Blutiger Anschlag auf Polizeikonvoi in Nigeria

Gewalt dauert an

Die Anschlagsserie im Norden Nigerias dauert an. Seit Sonntag starben Dutzende Menschen, zumeist Christen. Nigeria will sich nun mit Hilfe von Nachbarländern gegen die Attentate zu Wehr setzen, hinter denen Islamisten vermutet werden.

 (DR)

Nach einer neuen Anschlagsserie in Nigeria will das Land die Terrorgruppe Boko Haram mit Hilfe seiner Nachbarn bekämpfen.

Eine Schutztruppe mit Soldaten aus Nigeria, Kamerun, Niger, dem Tschad und der Zentralafrikanischen Republik soll gegen die Islamisten vorgehen, wie der französische Auslandssender RFI am Dienstag berichtete. Die Sekte müsse "ausgelöscht" werden, da sie die Stabilität der Region gefährde, erklärte der Präsident des Tschad, Idriss Deby Itno, während eines Gipfeltreffens in der Hauptstadt N"Djamena. Boko Haram wird für zahlreiche Anschläge in den vergangenen Tagen verantwortlich gemacht.



Am Montag tötete ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf einen Polizeikonvoi im Osten des Landes zehn Menschen. Zwar übernahm Boko Haram bislang keine Verantwortung dafür. Die Gruppe verübte in der Vergangenheit jedoch ähnliche Attentate. Auch zu den Anschlägen vom Sonntag auf Kirchen in Kano und Maiduguri im Norden Nigerias, bei denen mehr als 20 Menschen ums Leben kamen, meldete sich Boko Haram nicht. Für andere Angriffe auf Kirchen wie an Weihnachten übernahm die Gruppe, die Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Kaida hat, jedoch Verantwortung.



Mindestens 500 Todesopfer

Der Gewalt von Boko Haram fielen allein im vergangenen Jahr mindestens 500 Menschen zum Opfer. Bei den Angriffen in der Stadt Maiduguri wurden drei protestantische Christen nach dem Gottesdienst erschossen, darunter einen Pastor, wie nigerianische Zeitungen berichteten. Zudem starb in einer Kirche der kenianischen Hauptstadt Nairobi ein Mensch, als ein Täter eine Handgranate zündete. Auch der Anschlag auf Teilnehmer von Freiluftgottesdiensten am Sonntag in Kano, bei dem mindestens 17 Menschen starben, geht vermutlich auf das Konto der Gruppe.



Der Vatikan verurteilte die "schrecklichen und verabscheuungswürdigen Taten". Vatikansprecher Federico Lombardi bekundete die Solidarität der katholischen Kirche mit den Opfern und ihren Gemeinschaften. Er appellierte an die Bevölkerung, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit dem Teufelskreis eines tödlichen Hasses zu widerstehen.



   Die Truppe, mit denen die fünf afrikanischen Länder die radikal-islamische Gruppe bekämpfen wollen, wurde ursprünglich 1998 gegründet, um den Tschad-See zu schützen, war jedoch nie richtig im Einsatz. Die Anrainer des austrocknenden Tschad-Sees könnten angesichts der Bedrohung durch Boko Haram derzeit keine Maßnahmen zum Schutz des Gewässers ergreifen, betonte Deby Itno.