05.09.2012

Prominente Christen mit einem Appell zur Kircheneinheit Ökumene statt interkonfessionelles Niemandsland

Ob Norbert Lammert oder Wolfgang Thierse - Prominente Christen rufen zu mehr Ökumene auf. "Wir appellieren an die Kirchenleitungen, die tatsächlichen Entwicklungen in den Gemeinden vor Ort so zu begleiten, dass die Ökumene nicht in ein Niemandsland zwischen den Konfessionen abwandert, sondern die Trennung unserer Kirchen überwindet." In einer ersten Reaktion warnt Erzbischof Zollitsch: Eine volle sichtbare Einheit der Kirche sei nicht absehbar.

"Wir sind dankbar und unterstützen es nachhaltig, wenn Christen und wenn die Gemeinden vor Ort lebendige ökumenische Beziehungen unterhalten, die ohne Zweifel eine große geistliche Fruchtbarkeit entfalten können", betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn. Eine Überwindung der Kirchenspaltung sei jedoch nicht ohne eine solide theologische Verständigung möglich. "Es waren ja nicht primär politische Faktoren, die die Reformatoren zu ihren Neuerungen führten und deren Fortfall die Kirchenspaltung obsolet machen würde. Es waren vor allem theologische Gründe - und erst nachrangig politische Ursachen -, die schlussendlich zur Kirchenspaltung geführt haben", betonte Zollitsch.

Dennoch sei aus katholischer Sicht der ökumenische Dialog unverzichtbar. Das Zweite Vatikanische Konzil habe unmissverständlich erklärt, dass der Weg der Kirche im Sinne Jesu ein Weg sein muss, der zur Einheit führt, die "auch sichtbar Gestalt" gewinnt. "Eine gegenseitige Anerkennung der Kirchen ist tatsächlich zu wenig", so Zollitsch. Als einen großen Fortschritt der bisherigen Ökumenebemühungen nannte er jedoch die gegenseitige Anerkennung der Taufe.

Appell richtet sich auch an Gemeinden
Die prominenten Unterzeichner des Appells wandten sich auch an die Gemeinden mit ihrer Forderung, die Ökumene weiter voran zu treiben. Sie sollten kirchliches Leben miteinander gestalten, Räume gemeinsam zu nutzen und eine organisatorische Einheit anstreben. Das am Mittwoch in Berlin vorgestellte Dokument trägt den Titel "Ökumene jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche". Zu den mehr als 20 Erstunterzeichnern zählen der Fernsehmoderator Günther Jauch, der Schriftsteller Arnold Stadler, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, die SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier und Wolfgang Thierse sowie die CDU-Politiker Norbert Lammert und Thomas de Maizière.

"Dokument unserer Ungeduld"
Nach Angaben der Initiatoren soll mit der Aktion "Ökumene jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche" der Unzufriedenheit an der Kirchenbasis über verkrustete Kirchenstrukturen mehr Gehör verschafft werden. Anlass des Appells seien der 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober und die 500-Jahr-Feier der Reformation im Jahr 2017. Bundestagsvizepräsident Thierse, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, nannte den Text ein "Dokument unserer Ungeduld."

Bundestagspräsident Norbert Lammert rief katholische und evangelische Christen zu mehr Eigeninitiative in der Ökumene auf. Er habe den Eindruck, dass "viele Gläubige heute weiter sind als manche Theologen", , sagte der katholische CDU-Politiker der Wochenzeitung "Die Zeit".

Mazière: gnädiger Umgang mit gemischt konfessionellen Ehen
Der in der evangelischen Kirche engagierte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) forderte: "Wir werden auf der Welt eher weniger Christen, da sollten wir institutionell zusammenstehen." Er wünsche sich zudem einen gnädigeren Umgang mit gemischt konfessionellen Ehen und mit Geschiedenen", fügte de Maizière in der "Zeit" laut Vorabbericht vom Dienstag hinzu.

Zwar gebe es Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten, heißt es in dem Aufruf "Ökumene jetzt", den die "Zeit" in ihrer kommenden Ausgabe veröffentlicht: "Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen." In beiden Kirchen sei die "Sehnsucht nach Einheit groß", heißt es in dem Dokument, das auch dem epd vorliegt. Die Folgen der Spaltung würden im Alltag von Christen "schmerzlich empfunden". Die Kirchenspaltung sei heute "politisch weder gewollt noch begründet".

Lammert hatte sich am Montagabend bereits bei einer Veranstaltung in der katholischen Kirchengemeinde Maria Gnaden in Berlin-Hermsdorf. "Als Christen im Land der Reformation stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, den gemeinsamen Glauben auch in einer gemeinsamen Kirche zu leben", betonte Lammert. Zu den Unterzeichnern zählen auch der Fernsehmoderator Günther Jauch, der Büchner-Preisträger Arnold Stadler und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach.

ZdK begrüßt den Aufruf
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken begrüßt den Aufruf prominenter Christen für Fortschritte in der Ökumene. "Nur wenn wir als Christen eins sind, werden wir in der Welt glaubwürdig sein", sagte der Präsident des Zentralkomitees, Alois Glück, am Mittwoch in Bonn. Auch wenn die Einheit der Kirchen letztlich ein Geschenk Gottes sei, müsse alles menschlich Mögliche unternommen werden, diesem Ziel durch eigene Anstrengungen näher zu kommen. Im Land der Reformation müssten die Kirchen Vorreiter sein für einen zukunftsweisenden Stil des Miteinanders, warb Glück.

Die Grünen-Politikerin und Präses der Synode der evangelischen Kirche, Katrin Göring-Eckardt, reagierte zurückhaltend. Es sei gut, dass in der Öffentlichkeit stehende Menschen eine große Sehnsucht nach "einem Mehr an Gemeinsamkeit" haben, schrieb sie in der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Es müsse aber auch immer wieder daran erinnert werden, was in den vergangenen 60 Jahren ökumenisch erreicht wurde, fügte sie hinzu und plädierte für mehr Gelassenheit in der Ökumene.

Internet-Blog will Politik aus christlicher Sicht begleiten
Bundestagspräsident Lammert gehört auch zu den Herausgebern eines neuen Internet-Blogs, mit dem politisch engagierte Christen in die Debatten in Staat und Gesellschaft eingreifen wollen. Zu den prominenten Herausgebern gehören auch die früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, Dieter Althaus und Bernhard Vogel (CDU) sowie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und CSU-Politiker Alois Glück. Sprecher des Herausgeberkreises ist der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg (CDU), der auch dem Hauptausschuss des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken angehört. "Wir haben uns zu der Internet-Initiative www.kreuz-und-quer.de zusammengefunden, um in Staat und Gesellschaft das politische Engagement der Christen zu stärken und unsere Welt aus christlicher Verantwortung und Überzeugung politisch mitzugestalten", sagte er.

Zum Herausgeberkreis gehören auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan, der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering sowie die Parlamentarischen Staatssekretäre Thomas Rachel, Christian Schmidt und Hermann Kues. Die Redaktion besteht aus dem CDU-Politiker Stephan Eisel (Sprecher), dem Jesuitenpater Klaus Mertes und Pfarrer Gerald Hagmann.

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