12.08.2012

Zwei Jahre nach der Neißeflut wird das Kloster Sankt Marienthal noch restauriert Weiter im Baulärm

Statt Gebet oder Gesang ist der Schlagbohrer zu hören: Die Klosterkirche von Sankt Marienthal im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien gleicht derzeit mehr einer Baustelle als einem Ort, an dem Gottes Wort verkündet wird.

Zwei Jahre nach der Neißeflut vom 7. August 2010 werden nach wie vor Wasserschäden an Deutschlands traditionsreichster Zisterzienserinnenabtei beseitigt. "Der Alltag ist wieder eingekehrt, aber noch immer erleben wir Einschränkungen und Belastungen", bilanziert Kloster-Priorin Elisabeth Vaterodt. Die Kirche des Konvents ist voraussichtlich erst im kommenden Jahr restauriert, ebenso sind Räume im Erdgeschoss der barocken Klosteranlage weiterhin nicht nutzbar, darunter das Refektorium und der Kapitelsaal.

Im bereits sanierten Kreuzgang macht sich erneut der Schimmel bemerkbar. Nach sturzflutartigen Regenfällen stand das Klostergelände vor zwei Jahren bis zu zwei Meter unter Wasser. Die Schäden beliefen sich allein für die 778 Jahre alte Abtei auf bis zu 14 Millionen Euro, für das auf seinem Areal gelegene Internationale Begegnungszentrum Sankt Marienthal auf weitere 3,5 Millionen Euro.

Mit Hilfe von Bundes- und Landesmitteln, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie vieler privater Spender lief die Sanierung an. So erhält das Kloster rund 10 Millionen Euro aus öffentlichen Töpfen, den Rest muss es aus Eigenmitteln und Spenden finanzieren. Die letzten beiden Jahre waren für die 15 Schwestern eine "anspannende Zeit", wie Priorin Vaterodt berichtet. "Wir sind noch weit vom richtigen Leben entfernt." In vielen Räumen des Klosters musste der Putz abgeschlagen werden, Bautrockner sind bis heute in Betrieb, um die Mauern zu entfeuchten. Die Bäckerei und die Wäscherei des Klosters sind aber wieder in Betrieb.

"Noch schöner als zuvor"
Es war in der Nacht zum 7. August 2010, als die Neiße, der normalerweise ruhige Grenzfluss zu Polen, die vorsorglich errichteten mobilen Flutschutzbarrieren des Klosters überstieg und die bisherige Rekordmarke von 1897 um 20 Zentimeter überbot. Die 150 Gäste des Internationalen Begegnungszentrums wurden evakuiert, die Schwestern trotzten dagegen mehreren behördlichen Räumungsbefehlen und harrten im ersten Stock des Klosters aus.

"Es ist mir, als ob es gestern war", sagt Elisabeth Vaterodt. Trotz der weiterhin lärmenden Baumaßnahmen sind die Zisterzienserinnen von Sankt Marienthal zuversichtlich, wie die Priorin zugleich betont. "Das Kloster wird so schön oder noch schöner als zuvor", ist sie sich sicher. Weil die Beseitigung der Flutschäden nicht nur eine reine Instandsetzung, sondern auch Modernisierung sei, werde sich das Kloster "qualitativ nachhaltig verbessern".

So werden in manche Räume nun Wandtemperierer integriert, die das Gemäuer auch künftig trocken halten sollen. Auch wird die noch in diesem Jahr wieder ans Netz gehende Wasserkraftanlage mehr Strom produzieren als zuvor. "Es bedarf der Geduld", spricht die Priorin sich und ihren Mitschwestern Mut zu.

Markus Nowak