", "Caritas international" oder "Renovabis".

Der Misereor-Geschäftsführer für internationale Zusammenarbeit, Martin Bröckelmann-Simon, bestätigt die "respektvolle Zusammenarbeit". Die Arbeitsbeziehungen seien nicht nur "offen und fair", auch "andere Einschätzungen werden angehört und ernst genommen". Das gilt etwa bei der Kritik an Rüstungsexporten bis hin zu Fragen der Entschuldung der ärmsten Länder. Als "Stimme für die Armen und Benachteiligten gehört es auch zu unserer Aufgabe, der Politik ins Gewissen zu reden", bestätigt Prälat Karl Jüsten, der die katholische Zentralstelle leitet. Für die Kirchen ist das eine Frage der Glaubwürdigkeit. "Unsere Unabhängigkeit erlaubt uns, Notleidende auch dort zu erreichen, wo staatliche Zusammenarbeit an Grenzen stößt: ob in Mali, Simbabwe oder Nordkorea", so Jüsten.

Das BMZ schätzt die weltweite Vernetzung der Kirchen. Ausgangpunkt aller Hilfen sind die Bedürfnisse und Anträge der kirchlichen Partner. "Wir führen selbst keine Projekte durch", so Bröckelmann-Simon von Misereor. "Die Verantwortung liegt in den Händen unser 2.500 Partner vor Ort". Diese kümmern sich etwa um Straßenkinder in Kirgistan oder minderjährige Gefangene auf den Philippinen, sie unterstützen Minenarbeiter in Peru oder Slumbewohner in Kenia. Ein weiterer Vorteil dieser Form der Hilfe:
Die Verwaltungskosten bleiben gering.

Entscheidend für Bröckelmann-Simon ist schließlich die Motivation - also "die besondere Kraftquelle unserer Spiritualität". Für Jüsten steht dies nicht im Widerspruch zu der vom Staat verlangten Neutralität. "Unsere christliche Überzeugung verlangt von uns, unsere Hilfe nicht von der Zugehörigkeit zur Religion, Ethnie, Nationalität oder der politischen Opportunität abhängig zu machen.
Die Liebe Gottes gilt allen Menschen gleichermaßen. Wenn es eine Bevorzugung gibt, dann jene der Armen."

Christoph Scholz

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