26.06.2012

Kein Frieden in Tibet in Sicht Zwischen Zweifel und Verzweiflung

Die Fronten zwischen Peking und den Tibetern verhärten immer mehr. Doch der Wall chinesischer Herrschaft zeigt kleine Risse: Lokale Kader, die mit dem Dalai Lama sympathisieren.

So hat er sich den Protest seines Volkes nicht vorgestellt. Die Selbstverbrennung junger Tibeter haben den Dalai Lama tief erschüttert. Der 76-jährige Friedensnobelpreisträger fühlt sich verantwortlich. Das treibt das geistige Oberhaupt der tibetischen Buddhisten an, trotz angeschlagener Gesundheit um die Welt zu Reisen und um Hilfe zu bitten. China reagiert zunehmend gereizt.

Die über Jahrzehnte andauernde Protestbewegung am Dach der Welt ist in eine Welle von Selbstverbrennungen gemündet. Seit Februar 2009 haben 40 meist junge Mönche und Nonnen ihre Körper in Brand gesetzt. Ende Mai erreichten diese Proteste erstmals Lhasa, die Hauptstadt der autonomen Region Tibet. Zwei Mönche entzündeten sich vor dem Jokhang-Tempel im Zentrum der Altstadt. Die Protestierenden forderten Freiheit und für ihre Landsleute sowie die Rückkehr des seit 1959 im indischen Exil lebenden Dalai Lamas.

Rund zwei Millionen Tibeter wohnen in der autonomen Region Tibet. Vier Millionen siedeln in den chinesischen Westprovinzen Gansu, Sichuan, Yunnan und Qinghai. Der Dalai Lama, der seine Landsleute immer wieder zu gewaltfreiem Widerstand ermutigt, fordert größere innenpolitische Autonomie für alle tibetischen Siedlungsgebiete. Peking lehnt solche Veränderungen als "Eingriff in die territoriale Integrität" ab.

Totale Verzweiflung
Die Selbstverbrennungen verdeutlichen den Grad der Verzweiflung der Tibeter. "Sie sind das Ergebnis täglicher Demütigung und nicht tolerierbarer Forderungen nach Anpassung und Gehorsam", schrieb der in Kanada lebende Tibetwissenschaftler Tsering Shakya jüngst in einem Aufsatz. Im Rahmen von "Erziehungskampagnen" zwingen permanent in den Klöstern angesiedelte Funktionäre die Geistlichen zum Studium der Parteidoktrin und zur Huldigung von aufgehängten Porträts der chinesischen Führung. Neue Regularien schränken die Bewegungsfreiheit der Mönche und Nonnen ein und unterbinden Kontakte zwischen einzelnen Klöstern.

Die zunehmende Repression zeigt die wachsende Unsicherheit der chinesischen Behörden. Denn nicht nur der tibetische Widerstand macht Peking zu schaffen, sondern auch ein offensichtlich steigender Mangel an Loyalität in den eigenen Reihen. So berichtete Ende Mai die "Tibet-Tageszeitung", das Organ der Kommunistischen Partei in der autonomen Region, von "offen zur Schau gestellten Sympathie" für den Dalai Lama von lokalen Kadern. Seit Februar hat die chinesische Regierung 19 tibetische und chinesische Parteifunktionäre in der Region von ihren Posten entfernt.

Weitere Eskalation ist zu befürchten
Im tibetischen Exil sind diejenigen Stimmen, die eine Abkehr vom versuchten Dialog mit Peking fordern, lauter geworden. Die erfahrenen Chefunterhändler des Dalai Lama sind Anfang Juni zurückgetreten. Sie äußerten sich "frustriert" über die Verschlechterung der Lage in Tibet und den Stillstand der Gespräche mit China. Der 2002 begonnene Dialog war im Januar 2010 wegen ausbleibender Verständigung erneut auf Eis gelegt worden.

Lobsang Sangay, Premierminister der tibetischen Exilregierung im indischen Dharamsala, mahnte in Anbetracht von "destabilisierenden, feindlichen Kräften" zur Einheit innerhalb der tibetischen Gemeinschaft. Sangay weiß, dass eine Spaltung der tibetischen Gemeinschaft die Protestbewegung schwächen könnte. Immer mehr vor allem junge Tibeter rufen zu radikalerem, auch gewalttätigem Widerstand auf. Niemand verfügt derzeit über die einende Autorität des bald 77-jährigen Dalai Lama. Viele fürchten sich vor der Zeit nach seinem Tod.

Die Bestimmung und Anerkennung des nächsten, dann 15. Dalai Lama, könnten zudem eine weitere Eskalation des Tibet-Konflikts hervorrufen. Peking kündigte bereits an, die laut chinesischem Gesetz verpflichtende offizielle Anerkennung eines neuen Dalai Lama zu verweigern, falls dieser von tibetischen Geistlichen außerhalb Chinas gefunden wird.

Kristin Kupfer

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