23.03.2012

Pirmin Spiegel wird neuer Chef von Misereor Zwischen Brasilien und der Pfalz

Er ist ein Priester, der sich in der Weltkirche ebenso auskennt wie in der Pfarrseelsorge in Deutschland: Der Pfälzer Pirmin Spiegel ist neuer Chef des weltweit größten katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor und damit Nachfolger von Josef Sayer.

Spiegel denkt sehr bewusst in der Perspektive der Globalisierung. Die Kirche sei auf dem Weg von einer "europäisch-abendländisch geprägten Kirche hin zu einer wirklichen Weltkirche", analysiert er. Weltweit tätige Orden, aber auch die Hilfswerke hätten einen intensiven Lernprozess durchgemacht, bis es ihnen möglich gewesen sei, "andere Kulturen in ihrer Andersartigkeit anzuerkennen und mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren". Weltkirche bedeute dabei nicht nur, überall die gleiche Liturgie vorzufinden, sondern auch, sich "die Erfahrung von Fremdheit zuzumuten".

Spiegel, der aus einer Bauernfamilie stammt und in Großfischlingen in der Pfalz aufwuchs, in Sankt Georgen Philosophie und Theologie studierte und 1986 zum Priester geweiht wurde, hat das bei drei längeren Brasilien-Aufenthalten am eigenen Leib erfahren. "In der herzlichen Kultur Südamerikas glauben und leben die Menschen mit allen Sinnen", berichtet er voller Begeisterung. Schon ein erster, sechsmonatiger Brasilien-Aufenthalt 1981 habe sein Denken geprägt.

Von 1990 bis 2003 wirkte der Priester des Bistums Speyer dann als Missionar im brasilianischen Maranhao und als Pfarrer im Bistum Bacabal - in einem Seelsorgebezirk von drei Pfarreien mit 67 Gemeinden. Für die Kirche in Deutschland, in der immer mehr Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengelegt werden, eine Möglichkeit zu lernen. "Wir spüren bereits jetzt deutlich, dass unsere traditionelle Gemeindepastoral an Grenzen stößt", analysiert er die Situation in der Bundesrepublik. "Unsere Kirche wird sich verändern, von einer eher in Pfarreien mit eigenem Priester organisierten Kirche ist eine Bewegung hin zu einer eher missionarischen Kirche zu erwarten. Dass die Verantwortung, Missionar zu sein, für alle Getauften gilt, wird dann wieder deutlicher."

"Zentrale Bedeutung werden Laien haben"
In Brasilien hat Spiegel nicht nur eine Reihe von Familien-Landwirtschaftsschulen mit begründet. Er war auch in der Aus- und Fortbildung von Laienmissionaren tätig. Anfang 2004 kehrte er ins Bistum Speyer zurück und wurde Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Blieskastel-Lautzkirchen. 2010 ging er erneut nach Brasilien, wo er - auf Bitten brasilianischer Bischöfe - seinen Dienst in der Ausbildung von Laienmissionaren fortsetzte.

Den Begriff "Mission" hält Spiegel für "erklärungsbedürftig". Es gehe da nicht um alte Vorstellungsmuster, die mit Beherrschung, Missbrauch und Zwang zu tun hätten. Auch nicht darum, dass sich die ganze Welt nach dem Modell westlicher Konsumgesellschaften zu entwickeln habe. "Im Gegenteil, es ist von großer Bedeutung, ernst zu nehmen, was Menschen wertvoll und heilig ist. Es ist wichtig, sich ihrer Lebenswelt, Kultur, ihren Bedürfnissen und existenziellen Fragen und Nöten wertschätzend zu stellen", so Spiegel.

Die "Option für die Armen" ist für den 54-Jährigen keine "Sache von gestern". Er verweist auf das Schlussdokument der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Aparecida 2007: "Alles, was mit Christus zu tun hat, hat mit den Armen zu tun, und alles, was mit den Armen zu tun hat, ruft nach Jesus Christus." Daraus ließen sich Prioritäten für das Handeln der Kirche auch in den reichen Ländern des Nordens herleiten. Ein "Kronzeuge" für die Ausrichtung seiner Arbeit ist für Spiegel der verstorbene Kardinal Aloisio Lorscheider: "Die künftige kirchliche Richtung gilt einer dienstbereiten und missionarischen Kirche", zitiert er ihn. "Zentrale Bedeutung werden Laien haben, die an der Basis leben, im täglichen Kontakt mit Menschen sind und an diesen Orten prägend wirken."

Christoph Arens

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