25.04.2012

Bundesregierung verabschiedet Demografiestrategie Verlassene Dörfer

Ausgestorbene Landstriche, auf dem Kopf stehende Alterspyramiden und hilflose Rentnerheere, die einen Generationenkrieg gegen eine überforderte Jugend führen. Wer sich mit dem demografischen Wandel befasst, landet schnell bei schwärzesten Zukunftsszenarien. Demgegenüber setzt die Bundesregierung auf eine langfristige Anpassung und plädiert in ihrer Demografiestrategie, die "Chancen der Schrumpfung" zu sehen.

Das Kabinett hat am Mittwoch die von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Zusammenarbeit mit anderen Ressorts erarbeitete Demografiestrategie verabschiedet. In dem 73-seitigen Papier werden Felder genannt, mit denen die Bundesrepublik auf eine zurückgehende und gleichzeitig alternde Bevölkerung reagieren will: die Stärkung der Familien etwa durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und lebenslanges Lernen, Schritte zu einem selbstbestimmten Leben im Alter, die Sicherung des Wohlstands, auch durch Zuzug ausländischer Fachkräfte, und die Erhaltung der staatlichen Handlungsfähigkeit durch die Begrenzung der Staatsverschuldung.

Einmal im Jahr soll es einen Demografiegipfel geben
Der demografische Wandel ist als großes Zukunftsthema angekommen. Für Friedrich ist die Verabschiedung der Demografiestrategie der Startschuss für eine langfristig angelegte Politik. Künftig soll es jedes Jahr einen Demografiegipfel geben, zum ersten Mal im Herbst.

Kritiker halten der Politik allerdings vor, viel zu spät zu reagieren. Seit vier Jahrzehnten hätten die Verantwortlichen Zeit gehabt, sich auf sinkende Bevölkerungszahlen und einen steigenden Anteil an älteren Menschen einzustellen, schreibt der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, am Mittwoch in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Die Demografiestrategie wertete Klingholz als ein "Sammelsurium disparater Maßnahmen", das die Knackpunkte ausspare. Etwa das Ausmaß des Rückgangs der erwerbsfähigen Bevölkerung oder auch die immensen Versorgungsverpflichtungen des Staates für Beamte und Soldaten. Auch bei der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte bleibe das Papier halbherzig: Das Land brauche einen starken Zustrom junger Eliten aus dem Ausland. Bislang gelte trotz aller gegenteiligen Beteuerungen immer noch das seit den 1970er Jahren existierende Prinzip einer sehr restriktiven Zuwanderungspolitik.

Fest steht, dass es Gewinner und Verlierer geben wird. Die Raumplaner etwa sind sicher: Die Bürger werden enger zusammenrücken und vor allem aus den Speckgürteln zurück in die Stadt ziehen. Dafür müssen Bushaltestellen und Fußgängerwege ausgebaut, mehr Parks geschaffen werden. In Metropolen wie Berlin, so schätzt das Statistische Bundesamt, wird im Jahr 2030 in knapp 60 Prozent der Haushalte nur noch eine Person wohnen. Die Quartiere müssen so gestaltet werden, dass soziale Kontakte entstehen können.

Radikale Vorschläge: Rückbau von Dörfern
Besonders brisant wird die Lage nach Darstellung von Friedrich auf dem Land, wo etwa Kommunen Schulen schließen müssten, Immobilienpreise verfielen und der Lehrstand wachse. Gerade ländliche Räume, hat auch das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2011 in einer Studie über "Die Zukunft der Dörfer" festgestellt, stehen unter Veränderungsdruck. Der demografische Wandel verstärke die Landflucht. Infrastruktur wie Leitungen für Wasser, Gas oder Telekommunikation oder Straßen und öffentliche Dienste seien für immer weniger Menschen kaum mehr zu finanzieren.

Die Vorschläge klingen radikal und schmerzhaft: Orte, in denen nur noch wenige ältere Bewohner zurückbleiben, sollten Programme entwickeln, um den Umzug der Betroffenen in größere Orte finanziell zu unterstützen. Um Ortsbilder attraktiv zu erhalten, schlagen die Wissenschaftler die Gründung eines Fonds vor, der "den Rückbau von Dörfern und den Abriss von Schrottimmobilien finanziert".

Christoph Arens

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.01.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Kardinal Schönborn wird 75
  • Pfarrer von Davos zum Weltwirtschaftsforum
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen in Berlin
  • Buchautor Dr. Martin Krengel über sein Buch "Dein Ziel ist im Weg"
  • Tag der Deutsch-Französischen Freundschaft
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen in Berlin
  • Buchautor Dr. Martin Krengel über sein Buch "Dein Ziel ist im Weg"
  • Tag der Deutsch-Französischen Freundschaft
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 100. Geburtstag von Chiara Lubich
  • Bücherplausch mit Margarete von Schwarzkopf zum Thema "Freunde"
  • Neues aus Kirche und Religion
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 100. Geburtstag von Chiara Lubich
  • Bücherplausch mit Margarete von Schwarzkopf zum Thema "Freunde"
  • Neues aus Kirche und Religion
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…