05.09.2012

Erzbischof Robert Zollitsch über den Stand der Ökumene "Ein vordringliches Anliegen der katholischen Kirche"

"Ökumene ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden", sagt Erzbischof Robert Zollitsch. Dass es dennoch viel Handlungsbedarf gibt und wie die christlichen Kirchen in Deutschland in Zukunft zusammenleben sollten, schreibt Zollitsch in einer Festschrift zum 65. Geburtstag von Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der Erfolg der ökumenischen Bewegung in den letzten 50 Jahren habe allerdings zu wachsender Ungeduld geführt, meint Zollitsch. Es gebe Fragen, die immer fordernder gestellt würden: "Wie steht es um den Kommunionsempfang in konfessionsverschiedenen Ehen und Familien? Warum gibt es keine Bemühungen um eine verbesserte gemeinsame ökumenische Übersetzung der Heiligen Schrift?" Zollitsch baut zur Beantwortung dieser Fragen auf ökumenische Dialoge:  "Ökumenische Dialoge bauen Missverständnisse und Vorurteile ab und machen dadurch das Ausmaß der gegenseitigen Übereinstimmung deutlich." Besonders zu würdigen sei in dem Zusammenhang die wechselseitige Taufanerkennung, die die meisten Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen 2007 in Magdeburg unterschrieben haben. Es gelte nun, die Frage zu verfolgen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, "damit es nicht bei einer rein formalen Anerkennung bleibt", schreibt Zollitsch.
Besonders drängende Frage sei auch die Bewertung von konfessionsverbindenden Ehen, die inzwischen absolut keinen Sonderfall mehr darstellen. Er stellt diese Frage auch mit Blick auf die Zulassung zur Eucharistie: "Ich bin mir bewusst, dass wir als Bischöfe hier mit Rücksicht gegenüber dem Sakrament der Eucharistie wie auch gegenüber der Sehnsucht vieler Christen, die in solchen Ehen leben, in einer besonderen pastoralen Verantwortung stehen", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Ein fester Bestand ökumenischer Gemeinsamkeiten Dann wirft Zollitsch den Blick auf die Ebene der Gemeinden: Hier gebe es bereits einen festen Bestand ökumenischer Gemeinsamkeiten im geistlichen wie im diakonischen Bereich. Als bekannte und bewährte Formen des ökumenischen Zusammenlebens nennt er die jährliche Gebetswoche für die Einheit der Christen und den Weltgebetstag für Frauen. Es gebe aber auch viele neue Entwicklungen: Pilgerwege und Wallfahrten sind als gemeinsame ökumenische Möglichkeiten neu entdeckt worden. "Auch Übungen wie Einkehrtage oder Exerzitien, die lange Zeit als typisch katholisch galten, werden von den anderen christlichen Kirchen wahrgenommen und in ihrem geistlichen Potenzial akzeptiert", so Zollitsch. "Auch neue diakonische Initiativen wie etwa Hospize oder Tafeln werden häufig ökumenisch betrieben."
Im Jahr 2017 ist Reformationsjubiläum: "Dass dieses Datum von den Kirchen auch ökumenisch begangen werden soll, ist unumstritten", schreibt Zollitsch. Die Herausforderung werde darin liegen, die Reformation nicht nur als kulturelles und gesellschaftliches Geschehen wahrzunehmen sondern nach deren Relevanz für die christlichen Kirchen in ihrer gesamten Breite zu fragen. Entscheidender Schritt wäre, gemeinsam festzuhalten, dass Reformation sowohl Aufbruch, Erneuerung des christlichen Lebens als auch Spaltung der abendländischen Kirche bedeutet. "Ich würde mich freuen, wenn das Reformationsgedenken 2017 zu einem Fest des christlichen Glaubens würde, das wir gemeinsam begehen und das ansteckend wirkt auf die, die unseren Glauben nicht teilen", sagt Zollitsch. Ehrlicherweise müssten sich die Kirchen dabei auch der Frage stellen, inwieweit sie in der Vergangenheit einander Unrecht angetan und Verwundungen zugefügt haben.
"Für die Qualität des ökumenischen Miteinanders in Deutschland dürfen wir dankbar sein", sagt er. Trotz aller Probleme gelte es, das Erreichte zu bewahren und mit Beharrlichkeit an der Weiterentwicklung der ökumenischen Beziehungen zu arbeiten - in den Gemeinden wie auch auf der Ebene der Leitung. "Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz stehe ich dafür ein, dass die Ökumene auch künftig ein vordringliches Anliegen der katholischen Kirche in Deutschland bleibt", so Zollitsch abschließend.

Hinweis
"Glaube und Verantwortung"
Eine Festschrift für Präses Nikolaus Schneider

Henriette Jedicke

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