09.07.2012 - 10:15

Die Situation der Christen in Indonesien verschlechtert sich zunehmend Gottesdienste auf Bürgersteigen

In Indonesien steht ein Christ rund neun Muslimen gegenüber. Doch das bisherige friedliche Miteinander der Religionen löst sich langsam auf, sagt Daniel Apolinarski. Im domradio.de-Interview spricht er über die schwieriger werdende Arbeit von Caritas-International vor Ort.

domradio.de: Wie ist es um die religiöse Toleranz in Indonesien bestellt?
Apolinarski: Die religiöse Toleranz in Indonesien ist auch nach neuesten Erhebungen von indonesischen Menschenrechtsorganisationen auf einem absteigenden Ast: Laut einer aktuellen Studie haben zwei von drei Indonesiern ein Problem damit, wenn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft eine Kirche oder ein christliches Gebäude errichtet wird. Das ist eine negative Entwicklung der vergangenen Jahre.

domradio.de: Wie bemerken Sie als Caritas diese Probleme in Indonesien?
Apolinarski: Die Caritas hat im Wesentlichen drei Standorte, wo wir vor allen Dingen mit den dortigen Caritasorganisationen zusammenarbeiten, u.a. in einer Region mit einem über 90prozentigen Katholikenanteil. Dort haben wir keine Probleme. Anders als auf der Insel Java.

domradio.de: Welche Probleme genau?
Apolinarski: Das Absperren von Kirchen durch die Behörden wegen angeblich fehlender Baugenehmigungen ist eines. In Indonesien muss der Großteil einer Nachbarschaft einverstanden sein, wenn ein religiöses Gebäude errichtet wird; das führt dazu, dass christliche Kirchen oder buddhistische Tempel diese Genehmigung nie erhalten. Werden sie dennoch errichtet, gibt es wie seit Monaten schon bei Jakarta Streit um eine protestantische Freikirche. Die Gemeinde hat eine Baugenehmigung, mittlerweile hat die Zentralregierung auch die Stadtregierung angewiesen, die Kirche zu öffnen - doch dem wird nicht nachgekommen. Seit Monaten halten die deshalb ihre Gottesdienste auf Bürgersteigen ab - werden dabei noch von radikal-muslimischen Gruppen mit Messern und Flaschen angegriffen. Für uns heißt das: Aus manchem Projekt muss sich die Caritas zurückziehen.

domradio.de: Welche Punkte sollte Angela Merkel bei ihrem Besuch ansprechen?
Apolinarski: Es muss das eindeutige Signal gesetzt werden, dass auch gegenüber radikalen, kleinen Minderheitengruppen härter durchgegriffen wird. Die Gesetzt gibt es seit Jahrzehnten.  

Das Gespräch führte Monika Weiß.