23.03.2012

Der Münchner Kardinal Marx wird Präsident der EU-Bischofskommission Ein neuer katholischer "Mister Europa"

Er ist der Multi-Tasker unter den deutschen Bischöfen: Wirtschafts- und Sozialexperte, Hochschulkanzler, Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz, seit Anfang März Berater in der Vatikanbehörde für die Ostkirchen. Nun erhielt der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine weitere internationale Aufgabe.

Die Frühjahrsvollversammlung der EU-Bischofskommission COMECE wählte ihn am Donnerstagabend in Brüssel zu ihrem neuen Präsidenten. Er wird darin Nachfolger des Niederländers Adrianus van Luyn (76). Auf dem Brüsseler Parkett ist Marx kein Unbekannter. Seit 2006 entsendet ihn die Deutsche Bischofskonferenz in die COMECE; seit 2009 ist er deren Vizepräsident. Erst im Februar präsentierte die Kommission eine unter seiner Leitung erarbeitete 26-seitige Stellungnahme. Darin wird die EU aufgefordert, das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu einer internationalen "Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft" weiterzuentwickeln. Ohne ein staatliches Eingreifen sei der freie Markt nicht in der Lage, bestimmte öffentliche Güter und Dienstleistungen etwa im Bereich von Gesundheit und Bildung so bereitzustellen, dass sie für jede Person zugänglich seien.

Europa ist für den Kardinal nicht nur ein Thema, wenn er in Brüssel ist. Und nicht erst seit der Schuldenkrise beschwört er in Vorträgen in Berlin nicht weniger lautstark als in seinen Predigten in München, dass die Seele Europas nicht der Euro sei. Als im Juli 2011 der große Europäer Otto von Habsburg starb, ließ es sich Marx nicht nehmen, das Pontifikalrequiem für den 98-jährigen Verstorbenen zu halten. Bei der Gelegenheit erinnerte der Erzbischof daran, dass Europa nicht zum Geldverdienen da sei, sondern eine "geistliche und geistige Berufung" habe.

Europa brauche eine "neue Fortschrittsidee", sagt Marx - doch was meint er damit? Zunächst einmal, dass jenseits der derzeitigen Notoperationen und Krisentreffen, überhaupt jenseits technischer und materieller Fragen, wieder Grundsätzliches auf die politische Agenda kommen müsse. Der Münchner Kardinal hält es für dringlich, im Sinne einer europäischen Identität an einer positiven Vision des Zusammenlebens der vielen Völker und Menschen auf dem Kontinent zu arbeiten. Menschenwürde, soziale Mindeststandards und eine religionsfreundliche Gesellschaftspolitik sind für ihn dabei wichtige Stichworte.

Maßgeblich von Deutschen geprägt
Die Christen und die Kirchen sieht Marx in diesem Prozess nicht als Zaungäste, sondern als Akteure, auf die es ankommt. Unlängst regte er einen europäischen Katholikentag an als Kommunikationsforum, bei dem Christen auch ihre Ideen für eine Neuordnung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftsordnung einbringen könnten.

Mit dem französischen Sprachraum ist Marx seit einem Studienaufenthalt in Paris vertraut. Als Bischof von Trier war er nicht nur räumlich nahe am Geschehen in der Schaltzentrale der Europapolitik. Auch diese Erfahrungen werden ihm bei seiner neuen Aufgabe nützlich sein.

Die EU-Bischofskommission ist seit ihren Anfängen 1980 maßgeblich von Deutschen geprägt worden. Der Essener Kardinal Franz Hengsbach initiierte die Schnittstelle der katholischen Kirche zu den europäischen Institutionen und war ihr erster Präsident. Später gab der Hildesheimer Bischof Josef Homeyer der kirchlichen Lobbyarbeit in Brüssel mehr als ein Jahrzehnt lang ein Gesicht. Auch seinem Mitwirken ist es zu verdanken, dass die Kirchen im Amsterdamer Vertrag 1997 ihre Rechtsstellung in den EU-Mitgliedstaaten sichern konnten. Und noch eines fällt auf bei der Ahnenlinie Hengsbach-Homeyer-Marx: Alle sind Westfalen.

Christoph Renzikowski

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