09.05.2012

Sechs Fragen und Antworten zur Nahrungsmittelspekulation Virtuelle Bewegungen

Die Hilfsorganisation Oxfam Deutschland wirft der deutschen Finanzbranche vor, durch Spekulation mit Nahrungsmitteln den weltweiten Hunger zu verschärfen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen kurzen Überblick über die Debatte.

Was bedeutet Spekulation mit Nahrungsmitteln?
Nach Darstellung der Hilfsorganisation Oxfam sind in den vergangenen Jahren die Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten zwei Mal krisenhaft in die Höhe geschossen. Immer häufiger kommt es zu großen Preisschwankungen. Zugleich haben Spekulationen mit Agrarrohstoffen - oft Grundnahrungsmittel, wie etwa Mais und Weizen - nach Angaben des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor stark zugenommen: Im Mai 2011 wurde mit 350 Millionen Tonnen Weizen allein am Handelsplatz Chicago mehr als die Hälfte der globalen Weizenproduktion dieses Jahres virtuell bewegt. Nach Angaben der Hilfswerke gibt es einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Spekulation und den Preissprünge. Beides trage damit zur globalen Nahrungsmittelkrisen bei.

Gibt es dazu auch Widerspruch?
Banken und Versicherungskonzerne ziehen diesen Zusammenhang in Zweifel. Sie machen die wachsende Weltbevölkerung und die steigende Nachfrage nach Energiepflanzen für die immer wieder einsetzenden Preisschübe verantwortlich. Experten verweisen zudem darauf, dass steigende Nahrungsmittelpreise langfristig auch positiv für die Produzenten in den Entwicklungsländern sein können.

Was geschieht an den Börsen?
Agrarrohstoffe - und damit auch Lebensmittel - sind Renditeobjekte geworden. Schon lange sichern sich Produzenten und Agrarhändler gegen Preisschwankungen ab, indem sie frühzeitig Verträge über zukünftige Warenlieferungen vereinbaren. Diese sogenannten Futures werden von Anlegern wie Banken, Hedgefonds, Pensions- und Staatsfonds aber auch genutzt, indem sie auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise wetten, in der Hoffnung, schnell hohe Gewinne zu erzielen.

Welche Auswirkungen haben steigende Nahrungsmittelpreise?
Laut Misereor stiegen um den Jahreswechsel 2010/2011 die Lebensmittelpreise weltweit drastisch an: um 57 Prozent für Getreide, 56 Prozent für pflanzliche Öle und Fette und 77 Prozent für Zucker. Die Preise für Weizen, Mais und Soja hätten dabei ihre Höchststände während der vorigen Nahrungsmittelpreiskrise 2007/2008 noch einmal übertroffen. Damals gab es Hungerproteste in 61 Ländern.

Laut Misereor treffen steigende Preise vor allem die 2,9 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar täglich überleben müssen. "Arme Familien geben oft 50 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus. Steigende Preise sind für sie daher lebensbedrohlich!"

Welche Rolle spielen deutsche Unternehmen dabei?
Laut der Studie von Oxfam hielten deutsche Finanzinstitute 2011 ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von 68,8 Milliarden Euro, also rund 11 Milliarden Euro. Den Spitzenplatz nimmt demnach die Allianz ein: Im Jahr 2011 legte sie Berechnungen von Oxfam zufolge 6,24 Milliarden Euro direkt und indirekt in Nahrungsmitteln an. Auf Platz zwei folgte die Deutsche Bank mit 4,57 Milliarden Euro.

Wie reagieren die betroffenen Unternehmen auf die Vorwürfe?
Die Commerzbank hat sich bereits Ende vergangenen Jahres entschieden, keine neuen Finanzderivate auf die wichtigsten Grundnahrungsmittel herauszugeben. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass der Vorstand den Ausstieg aus Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln prüft.
Geschehen ist allerdings noch nichts. Im April hat die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, mitgeteilt, aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln auszusteigen. Die Allianz verteidigt sich demgegenüber: Für den weltweiten Hunger seien an erster Stelle das weltweite Bevölkerungswachstum, der wachsende Wohlstand, die zunehmende Nachfrage nach Biokraftstoffen, klimabedingte Ernteschäden, begrenzte Bewässerungsmöglichkeiten und Korruption verantwortlich.

Was lässt sich gegen die Spekulation mit Lebensmitteln tun?
Hilfsorganisationen fordern von der Bundesregierung und der EU, die Teilnahme von Investmentbanken, Hedgefonds und Pensionsfonds an Termingeschäften mit Agrarrohstoffen einzuschränken. Notwendig seien etwa Obergrenzen für Preise und für die Anzahl von Termingeschäften pro Investor.

Christoph Arens

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